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Panorama Fünf Tote bei Bombenanschlag auf Militärbus
Mehr Welt Panorama Fünf Tote bei Bombenanschlag auf Militärbus
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18:37 22.06.2010
Fünf Menschen kamen bei einem Bombenanschlag in Istanbul ums Leben. Quelle: afp
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Bei einem Bombenanschlag auf die türkische Armee sind am Dienstag in Istanbul fünf Menschen getötet worden. Die Gruppe „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK) bekannte sich zu dem Anschlag und teilte auf ihrer Website mit, sie habe den Sprengsatz gezündet, weil die Türkei „ein Massaker gegen die Kurden“ plane. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan erklärte, mit solchen Attacken könnten „terroristische Organisationen“ nichts erreichen.

Der Sprengsatz explodierte gegen 07.15 Uhr Ortszeit im Istanbuler Vorort Halkali, als ein ziviler Bus mit Soldaten und deren Familien vorbeifuhr. Nach Angaben von Istanbuls Gouverneur Huseyin Avni Mutlu war die Bombe am Straßenrand versteckt und wurde per Fernsteuerung gezündet. Drei Soldaten und die 17-jährige Tochter eines Offiziers wurden getötet. Zwölf weitere wurden nach seinen Angaben verletzt, zwei davon schwer. Ein Soldat starb später in einem Krankenhaus, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

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Auf der TAK-Website hieß es, die türkische Regierung habe sich ein „Konzept der Aggression“ gegen den inhaftierten Chef der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, angeeignet. Die TAK betrachten den PKK-Gründer als Leitfigur und wird laut Einschätzung türkischer Sicherheitskräfte von der PKK-Führung gelenkt. Die PKK bezeichnet die TAK hingegen als Splittergruppe, über die sie keine Kontrolle hat.

Erdogan hatte vor dem Bekenntnis der TAK die PKK verantwortlich gemacht. „Die Terrororganisation weiß sehr genau, dass sie mit solchen Angriffen nichts erreichen wird“, sagte er. Die PKK hatte am Wochenende mit Angriffen auf „jede Stadt der Türkei“ gedroht, wenn die türkische Armee weiter gegen sie vorgehe. In der Nacht zum Dienstag töteten Soldaten bei Einsätzen im Südosten und Nordwesten des Landes sieben PKK-Rebellen.

Im Konflikt zwischen dem türkischen Staat und kurdischen Rebellen sind seit Beginn des PKK-Aufstands 1984 bislang mehr als 45.000 Menschen ums Leben gekommen. Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft.

Die Regierung lehnt ihrerseits einen Dialog mit der PKK ab. Erdogan bekräftigte am Dienstag aber seinen Willen zur friedlichen Beilegung des Kurdenkonflikts. „Wir werden unsere (kurdischen) Landsleute nicht noch einmal enttäuschen“, sagte er. Die PKK als „Terrororganisation“ stehe nicht stellvertretend für die kurdische Bevölkerung.

Der Europarat verurteilte den Anschlag. Ein solches Blutvergießen könne nur „Trauer und Zorn“ hervorrufen, erklärten der amtierende Vorsitzende des Ministerkomitees, der mazedonische Außenminister Antonio Miloshoski, und der Präsident der Parlamentarier-Versammlung, der Türke Mevlüt Cavusoglu, in einer gemeinsamen Erklärung.

afp

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