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Panorama Frankfurter Flughafen am Morgen lahmgelegt - Weniger Unfälle
Mehr Welt Panorama Frankfurter Flughafen am Morgen lahmgelegt - Weniger Unfälle
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09:32 21.12.2010
Am Düsseldorfer Flughafen hatten die Passagiere am Dienstag Glück. Es kam kaum zu Beeinträchtigungen. Quelle: dpa
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Plötzlich einsetzender Schneefall hat den Flughafen Frankfurt am frühen Dienstag erneut lahmgelegt. Nach einer anfangs ruhigen Nacht kam das wichtigste deutsche Luftdrehkreuz durch den Schnee erneut zum Stillstand. Von 5.00 Uhr an waren weder Starts noch Landungen möglich. Der Winterdienst befinde sich im Dauereinsatz und setze alles daran, die Start- und Landebahnen eis- und schneefrei zu halten, sagte Fraport-Sprecher Jürgen Harrer. Nach dreieinhalb Stunden Sperrung hat der Flughafen seinen Betrieb wieder aufgenommen. Die erste Maschine sei um 8.28 Uhr wieder gelandet, teilte ein Sprecher mit. Zunächst wurde nur eine der drei Bahnen freigegeben. Auch im Laufe des Tages ist noch mit erheblichen Behinderungen und Flugausfällen zu rechnen.

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„Im Augenblick geht aber nichts. Diese massiven Niederschläge waren nicht vorhergesagt“, sagte Harrer. Anders als zunächst angenommen müsse daher auch am Dienstag „mit erheblichen Verzögerungen und Flugausfällen“ gerechnet werden. Es sei nun wichtig, sich bestmöglich um die Passagiere zu kümmern und sie wie an den Tagen zuvor mit Getränken und Snacks zu versorgen.

Am Flughafen Hannover fielen einige Flüge aus. Vor Flugzeuge nach Frankfurt und London wurden gestrichen. Auch Amsterdam war betroffen.

Schnee und Eis haben zwar auch in der Nacht zum Dienstag den Verkehr in Niedersachsen behindert, schwere Unfälle blieben aber aus. Im Kreis Osnabrück werden allerdings die Autobahnen wegen der Kälte nicht mehr gestreut, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Polizei mahnt zu besonderer Vorsicht. Währenddessen kam es im Harz und im Raum Hannover zu keinen Beeinträchtigungen. Dagegen muss im Bahnverkehr witterungsbedingt mit Verzögerungen gerechnet werden. Über das Winterwetter freuen dürfen sich Niedersachsens Schüler. In weiten Teilen des Landes bleiben die allgemein- und berufsbildenden Schulen am Tag vor den Weihnachtsferien geschlossen.

Die Menschen in Deutschland scheinen sich nach den ersten Tagen im Kälte-Chaos auf die Lage eingestellt zu haben. In der Nacht zum Dienstag blieb es überall auf den Straßen der Republik so ruhig, dass selbst die Polizei überrascht war. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa am frühen Dienstagmorgen bei den größten Polizeidienststellen im Land. Und die Wettervorhersage kündigt sogar Tauwetter an, zumindest für den Süden.

Schnee und Eis hatten am Montagabend auf der Autobahn 40 bei Duisburg noch für Schrecksekunden gesorgt: Vier Lastwagen und acht Autos prallten in einer Massenkarambolage gegeneinander. Trotz der teils schwer beschädigten und ineinander verkeilten Fahrzeuge verlief der Unfall für alle Beteiligten eher glimpflich: Es gab lediglich vier Leichtverletzte. Der Grund für die Karambolage war laut Polizei vermutlich der Fehler eines Lkw-Fahrers beim Wechseln der Fahrspur.

In den anderen Teilen Deutschlands gab es hingegen kaum Einsätze für die Polizei. „Hier ist es glatt, aber ruhig“, hieß es aus Bonn. „Oft rutschig, aber bisher ohne Folgen“, meldete Darmstadt. „Wir wundern uns selber, dass es so ruhig ist“, sagte ein Polizist in Frankfurt/Oder. Der Kollege in Göttingen berichtete: „Es ist neblig und glatt, aber nichts passiert.“ Jena meldete: „Diesmal angenehm ereignisarm.“ Für die Polizei Heidelberg „hat sich alles beruhigt“.

In Magdeburg mutmaßte eine Sprecherin gar „Die sind wohl alle zu Hause geblieben.“ Und auch in Kempten im Allgäu, wo am Montagabend 14 Zentimeter Schnee lagen, berichtete die Polizei: „Wir haben gar keine Wetterunfälle.“ Und in Stralsund herrschte „absolute Ruhe“.

