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Panorama Fußball-Historie im Plattenbau
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17:58 22.07.2009
Museumsbesucher spielen in Berlin im Museum für Deutsch-Europäische Fussballkultur an einem Kicker. (Archivbild)
Museumsbesucher spielen in Berlin im Museum für Deutsch-Europäische Fussballkultur an einem Kicker. (Archivbild) Quelle: Michael Gottschalk/ddp
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Auf rund 400 Quadratmetern widmet sich das private Museum der deutschen Fußballhistorie - und weil das ein bisschen wenig Platz ist für Bundesliga, DFB-Pokal, Europa- und Weltmeisterschaften, haben sich die Initiatoren auf die 39 internationalen Titel deutscher Mannschaften beschränkt.

„Als Standort kam überhaupt nur Berlin in Frage“, sagt Mitinitiator Johann Schlüper. Dabei verweist der 59 Jahre alte Rheinländer nicht nur darauf, dass ein Museum, das „Fans aus Ost- und Westdeutschland“ begeistern soll, in der Hauptstadt angesiedelt sein müsse. „Auch, dass Berlin jährlich von mehreren Millionen Touristen besucht wird, spricht dafür“, fügt er hinzu.

Dass die Wahl schließlich auf den Lichtenberger Plattenbau fiel, hat vor allem mit dem Hauptsponsor des Museums zu tun. Eine Wohnungsbaugesellschaft hatte sich bereit erklärt, die Räume zu stellen und so wurde aus deren Angebot ausgewählt. „Es war gar nicht so leicht, Räumlichkeiten in der entsprechenden Größe aufzutun“, sagt Schlüper, der nicht findet, dass die Begriffe „Museum“ und „Plattenbau“ unvereinbare Widersprüche sind.

Innerhalb von nur zwei Monaten sei das Museum dann eingerichtet worden, erzählt er weiter. Deswegen fehlt noch das eine oder andere Exponat. Auch die Decke soll in nächster Zeit abgehängt werden: „Nach dem Vorbild des Münchner Olympiastadions werden da Stoffbahnen angebracht, damit das Ganze wie ein Zeltdach wirkt.“ Auch Schlüpers Lieblingsstück - ein Holz-Modell des Berner Wankdorfstadions, in dem die deutsche Nationalmannschaft 1954 Weltmeister wurde - muss sich der Besucher vorerst noch vorstellen.

Wo später einmal das Stadionmodell stehen soll - auf dem Tisch in einem ausschließlich dem sogenannten Wunder von Bern gewidmeten Raum - liegt vorerst nur ein Plan der Spielstätte aus. Darauf ist eine Handvoll kleiner Plastikmännchen platziert. „Das sind die Bauarbeiter, das Stadion wird ja noch gebaut“, erklärt Schlüper schmunzelnd. Tausende solcher Figuren sollen später die Arena füllen. „Die alle hinzukleben, das wird eine Schweinearbeit“, befürchtet er. Bis es soweit ist, können sich die Besucher an allen möglichen Fotos, Bällen, Schuhen und Trikots erfreuen - eines davon ist Schlüper zufolge ein Originaltrikot der 1954er Mannschaft und stammt aus dem Besitz des damaligen Team-Masseurs.

Die Fußball-Leidenschaft von Schlüper und seinen Kollegen vom Verein „Museum für deutsch-europäische Fußballkultur“, der als Träger der Einrichtung fungiert, ist allenthalben spürbar. Aus mehreren Tausend Stücken wollen sie schöpfen können - ein Großteil dieser Objekte, die überwiegend aus Privatbesitz stammen, soll nach und nach und im Wechsel mit anderen Exponaten den Weg in die Ausstellung finden.

Darunter ist auch die Nachbildung eines Pokals des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), den der 1. FC Union Berlin einst gewann. „Es ist uns wichtig, dass Fußball-Fans aus ganz Deutschland ihre Mannschaften hier wiederfinden“, erklärt Schlüper. Deswegen findet sich in einem weiteren Ausstellungsraum auch ein Plakat mit dem DDR-Team von 1974, das damals in einem legendären WM-Duell gegen die BRD 1:0 gewann.

Überhaupt schwelgt Schlüper, was Fußball angeht, lieber in der Vergangenheit. „Poldi und Schweini, das machen wir nicht, das überlassen wir anderen“, sagt er leicht gereizt. Ereifern kann sich der Rheinländer auch über das geplante Museum des Deutschen Fußball-Bundes in Dortmund. „Wenn die Euphorie nach dem ersten Jahr nachlässt und in den Folgejahren immer weniger Besucher kommen, bleibt das Land Nordrhein-Westfalen bestimmt zu einem guten Teil auf den Kosten sitzen“, prophezeit er.

Die Besucher, die an diesem Vormittag den Weg in das Berliner Museum gefunden haben - ein älteres Ehepaar aus Berlin mit ihrem Enkel aus Leipzig - finden jedenfalls, dass sich die vier (ermäßigt zwei) Euro Eintritt lohnen. Der Enkel sei Fußballfan und da sei doch so ein Angebot ganz schön, sagen sie und wenden sich wieder der leidenschaftlichen Hörfunk-Reportage von Herbert Zimmermann zum 1954er WM-Finale in Bern zu. Übertragen wurde das Spiel selbstverständlich auch in die DDR - an die Kommentierung von Wolfgang Hempel und Heinz-Florian Oertel erinnern sich aber, anders als an Zimmermanns legendäres Stück Radiogeschichte, wahrscheinlich nur noch die wenigsten.

ddp