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Panorama Für Dioxin-Skandal verantwortliches Unternehmen wird zerschlagen
Mehr Welt Panorama Für Dioxin-Skandal verantwortliches Unternehmen wird zerschlagen
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19:21 03.01.2012
Von Karl Doeleke
Genau vor einem Jahr: Polizeibeamte auf dem Firmengelände von Harles und Jentzsch. Grundstück und Anlagen werden nun verkauft.
Genau vor einem Jahr: Polizeibeamte auf dem Firmengelände von Harles und Jentzsch. Grundstück und Anlagen werden nun verkauft. Quelle: dpa
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Hannover

„Das Grundstück und die Produktionsanlagen werden zugunsten der Insolvenzmasse verkauft“, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Frank Plümer, dieser Zeitung. „Es gibt Verkaufsverhandlungen. Wir rechnen im Laufe des Januars mit einem Ergebnis.“ Das Unternehmen im schleswig-holsteinischen Uetersen wäre damit Geschichte, würde aus dem Handelsregister gelöscht. Die Firma sieht sich Forderungen in Höhe von rund 20 Millionen Euro von knapp 600 betroffenen Landwirten und Futtermittellieferanten gegenüber. „Wer als Gläubiger anerkannt ist, kann davon ausgehen, dass er aus der Insolvenzmasse einen Teil seines Schadens ersetzt bekommt“, sagte der Sprecher. Allerdings werde es nach dem Verkauf noch einige Zeit bis zur Ausschüttung dauern.

Harles und Jentzsch hatte im Januar 2011 Insolvenz angemeldet, nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen Futterfette mit billigen Industriefetten gemischt und an etliche Futtermittelhersteller vor allem in Niedersachsen und Schleswig-Holstein geliefert haben soll. Nachdem das als krebserregend geltende Dioxin in zu hoher Menge in Fleisch und Eiern nachgewiesen worden war, sperrten die Behörden bundesweit knapp 5000 Bauernhöfe, davon 4500 in Niedersachsen.

Allerdings dürfte die Zerschlagung von Harles und Jentzsch kaum die Folgen des Dioxin-Skandals ausgleichen. Allein den niedersächsischen Landwirten entstand laut einer Schätzung des Landvolks allein im vergangenen Januar ein Schaden von 100 Millionen Euro. Zehntausende Legehennen und Schweine wurden getötet und mussten entsorgt werden. Zahlreiche Betriebe durften nicht schlachten. Auch Höfe, die kein verseuchtes Futtermittel erhalten hatten, mussten herbe Verluste hinnehmen. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbandes sanken die Preise für Eier um ein Drittel, für Schweinefleisch um ein Viertel. Das Landvolk ist daher unzufrieden mit der Aufarbeitung des Dioxin-Skandals: „Notwendig wäre eine Versicherungspflicht für die Futtermittelfirmen. Das vermissen wir“, sagte die Sprecherin des Landvolks, Gabi von der Brelie.

Für Irritationen sorgen unterdessen Spekulationen, wonach der damalige Geschäftsführer von Harles und Jentzsch, Siegfried Sievers, straffrei bleiben könnte. Er hatte Ende Dezember 2010 der Lebensmittelkontrollstelle die erhöhten Dioxinwerte gemeldet. Eine Vorschrift im Futtermittelgesetz besagt, dass Unternehmer, die sich selbst bei Behörden anzeigen oder Grenzwertüberschreitungen öffentlich machen, straffrei ausgehen. Laut Medienberichten wurde das so von der Staatsanwaltschaft in Itzehoe bestätigt.

Andererseits waren der Firma die erhöhten Dioxinwerte durch Eigenkontrollen bereits seit März 2010 bekannt. Um die Giftfunde zu verschleiern, soll Harles und Jentzsch die Futterfette monatelang verdünnt oder beim Kontrolllabor als technische Fette deklariert haben. Ob und wann Anklage erhoben werde, sei derzeit noch offen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft in Itzehoe.

03.01.2012
03.01.2012