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Panorama Flughafen Hannover bis abends gesperrt - Frankfurt geschlossen
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16:30 16.04.2010
Verwaistes Vorfeld vor dem Terminal A am Flughafen Hannover-Langenhagen.
Verwaistes Vorfeld vor dem Terminal A am Flughafen Hannover-Langenhagen. Quelle: Uwe Dillenberg
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Flugchaos in Deutschland und Europa: Der Flughafen Hannover-Langenhagen und die beiden Flughäfen in Berlin bleiben nach neusten Informationen bis 20 Uhr geschlossen.Der Hamburger Airport sollte bis zum Abend geschlossen bleiben. „Wenn man die Wetterkarte sieht und die Prognosen des Deutschen Wetterdienstes, dann ist fast zu befürchten, dass wir heute in Hamburg keinen Flugverkehr mehr haben werden“, sagte Flughafensprecherin Stefanie Harder.

Die Airports in Bremen und Münster/Osnabrück, sowie in Düsseldorf und Köln/Bonn wo derzeit keine Maschinen starten und landen konnten, sind bis mindestesn 12 Uhr geschlossen. Wann der Luftraum wieder freigegeben werden kann, war zunächst unklar. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Flughäfen auch darüber hinaus geschlossen bleiben.

Annegret Bauer aus Hannover wollte mit ihrem Mann nach Palma fliegen und von dort aus auf Kreuzfahrt gehen. Doch am Morgen saßen sie auf dem Flughafen fest. „Wir sind etwas frustriert, aber nicht wütend. Das ist höhere Gewalt. Da kann man nichts machen“, sagte sie. Ähnlich sahen es auch Johann und Margret Aschenbranner aus Salzgitter. "Wir haben schon Schlimmeres erlebt wie beim Fluglotsenstreik auf Mallorca. Notfalls holt uns unser Sohn eben wieder ab." Die Stimmung in Langenhagen war insgesamt entspannt und ruhig. Viele Flugpassagiere hatten sich in den Medien informiert und waren zu Hause geblieben. Andere warteten auf Bänken oder in Cafés auf neue Informationen.

Auch der Hamburger Flughafen bleibt wegen der Aschewolke aus Island bis mindestens zum Mittag gesperrt. Dies teilte eine Flughafensprecherin am Freitagmorgen mit.

Grund für die Entscheidung zur Sperrung waren die Daten des Deutschen Wetterdienstes. Auf Radarbildern könne man sehen, wie sich die Aschewolke unregelmäßig nach Süden fortbewege, sagte Kristine Kelek Sprecherin der Deutschen Flugsicherung.

Von den Sperrungen nicht betroffen war zunächst der größte deutsche Flughafen in Frankfurt am Main. In Frankfurt waren seit Ausbruch des Vulkans auf Island bislang 400 Flüge gestrichen worden, teilte ein Sprecher mit. Gegen kurz vor 8 Uhr wurde dann auch der Frankfurter Flughafen gesperrt. Flugzeuge aus dem europäischen Luftraum durften von 8.00 Uhr an nicht mehr auf dem Frankfurter Flughafen landen. Auch Starts gebe es nicht mehr, sagte Thomas Uber, Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport, am Morgen. Da der Luftraum aber offen bleibe, würden Interkontinentalflüge umgeleitet, hauptsächlich nach München. „Eine Maschine aus Madrid nach Frankfurt wird dann keine Starterlaubnis mehr bekommen. Für Flüge aus Asien gibt es aber keine Verbote“, sagte Uber. Prognosen für den süddeutschen Luftraum und die dortigen Flughäfen seien derzeit allerdings schwer möglich.

Vor den Schaltern der Fluggesellschaften bildeten sich am Vormittag vielerorts gewaltige Warteschlangen. „So lange Schlangen habe ich hier noch nie gesehen“, sagte ein Reisender am Frankfurter Flughafen. Am Flughafen in München kommt es zu "zahlreichen Unregelmäßigkeiten". Die Aschewolke des Vulkans am Eyjafjalla-Gletscher soll den Airport am Abend erreichen.

Der Luftraum über dem Hunsrück-Flughafen Hahn musste am Freitag ebenfalls geschlossen werden. Das teilte die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH mit. Zur wichtigsten Passagier-Airline am Hahn, dem Billigflieger Ryanair, hieß es, deren Fluggäste könnten gebührenfrei umbuchen oder sich die Ticketkosten erstatten lassen.

