Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Feuerwehr gibt in Kalifornien vorübergehend Entwarnung
Mehr Welt Panorama Feuerwehr gibt in Kalifornien vorübergehend Entwarnung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:09 02.09.2009
Diese Fahrzeug wurde ein Raub der Flammen. Quelle: afp
Anzeige

Wenn bei Hollywood das Buschwerk brennt, wird das schnell zum großen Kino. Auf der Internetseite der „Los Angeles Times“ kann man zu den Klängen von Mozarts Requiem im Zeitraffer verfolgen, wie die Berge am Horizont der Stadt in Rauchwolken eingehüllt sind. Seit mehr als einer Woche wütet in der Region Los Angeles das Feuer. Zum ersten Mal seit Tagen hat die Feuerwehr am Mittwoch eine leichte Entwarnung geben können. Höhere Luftfeuchtigkeit, niedrigere Temperaturen und ein Wind, der die Flammen zurück in bereits verbranntes Gebiet trieb, sorgten vorübergehend für eine Atempause.

„Es ist immer noch eine tückische Situation“, sagte ein Feuerwehrkommandeur der „Los Angeles Times“: „Das Feuer hat noch jede Menge Potenzial und ist immer noch ein großes Tier.“ Die Bilanz ist schon jetzt bitter: 500 Quadratkilometer haben sich in schwarze Mondlandschaften verwandelt. Zwei Feuerwehrleute sind tot, weil sie auf der Flucht vor den Flammen mit ihrem Fahrzeug einen Abhang hinunterstürzten. Ein halbes Dutzend Feuer bedrohten zeitweise 12. 000 Wohngebäude. Mit 62 verbrannten Häusern waren die Verluste bisher noch glimpflich – aber das lag nur daran, dass kein starker Wind wehte. Zurzeit muss die Feuerwehr auf dem für seine Sternwarte berühmten Mount Wilson unter anderem die Sendemasten ihrer eigenen Kommunikationszentrale vor den Flammen verteidigen. Die Ursache der Brandkatastrophe ist unklar, Brandstiftung gilt als wahrscheinlich.

Anzeige

Kalifornien steht erst am Beginn einer dramatischen Brandsaison. Seit drei Jahren leiden der Südwesten und der Westen der USA von Texas bis hinauf nach Oregon unter einer ungewöhnlichen Dürre. Weil der Mensch kleinere, einst zum natürlichen Vegetationszyklus gehörende Feuer, schnell eindämmt, haben viele Canyons im betroffenen Gebiet seit Jahrzehnten nicht mehr gebrannt. Dies macht die Flammen besonders heftig und gefährlich.

Doch auch kalifornische Nonchalance macht der Feuerwehr zu schaffen. Immer mehr Menschen zieht es in die mit dichtem Buschwerk bewachsenen Seitentäler, möglichst hoch in die Berge. Die etwa ein Dutzend Menschen, die bisher den Flammen nur knapp und zum Teil mit schweren Verletzungen entronnen sind, haben die Evakuierungsanordnung schlicht ignoriert.

Der spektakulärste Fall betrifft den Raubtierzoo der Hollywoodschauspielerin Tippi Hedren, die auch die Tiere aufgenommen hat, die bisher auf Michael Jacksons Ranch Neverland untergebracht waren. In einem Telefongespräch mit dem Sender „Fox News“ erklärte sie zum Entsetzen der Interviewerin, dass die Tiere eine Evakuierung zu sehr belasten würde. Die Zoo-Angestellten wollten die Flammen auf eigene Faust bekämpfen. Teure Einsätze sind das letzte, was der Gouverneur Arnold Schwarzenegger in dem bankrotten Bundesstaat gebrauchen kann. Allein 6000 Dollar je Stunde kostet ein Löschhubschrauber.

Zwei Monate nach Beginn des Fiskaljahres hat der Staat bereits mehr als die Hälfte seines Budgets für Feuerbekämpfung verbraucht – dabei stehen die schlimmsten, von den herbstlichen Santa-Ana-Wüstenwinden angefachten Feuer noch bevor.

Von Andreas Geldner