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Panorama Flugzeug mit 228 Menschen verschwindet über Atlantik
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22:13 01.06.2009
Ein Airbus A330-200: Ein baugleiches Modell ist seit Montag verschollen. Quelle: Joern Pollex/ddp

Die Ungewissheit zerrt an den Nerven. Aber wenigstens ist da anfangs noch Hoffnung. Solange brasilianische und französische Aufklärungsflugzeuge die vermisste Air-France-Maschine nicht gefunden haben, könnte sie theoretisch noch unterwegs sein, ohne jeden Funkkontakt mit der Außenwelt zwar, aber immerhin in der Luft.

Doch am Montagnachmittag um 14 Uhr ist die letzte Hoffnung dahin. Nach Aussage von Luftfahrtexperten hätte die um Mitternacht mitteleuropäische Zeit (19 Uhr Ortszeit) in Rio de Janeiro gestartete Air-France-Maschine spätestens zu diesem Zeitpunkt den letzten Tropfen Treibstoff verbraucht. Vermutlich sind alle 228 Menschen an Bord, darunter viele Deutsche, tot. Nach Informationen des SWR befinden sich unter den Passagieren der Unglücksmaschine unter anderem fünf Menschen aus Stuttgart und Umgebung: eine Frau, deren Eltern, die Schwester sowie deren zweijährige Tochter.

Um 4.14 Uhr hiesiger Zeit, hatte der Flug AF 447 ein Problem mit der Stromversorgung gemeldet. Etwa 400 Kilometer vor der brasilianischen Küste östlich der Insel Fernando de Noronha befand sich der Airbus A330-200 zu dieser Zeit über dem Atlantik. Weitere Lebenszeichen aus dem Cockpit gab es danach nicht mehr. Nicht einmal mehr einen Notruf.

Während die brasilianische Luftwaffe und eine im Senegal gestartete Militärmaschine dort am Montagnachmittag die Suche nach dem vermissten Flugzeug und den 228 Passagieren fortsetzte, gingen in Paris Hinweise ein, wonach das Flugzeug in ein Unwetter geraten sein dürfte. Air France sprach am Nachmittag von schweren Gewittern. Man könne nicht ausschließen, dass die Maschine vom Blitz getroffen Maschine ins Meer gestürzt sei, sagte ein Sprecher.

Sicher ist bisher nur, dass der Airbus die marokkanische Küste nicht mehr erreicht hat. Nach Auskunft der Behörden von Rabat ist die der Airbus auf den Radarschirmen der nationalen Luftsicherung nicht aufgetaucht. Der Pilot hatte Air France zufolge 11 000 Stunden Flugerfahrung und 1700 auf diesem Typ von Maschine. Das Flugzeug wurde zuletzt am 16. April gewartet. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es gebe keinen Hinweis auf einen Terroranschlag.

Im Terminal 2 des Pariser Flughafens Charles de Gaulle, wo die Maschine um 11.15 Uhr hätte landen sollen, drängen sich Polizisten und Flughafenärzte. Am Hals eines Mannes mit weißem Polohemd baumelt ein Stethoskop. Psychologen treten hinzu. Über Lautsprecher werden die auf die Ankunft des Fluges AF 447 Wartenden gebeten, sich in einen eigens für sie eingerichteten Saal im Terminal 2E zu begeben. Die Ärzte und Psychologen schließen sich einem Tross verängstigter Menschen an, die gekommen waren, um Angehörige oder Freunde willkommen zu heißen. Für diejenigen, die zu Hause um das Leben der Passagiere des Unglücksfluges bangen, sind zwei Notfalltelefonnummern eingerichtet worden. Fernsehteams versammeln sich vor dem Ausgang 2D4, wo Trauernde später aus dem Empfangsgebäude geschleust werden sollen.

Diejenigen, denen die Angst um Angehörige und Freunde nicht die Sinne vernebelt, stellen sich immer wieder dieselbe Frage: Was genau ist mit dem Flug AF 447 passiert? Und vor allem: Wie konnte das passieren? Selbst Fachleute scheinen ratlos. Sie bleiben nicht nur eine schlüssige Erklärung schuldig, sie bezweifeln auch, was bisher zur Erklärung der Katastrophe herangezogen wurde: die Theorie vom Blitzschlag.

Es komme häufig vor, dass der Blitz in ein Flugzeug einschlage, versichert der Luftfahrtexperte Gérard Jouany. In so einem Augenblick habe das Flugzeug einen Stromstoß von mehreren Tausend Volt zu verkraften. Aber selbst wenn daraufhin die Stromversorgung ausfalle, verfüge der Airbus A330 über mehrere Ersatzsysteme, die den Stromkreislauf aufrechterhielten. Und selbst bei einem Totalausfall der Stromversorgung sei gewährleistet, dass das Flugzeug Kurs halten könne. Ein Flugzeug sei wie ein Auto ein faradayscher Käfig, sagt auch der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg: „Der Blitz sucht sich den kürzesten Weg zum Boden und tritt irgendwo wieder aus dem Flugzeug aus.“ Ihm sei kein Fall bei modernen Verkehrsflugzeugen bekannt, in dem ein Blitzeinschlag zu einem Absturz geführt habe.

Viele Experten verweisen darauf, dass dass der Airbus A330 als sehr sicher gelte. Vielleicht auch deshalb sträuben sich die Behörden bis zuletzt gegen das Offensichtliche. Noch um 12.30 Uhr gibt der Élysée ein Kommuniqué heraus, in dem Staatschef Nicolas Sarkozy seine „äußerst heftige Beunruhigung“ darüber bekundet, dass der Funkkontakt zu der Maschine aus Rio abgebrochen ist. Die Pariser Flughafenverwaltung allerdings gibt zu dieser Zeit bereits bekannt: „Es besteht keine Hoffnung mehr.“

Die Fluggesellschaft Air France hat für Anrufer aus dem Ausland die kostenlose Hotline 0033–157021055 eingerichtet.

Der A330-200 gilt als sicher

Der A330-200 ist ein zweistrahliges Airbus-Großraumflugzeug, das für mittlere und lange Strecken ausgelegt ist. Die Maschine kann bis zu 12 500 Kilometer weit fliegen und zwischen 253 und 293 Passagiere befördern. Mit einer Rumpflänge von 59 Meter und einer Spannweite von gut 60 Metern ist der A330-200 die kleinste Maschine der A330-Familie. Die Flugzeuge werden im Hauptwerk Toulouse montiert. Ihren Linienbetrieb nahm die A330-200 im Jahr 1998 auf. Nach Herstellerangaben wurden bislang 343 Maschinen dieses Typs ausgeliefert, 341 waren zuletzt in Benutzung. Die Zahl der bestellten A330-200 gibt Airbus mit 557 an. Wichtige Abnehmer sind Air-France, KLM und Northwest; Lufthansa besitzt Maschinen des etwas größeren Typs A330-300.

Der Airbus A330 gilt als äußerst sicherer. In der Vergangenheit ist nur eine Maschine dieses Typs abgestürzt und dies infolge menschlichen Versagens: am 30. Juni 1994 bei einem Testflug kurz nach dem Start vom Flughafen Toulouse-Blagnac. Sieben Jahre später ging einem Airbus A 330 aufgrund eines Lecks das Kerosin aus. Pilot Robert Piché gelang nach dem längsten Gleitflug eines Düsenflugzeuges eine Notlandung auf den Azoren. Niemand kam zu Schaden.

von Axel Veiel

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