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Panorama Finnland steht nach Amoklauf unter Schock
Mehr Welt Panorama Finnland steht nach Amoklauf unter Schock
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16:44 01.01.2010
Finnland steht nach dem blutigen Amoklauf in einem Einkaufszentrum unter Schock. Quelle: ap
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Ein Blutbad mit insgesamt sechs Toten hat den Beginn des neuen Jahres in Finnland überschattet. Ein 43-jähriger Mann erschoss in der Stadt Espoo seine Exfreundin und vier ihrer Kollegen in einem Supermarkt eines großen Einkaufszentrums. Danach floh er nach Polizeiangaben in seine Wohnung, wo er die Waffe gegen sich selbst richtete.

Die finnische Staatspräsidentin Tarja Halonen und Ministerpräsident Matti Vanhanen sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Vanhanen kündigte eine gründliche Untersuchung an und sagte, das besondere Augenmerk werde dabei der Frage gelten, wie der Täter an die Schusswaffe gekommen sei. Die Stadt Espoo sagte ein Silvesterkonzert ab.

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Die blutige Spur führte in eine Wohnung, wo der Täter namens Ibrahim Shkupolli seine ehemalige Freundin erschoss. In dem nahegelegen Einkaufszentrum Sello erschoss der schwarz gekleidete Mann nach Polizeiangaben vier Angestellte, drei Männer und eine Frau. Alle vier waren in demselben Lebensmittelgeschäft des Supermarkts beschäftigt wie die Exfreundin des Täters.

Es sei unwahrscheinlich, dass dies ein Zufall sei, sagte der Ermittler Henrik Niklander. Als weiteren Hinweis auf eine bewusste Planung der Tat wertete die Polizei den Umstand, dass alle Opfer auf die gleiche Weise erschossen worden seien.

„Viele Leute schrien, und viele Verkäufer waren völlig in Panik“, sagte eine Augenzeugin im Rundfunk. „Niemand wusste, was los war.“ Ein Polizeisprecher sagte, während des Amoklaufs seien „viele hundert Menschen“ in dem Einkaufszentrum in der zweitgrößten finnischen Stadt gewesen. Das 2005 eröffnete Einkaufszentrum Sello ist mit mehr als 170 Läden eines der größten in Skandinavien. Espoo liegt zehn Kilometer westlich von Helsinki.

Nach Medienberichteten stammt der Täter aus dem Kosovo und lebte seit mehreren Jahren in Finnland. Die 1967 geborene Exfreundin hatte eine gerichtliche Verfügung gegen Shkupolli erwirkt - er durfte sich ihr wegen fortgesetzter Übergriffe nicht mehr nähern. In seiner Heimatstadt Mitrovica zeigten sich Angehörige entsetzt. Niemand könne ein schlechtes Wort über ihn sagen, sagte die Frau von Shkupollis Cousin, Nexhmije Shkupolli.

2003 Festnahme wegen unerlaubten Waffenbesitzes

Der Täter verwendete eine nicht registrierte Pistole, was die Diskussion über eine Verschärfung des Waffenrechts neu entfachte - wie bei zwei Amokläufen im November 2007 und im September 2008. Im ersten Fall erschoss ein 18-jähriger Schüler im Süden Finnlands acht Menschen, im zweiten Fall tötete ein Mann neun Mitschüler einer Berufsschule in Kauhajoki. Bei 5,3 Millionen Einwohnern gibt es in Finnland 1,6 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz. Finnland befindet sich damit unter den fünf Staaten mit der größten Verbreitung von Schusswaffen in Privatbesitz.

Die finnische Nachrichtenagentur STT meldete, Shkupolli sei 2003 wegen unerlaubten Waffenbesitzes verhaftet worden. Kollegen sagten, er sei auf der Arbeit unauffällig gewesen.

apd