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Panorama Frühchen-Zwillinge kämpfen sich ins Leben
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19:00 27.11.2012
„Es sind Sonntagskinder“: Die Frühchen Leonie und Niklas Brüssow in den Armen ihrer Eltern Steffi und Dennis. Nach Monaten in der Uni-Klinik Greifswald dürfen sie endlich nach Hause. Quelle: Binder
Greifswald/Oldenburg.

Steffi und Dennis Brüssow aus Oldenburg halten ihr Glück in den Armen und können es immer noch nicht fassen: Niklas und Leonie, ihre Zwillinge, haben sich ins Leben gekämpft. Eigentlich sollten sie erst jetzt, am Jahresende geboren werden. Doch am 12. August setzten bei der werdenden Mutter plötzlich Blutungen ein. Viel zu früh, in der 22. Schwangerschaftswoche - und dann noch im Urlaub auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern.

Seit jenem Augusttag waren der 30-Jährige Dennis Brüssow und seine Frau Steffi fast ununterbrochen in der Greifswalder Klinik bei ihren Kindern. Lediglich eine Woche Heimaturlaub in Niedersachsen haben sie sich gegönnt, „weil uns die Krankenschwestern dazu gezwungen haben“, lacht er. In der kommenden Woche sollen endlich auch die Kinder nach Oldenburg verlegt werden. Hinter ihnen liegen fast dreieinhalb Monate des Bangens um ihre Kinder.

Der Sommerurlaub auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern bei Steffi Brüssows Eltern sollte der letzte Urlaub zu zweit sein. Doch dann kam alles ganz anders. Das Paar fuhr sofort ins Krankenhaus nach Bergen. Von dort wurde die 28-Jährige mit einem Rettungswagen in die Greifswalder Universitätsfrauenklinik gebracht. Dort brachte sie Niklas und Leonie zur Welt.

Für das Team um Prof. Matthias Heckmann, Leiter der Neonatologie, war klar, dass die Überlebenschancen für die Zwillinge gering waren. Niklas wog 600 Gramm und Leonie brachte gerade einmal 500 Gramm auf die Waage.

„In Deutschland gilt für Frühchen als Grenze der Überlebensfähigkeit die 24. bis 25. Schwangerschaftswoche. Aber die Babys zeigten deutliche Lebenszeichen. Also haben wir mit den Eltern entschieden, um die beiden zu kämpfen“, erklärt Heckmann. „Es sind Sonntagskinder. Wir haben fest daran geglaubt, dass sie es schaffen“, meint Vater Dennis.

Das Ehepaar aus Niedersachsen ist den Greifswalder Ärzten und Schwestern unendlich dankbar. „Sie haben das Unmögliche wahr gemacht und sich rührend um uns gekümmert. Ich habe mich so umsorgt gefühlt, das vergesse ich niemals“, sagt Steffi Brüssow, während sie ihre Tochter zärtlich streichelt. Leonie wiegt heute 1815 Gramm, ihr Bruder bringt es auf 2200 Gramm. Beide trinken eigenständig.

„Die Zwillinge sind Kämpfernaturen“, bescheinigt Prof. Heckmann. Es gab zahlreiche Komplikationen: Sie mussten lange intensiv beatmet werden. Beide hatten sehr kranke Lungen, Löcher im Darm. Mehrere komplizierte Eingriffe waren nötig, um ihr Überleben zu sichern.

„Durch das Einfliegen von Spezialisten des Deutschen Herzzentrums Berlin konnte Leonie in Greifswald am Herzen operiert werden, die Kleine war nicht transportfähig“, schildert der Professor. Zudem hatte sie eine Augenerkrankung. „Die Frühchen profitieren von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Deshalb wurde Leonies Netzhaut nicht gelasert, sondern mit Medikamenten geheilt“, so der erfahrene Neonatologe.

Matthias Heckmann und sein Team werden Niklas und Leonie vermissen. „Aber ich bin froh, dass die moderne Medizin für Extremfrühchen heute weitaus bessere Perspektiven eröffnet als noch vor zehn Jahren. Wir hoffen für die Zwillinge und ihre Eltern auf eine weitere positive Entwicklung“, sagt er. Liebe, Geduld und Hoffnung der Familie seien dafür die allerbesten Voraussetzungen.

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