Grund zur Hoffnung, dass die Winterprobleme rechtzeitig zum Fest ein Ende haben werden, gab es auch am Frankfurter Flughafen. „Wir sind guter Dinge, dass sich die Lage heute normalisiert“, sagte ein Sprecher des Airportbetreibers Fraport am frühen Dienstagmorgen. Es habe nicht mehr geschneit und die Start- und Landebahnen seien frei.

Absehbar waren auf Deutschlands größtem Luftdrehkreuz, dass 140 innerdeutsche Lufthansa-Verbindungen ausfallen. Diese Streichungen hätten aber lediglich organisatorische Gründe, um die Rotation der Flieger wieder ins Lot zu bringen. „Das dürfte keine großen Auswirkungen für die Passagiere haben“, sagte der Sprecher.

Auch die Bahn versprach eine Besserung der über das Wochenende chaotischen Situation. Der für den Personenverkehr zuständige Bahn- Manager Ulrich Homburg kündigte in der „Bild“-Zeitung (Dienstag) an, dass der Weihnachtsreiseverkehr laufen werde: „Wir werden alle verfügbaren Züge fahren und sicherstellen, dass die Hauptreiserouten im Fernverkehr mit der nötigen Kapazität befahren werden. Auf den Nebenstrecken wird unsere Regionalzug- und Busflotte dafür sorgen, dass möglichst jeder sein Reiseziel zu Weihnachten erreicht.“

Außerdem bat Homburg um Nachsicht für die massiven Verspätungen vieler Züge. Die Fahrgäste müssten die Anstrengungen der Tausenden Bahn-Mitarbeiter im Kampf gegen die winterlichen Behinderungen auch honorieren. Sie leisteten „trotz der extrem widrigen Umstände immer noch Unglaubliches“, zitiert das Blatt den Manager. So räumten beispielsweise aktuell 10.000 Menschen bei der Bahn den Schnee.

Dieser Kampf gegen Schnee und Eis auf den Bahnanlagen endete für einen Trupp Gleisarbeiter in Köln-Mülheim tragisch: Am Dienstag um kurz nach Mitternacht fuhr eine Regionalbahn in die Gruppe der vier Männer und tötete zwei von ihnen - 40 und 41 Jahre alt. Warum niemand die Gefahr rechtzeitig erkannte, war zunächst unklar. Die Ermittlung an der Zugstrecke dauerte an, sagte ein Polizeisprecher. Die übrigen zwei unverletzten Männer seien wohl nicht direkt am Gleis gewesen.

Derweil kritisierten Verkehrspolitiker von SPD und Grünen die Bahn wegen der witterungsbedingten Serviceprobleme scharf. „Die Vorbereitung auf den Börsengang hat der Bahn schwer geschadet. Beim Personal und bei der Wartung wurde drastisch gespart. Das spürt man jetzt dramatisch“, sagte Grünen-Politiker Winfried Hermann, Chef des Bundestags-Verkehrsausschusses, der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Dienstag). Ein gut aufgestelltes Unternehmen könnte die Winterprobleme anders bewältigen, betonte Hermann.

Auch der SPD-Verkehrsexperte Uwe Beckmeyer kritisierte den Bahnvorstand. „Ich bin fassungslos, dass es bei der Bahn immer noch kein flexibles Notfallmanagement gibt“, sagte Beckmeyer der Zeitung. „Die Bahn müsste eigentlich einen Puffer an Ersatzzügen vorhalten, um Ausfälle zu kompensieren.“ Beckmeyer, Mitglied im Bundestags- Verkehrsausschuss, warf der Bundesregierung vor, auf Kosten der Bahn zu sparen. Die Bahn, die zu 100 Prozent dem Bund gehört, müsse wegen des Sparpakets der Bundesregierung in den kommenden vier Jahren jeweils 500 Millionen Euro an den Bund abführen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach kündigte am Dienstag an, dass es im Laufe des Tages in ganz Süddeutschland tauen werde. Im Norden hingegen bleibe es kalt. Mit Schneefall sei bis Mittwoch vor allem in Nordhessen und Nordrhein-Westfalen zu rechnen, er werde sich aber in Grenzen halten. Gefahr drohe eher mit Glatteisregen. „Dies betrifft wahrscheinlich vor allem die mittleren und südwestlichen Teile Deutschlands“, hieß es in einer ersten Prognose des DWD.

dpa

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