Am Lübecker Flughafen Blankensee wurden zunächst die vier bis zum Mittag geplanten Flüge nach London, Palma de Mallorca, Pisa und Stockholm gestrichen. Der Luftraum über Norddeutschland sei von der Deutschen Flugsicherung gesperrt worden, sagte eine Flughafensprecherin. Es werde stündlich entschieden, wann die betroffenen Airports wieder geöffnet werden könnten.

Auch der Flughafen Leipzig/Halle ist seit Freitagmorgen betroffen. „Von 7 bis 14 Uhr fallen alle Flüge aus“, sagte am Freitagmorgen Flughafen-Sprecher Uwe Schuhart. Betroffen seien 24 Abflüge unter anderem nach Frankfurt, Wien, Paris oder Mallorca. Stündlich werde über die weitere Entwicklung neu beraten. In der Nacht war das Frachtdrehkreuz der Posttochter DHL noch verschont geblieben.

Die gefährliche Aschewolke vom Gletscher-Vulkan Eyjafjalla breitete sich immer weiter Richtung Osten und Südosten aus und wird den Luftverkehr vermutlich noch tagelang stören. Für Freitag sagte die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel starke Beeinträchtiungenn für Deutschland und Polen voraus. Etwa die Hälfte aller 600 Flüge zwischen Nordamerika und Europa falle zudem wohl aus.

Die Lage in Europa

Eurocontrol: Am Sonnabend keine Entspannung an Flughäfen

Die Lage an den Flughäfen in Europa wird sich nach Vorhersagen der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol auch am Sonnabend nicht entspannen. Die Aschewolke werde sich über Europa ausbreiten und deutlich größere Teile überdecken als am Freitag, teilten die Luftsicherheitsexperten in Brüssel mit. Darauf deuteten alle Wetterdaten hin. Die Wolke werde weiter nach Süden ziehen und schon am Sonnabendmorgen eine gedachte Linie von Südfrankreich über Norditalien bis zum nördlichen Balkan erreichen. Das sagte der Chef der Luftraumüberwachung bei Eurocontrol, Brian Flynn.

Wegen der Aschewolke sind am Freitag nach Angaben der europäischen Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol 60 Prozent aller Flüge in Europa ausgefallen. Zwölf Länder in Europa hätten ihren Luftraum ganz oder teilweise gesperrt.

In Großbritannien wurde das Flugverbot derweil bis voraussichtlich Freitagabend ausgeweitet. Auch in weiten Teilen Frankreichs ging ebenso wie in Belgien, den Niederlanden und Skandinavien nichts mehr. Irland gibt Luftraum wieder frei

Einzig im Westen Irlands wurde der Luftraum wieder freigeben. Wie die irische Flugbehörde mitteilte, ist die Sperrung der Airports Shannon und Cork aufgehoben, weil sich die Aschewolke in Richtung Osten und Süden bewege. Der Flughafen in Dublin blieb vorerst gesperrt.

In Großbritannien müssen Passagiere dagegen länger ausharren: Die Behörden sperrten den Flugraum für den ganzen Tag bis voraussichtlich 20.00 Uhr MESZ. Die Situation habe sich nicht verbessert, hieß es. Nur Flüge zwischen Nordirland und den westlichen Schottischen Inseln und den schottischen Flughäfen Glasgow und Prestwick seien bis zum frühen Nachmittag im Einzelfall möglich.

In London Heathrow, der wichtigsten Drehscheibe des europäischen Flugverkehrs und einem der wichtigsten Flughäfen der Welt mit täglich 1300 Flügen und 180.000 Passagieren, saßen schon am Donnerstag Zehntausende Passagiere fest. Die britische Gesundheitsbehörde hat Menschen mit Atemwegserkrankungen zur Vorsicht gemahnt. Die Aschepartikel könnten bei entsprechender Vorbelastung zu Irritationen führen. Schwere Schädigungen seien aber nicht zu erwarten.

In Frankreich war in der Nacht ein Großteil des Luftraums betroffen. Auch die beiden Pariser Großflughäfen Charles-de-Gaulle und Orly wurden ab 23.00 Uhr geschlossen. Landesweit sollen zudem 23 weitere Flughäfen nach Angaben des Amts für Flugsicherheit mindestens bis Freitag 14.00 Uhr geschlossen bleiben. Auch im Nordwesten Polens wurde am Abend der Luftraum gesperrt.
Lavaasche ist gefährlich für Düsentriebwerke und die Außenhaut der Flieger. Außerdem ist die Sicht beeinträchtigt. Fluggesellschaften mussten schon am Donnerstag rund ein Viertel der täglich etwa 28.000 Verbindungen absagen, wie Eurocontrol mitteilte.

