Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Gefährliches Spiel mit Laserpointern
Mehr Welt Panorama Gefährliches Spiel mit Laserpointern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:55 20.08.2009
Mit Laserpointern haben Jugendliche Piloten geblendet. Quelle: Harald Koch (Archiv)
Anzeige

Die Maschine war schon kurz vor der Landebahn des Flughafens der griechischen Insel Rhodos, als die Piloten im Cockpit plötzlich durch ein grelles grünes Licht geblendet wurden. Die Flugzeugführer brachen die Landung sofort ab, gaben den Triebwerken vollen Schub und zogen die Nase des Jets nach oben. Über Sprechfunk informierten die Piloten den Tower, der alarmierte die Polizei.

Wenig später nahmen die Beamten in der Einflugschneise zwei Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren fest. Sie hatten sogenannte Laserpointer dabei. Diese kleinen Geräte sind ursprünglich als Lichtzeiger für Vorträge gedacht – eine Art optischer Zeigestock für Bildprojektionen. Man kann sie nicht nur in jedem Elektronikladen kaufen, in Griechenland werden Laserpointer in Form von Schlüsselanhängern oder Kugelschreibern auch von vielen Straßenhändlern angeboten. Sie stammen überwiegend aus China und kosten nur rund zehn Euro. Die Reichweite der stark gebündelten Laserstrahlen kann mehrere Kilometer betragen.

Anzeige

In den Händen von Kindern und Jugendlichen können sie, wie der Zwischenfall vom vergangenen Sonnabend zeigt, schnell zu gefährlichem Spielzeug werden. Die Polizei von Rhodos nahm nicht nur die beiden Jugendlichen fest, auch deren Eltern mussten zur Wache. Auf die beiden Jungs kommt ein Strafverfahren wegen Gefährdung des Luftverkehrs zu, die Eltern müssen sich wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht verantworten.

Der Vorfall von Rhodos ist kein Einzelfall: Erst eine Woche zuvor wurde in Heraklion auf der Insel Kreta ein 16-Jähriger festgenommen, der am Flughafen Nikos Kazantzakis einen Laserzeiger auf die Cockpits landender Flugzeuge gerichtet hatte. „Wir bekommen ständig mehr Meldungen über solche Zwischenfälle“, sagt Grigoris Konstantellos, der Vorsitzende des griechischen Zivilpiloten-Verbandes.

Er erläutert, warum die Laserstrahlen so gefährlich sind: „Bei einem nächtlichen Landeanflug dimmen die Piloten die Instrumentenbeleuchtung im Cockpit, um die Landebahn besser sehen zu können. Durch die Dunkelheit öffnen sich ihre Pupillen. Wenn sie dann ein Laserstrahl trifft, sind die Piloten für einige Sekunden fast blind. Bei schwierigen Wetterbedingungen oder starkem Wind kann das extrem riskant sein.“ Als besonders gefährlich gilt grünes Laserlicht, da es vom menschlichen Auge 400-mal intensiver wahrgenommen wird als rotes Licht. Die Sehstörungen, die bei direkter Bestrahlung mit einem grünen Laserzeiger ausgelöst werden, können Minuten oder sogar Stunden anhalten.

Allein beim Anflug auf den Flughafen der nordgriechischen Stadt Thessaloniki haben Linienpiloten seit Beginn des Jahres drei Dutzend Laser-Attacken gemeldet. Dort hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet. Die Polizei fährt in der Einflugschneise verstärkt Streife.

Die zunehmende Gefährdung durch Laserpointer ist nicht allein ein griechisches Phänomen. Auch aus den USA, Australien und Spanien werden immer mehr solche Fälle gemeldet. Das Thema beschäftigt bereits den internationalen Zivilpilotenverband IFALPA. Er gab dazu im Februar dieses Jahres ein Merkblatt heraus, das vor der zunehmenden Gefahr warnt.

Unterdessen treiben die griechischer Laserschützen auch auf den Straßen ihr Unwesen: Am Montag dieser Woche nahm die Polizei beim mittelgriechischen Karditsa zwei Jugendliche fest, die Autofahrer unter Laserbeschuss genommen hatten.

von Gerd Höhler