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Panorama Flächenbrand zerstört Brutgebiete auf Vogelinsel
Mehr Welt Panorama Flächenbrand zerstört Brutgebiete auf Vogelinsel
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22:47 18.06.2009
Mehr als 24 Stunden wütete das Feuer auf der Insel. Quelle: Hero Lang/ddp
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„Der gesamte Innenbereich der eingedeichten Insel ist abgebrannt“, sagte Thomas Schumacher von der Naturschutzvereinigung Mellumrat. Eine etwa zehn Hektar große Fläche sei zerstört. Der Naturschützer kritisierte, dass erst am Donnerstagabend ein Löschflugzeug der Bundespolizei anrückte.

Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, weil es auf Mellum kein Süßwasser gibt. Zudem konnten die Rettungskräfte die Insel im Wattenmeer zunächst wegen des niedrigen Wasserstandes nur zu Fuß erreichen.

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Wie viele Jungvögel getötet wurden, ist noch nicht klar. „Es ist Aufzuchtzeit, und die Küken können nicht vor den Flammen wegfliegen“, sagte Schumacher. Die Hauptbrutgebiete des Wiesenpiepers, der Silbermöwen und der Austernfischer seien zerstört. „Die Vogelwelt auf Mellum wird sich komplett verändern.“ Die Flammen kamen bis auf wenige Meter an die Schutzhütte der Vogelkundler heran. Zwei Naturschützerinnen, die sich auf der Insel aufhielten, hatten die Feuerwehr alarmiert.

Der Löschhubschrauber der Bundespolizei sollte vier- bis fünfmal Wasser über der betroffenen Fläche abwerfen - und dabei Wasser aus der Nordsee nachtanken. „Wir hoffen, den Einsatz heute Nacht abschließen zu können“, sagte der Leiter des Katastrophenschutzstabes für den Landkreis Wesermarsch, Karl-Heinz Röben. Knapp 40 Feuerwehrleute sollten danach die restlichen Glutnester mit sogenannten Brandpatschen ausschlagen und dann mit dem Helikopter die Insel verlassen. Eine Brandwache werde aber noch über Nacht auf Mellum bleiben, sagte Röben.

Die Ursache für das Feuer ist noch vööig unklar. Laut Röben hat es in den vergangenen 40 Jahren auf Mellum nicht gebrannt. Die Naturschützerinnen kämen als Verursacherin nicht in Frage, betonte Schumacher vom Mellum-Rat. „Sie haben sich ganz woanders aufgehalten und sind militante Nichtraucherinnen.“

Die Brandbekämpfer standen wegen des Wassermangels auf der Insel zunächst buchstäblich auf dem Trockenen. Die bis zu vier Kilometer weite Entfernung bis zum Wasser war für Schlauchleitungen mit Pumpen zu groß. Mehrere Feuerwehrleute und Vogelschutzexperten mussten am Donnerstag zur Begutachtung der Schäden und weiterer Löscharbeiten mit einem Seenotrettungskreuzer und einem Landungsfahrzeug anrücken. Den ganzen Tag über war dichter Qualm über der Insel zu sehen.

In der Vergangenheit waren nach Polizeiangaben auf der Insel Phosphor- und Blendgranaten geborgen worden. Deswegen war ein Team des Kampfmittelräumdienstes mit einem Polizeihubschrauber nach Mellum geflogen worden. In der Naturkatastrophe liegen aber auch Chancen, glaubt Michael Exo vom Institut für Vogelforschung Wilhelmshaven. „Dafür entsteht bald eine neue Vegetation, und mit ihr kommen dann auch andere Tierarten nach Mellum.“ Das entspreche ohnehin seit Jahrzehnten der Philosophie im Bezug auf die Insel: „Natur Natur sein lassen“, betonte der Biologe.

lni