In Belgien bleiben die Flughäfen wegen der Aschewolke bis mindestens Freitagabend 18.00 Uhr geschlossen. Das Verkehrsministerium werde am Nachmittag über eine Aufhebung oder Verlängerung der Sperre entscheiden, berichteten belgische Medien am Freitagmorgen. Auch Luxemburg hat seinen Luftraum bis Mitternacht für Flugzeuge gesperrt. In der belgischen Hauptstadt Brüssel mussten wegen abgesagter Flüge rund 200 Passagiere ohne gültiges Visum im Transitbereich des Flughafens übernachten, sagte ein Flughafensprecher der Nachrichtenagentur Belga. Die Kosten für die Schließung bezifferte der Flughafen auf mehrere Millionen Euro

Polen hat am Freitag seinen Luftraum fast vollständig geschlossen. Nur zwei Flughäfen, Krakau und Rzeszow im Süden des Landes, seien noch offen, teilte ein Sprecher der Luftfahrtagentur in Warschau am Morgen mit. Am Sonntag soll in Krakau das Staatsbegräbnis für den tödlich verunglückten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seine Frau Maria stattfinden. Auf dem Krakauer Flughafen werden am Sonntagvormittag mehr als 80 ausländische Flugzeuge mit Spitzenpolitikern, darunter US-Präsident Barack Obama und Russlands Staatsoberhaupt Dmitri Medwedew, erwartet.

„Es ist das erste Mal in der europäischen Luftfahrtgeschichte, dass wir mit einem solchen Phänomen umgehen müssen“, sagte einer der Leiter der Behörde. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas nannte die Aschewolke „eine große Bedrohung für die Sicherheit der Luftfahrt“. Vulkan spuckt weiter

Der Vulkan im Süden von Island stößt weiterhin eine große Wolke aus Lavaasche und Rauch in die Atmosphäre. Wie das Außenministerium in Reykjavik in der Nacht zum Freitag mitteilte, konnten fast alle der 800 Betroffenen Bewohner des Gebiets wieder in ihrer Häuser zurückkehren. Die Gefahr akuter Überschwemmungen durch geschmolzenes Gletschereis sei vorerst gebannt.

Merkel muss wegen Aschewolke Zwischenstopp machen

Die riesige Aschewolke über Europa hat auch den Heimflug von Bundeskanzlerin Angela Merkel aus den USA beeinträchtigt. Wegen des Ausbruchs des Vulkans Eyfjalla aus Island musste die Kanzlerin am Freitag in Portugals Hauptstadt Lissabon einen Zwischenstopp einlegen. Merkel kann nach Angaben eines Regierungssprechers „frühestens am Samstagmittag“ nach Deutschland weiterfliegen.

Ursprünglich sollte der Regierungs-Airbus am Freitagnachmittag gegen 15.30 Uhr auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin- Tegel ankommen. Die Kanzlerin war in der Nacht zum Freitag in San Francisco gestartet, der letzten Station ihrer viertägigen USA-Reise.

Flugbetrieb wird mehrere Tage behindert sein

Die Störung des Flugverkehrs durch Vulkanasche-Wolken wird voraussichtlich noch mindestens bis Anfang nächster Woche andauern. Das sagte die Sprecherin der Deutschen Flugsicherung in Langen bei Frankfurt, Ute Otterbein, am Freitag. Die Flugsicherung erklärte, es sei überhaupt nicht absehbar, wenn sich die Lage normalisiere. Sie wies darauf hin, dass der ganze europäische Flugverkehr durcheinander geraten sei. Die Umstellung auf Normalbetrieb werde mehrere Tage dauern. Für die Fluglotsen ist es eine Herausforderung. „Es ist eine außergewöhnliche Situation. Die hatten wir noch nie“, sagte Otterbein.

Hannover-Langenhagen

Frankfurt

Berliner Flughäfen

Hamburg

München

Münster/Osnabrück

Bremen

Die Homepage des Flughafens Hannover-Langenhagen ist zeitweise überlastet.

dpa/frs/mb/apd/sfu

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