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Mehr Welt Panorama Fehler von Kontrolleuren lösten wahrscheinlich Sicherheitspanne aus
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14:19 21.01.2010
Nach dem Bombenalarm am Flughafen München hat die Gewerkschaft der Polizei gefordert, die Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Flughäfen vollständig auf den Prüfstand zu stellen.
Nach dem Bombenalarm am Flughafen München hat die Gewerkschaft der Polizei gefordert, die Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Flughäfen vollständig auf den Prüfstand zu stellen. Quelle: ap (Archiv)
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Die Sicherheitspanne am Münchner Flughafen ist wahrscheinlich von Mitarbeitern der Gepäckkontrolle verursacht worden. Das zuständige bayerische Wirtschaftsministerium teilte am Donnerstag mit: „Soweit bisher ersichtlich, deuten alle Umstände auf ein individuelles Fehlverhalten hin.“ Bundesinnenminister Thomas de Maizière kündigte eine gründliche Aufklärung an. Gegebenenfalls müssten dort auch personelle Konsequenzen gezogen werden, forderte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

Die Bundespolizei fahndete am Donnerstag weiter nach dem Mann, dessen Laptop bei der Gepäckkontrolle am Vortag um 14.40 Uhr Sprengstoffalarm ausgelöst hatte. Kontrolleure der Sicherheitsfirma SGM, die dem Freistaat Bayern gehört, hätten rund zehn Minuten später einen Sicherungsbeamten der Bundespolizei alarmiert. Der Besitzer des Laptops - „Typ eiliger Geschäftsmann“ - sei zu diesem Zeitpunkt schon in der Menge verschwunden gewesen, sagte Bundespolizei-Sprecher Thomas Borowik. Der Polizist habe daraufhin sofort Alarm ausgelöst.

Insgesamt 33 Lufthansa-Flüge wurden gestrichen, bis die gesamten Abflugebenen des Terminals 2 geräumt und mit Sprengstoffhunden überprüft war. Gefunden wurde nichts. Mehrere tausend Passagiere waren von der Evakuierung betroffen, wie Lufthansa-Sprecherin Bettina Rittberger sagte. Mehr als 100 Flugzeuge starteten verspätet. Erst um 18.42 Uhr wurde der Alarm wieder aufgehoben.

Polizeigewerkschaft kritisiert Kontrollen

Ob der etwa 40-jährige Mann mit dem Laptop den Sprengstoffverdacht überhaupt mitbekam, ist offen. Trotz Videoüberwachung war er in der Menge der Abreisenden verschwunden. In einer Maschine nach Spanien, die kurz nach der Gepäckkontrolle noch hatte starten können, sei er nicht gewesen, sagte der Polizeisprecher.

De Maizière sagte, der Vorfall zeige, dass man für die Sicherheit im Flugverkehr sowohl Technik als auch die Kontrollen durch das Personal brauche. Der bayerische Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Zeil sagte: „So etwas darf an einem Flughafen nicht passieren.“ Er habe veranlasst, die „Abläufe an der Kontrollstelle schnellstmöglich zu ermitteln“, fügte der FDP-Politiker hinzu. Danach würden „die notwendigen Konsequenzen mit aller Schärfe und Präzision gezogen“.

Der für die Bundespolizei zuständige Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Josef Scheuring, kritisierte die Sicherheitsvorkehrungen auf deutschen Flughäfen und forderte die Verstaatlichung der Kontrollen. „Wenn man jemanden kontrolliert, muss man ihn auch festhalten können“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Es sei naheliegend, dass entweder zu wenig Personal am Kontrollschalter zur Verfügung gestanden habe oder aber die Ausbildung der Leute mangelhaft gewesen sei.

Niedriglöhne von „von 7,50 Euro bis 10, 11 Euro“ und „ein irrer Druck auf die Beschäftigten“ führten zu weniger Sicherheit: „Das muss verändert werden“, sagte Scheuring dem Fernsehsender N-TV.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger forderte nach dem Zwischenfall in der „Passauer Neuen Presse“: „Wir brauchen ausreichend gut qualifiziertes Personal an den Flughäfen.“ Eine Verschärfung von Sicherheitsgesetzen lehnte die FDP-Politikerin allerdings ab. „Immer neue Sicherheitsmaßnahmen sind kein Allheilmittel“, wird Leutheusser-Schnarrenberger zitiert. Auch der Einsatz von Körperscannern könne menschliches Versagen nicht verhindern.

Stichwort: Sicherheitskontrolle an Flughäfen

Für die Aufsicht über die Sicherheitskontrollen auf den Flughäfen in Deutschland ist grundsätzlich das Bundesinnenministerium zuständig. Mit der Aufgabe betraut hat es die Bundespolizei, also den früheren Bundesgrenzschutz. Auf dem größten Flughafen in Frankfurt am Main hat diese die Aufgabe geteilt: Auf dem größeren und alten Terminal 1 wurde der Flughafenbetreiber Fraport AG mit der Durchführung der Kontrollen beauftragt. Für das neuere Terminal 2 erhielt dagegen nach einer Ausschreibung eine Privatfirma den Zuschlag.

Auch auf dem Münchner Flughafen kontrolliert mit der Firma SGM ein - allerdings dem Freistaat gehörendes - Sicherheitsunternehmen die Fluggäste - und zwar im Auftrag der Regierung von Oberbayern und speziell das Luftamts Süd. Im Gegensatz zu den anderen Bundesländern ist in Bayern nämlich die Staatsregierung in München für die Kontrollen zuständig und nicht der Bund.

Bei den Sicherheitschecks geht es um die Kontrolle des Fluggasts selbst und seines Handgepäcks. Das für den Flug am Schalter aufgegebene Gepäck wird grundsätzlich getrennt davon kontrolliert, wobei es auch zu Stichproben in Abwesenheit des Passagiers kommen kann.

Zur Kontrolle der Fluggäste und ihres Handgepäcks werden in den Sicherheitsschleusen jeweils Metalldetektoren für die Personen und Röntgenscanner für das Handgepäck eingesetzt. Vor dem Durchgang durch den Detektor müssen die Passagiere Mäntel oder Jacken ausziehen. Auch metallische Gegenstände wie Schmuck oder Gürtel, Handys usw. müssen zusammen mit dem Handgepäck aufs Fließband gelegt werden, damit sie vom Röntgengerät durchleuchtet werden können.

Ist ein Gegenstand nicht genau zu erkennen, sind die Sicherheitskräfte berechtigt, die Gepäckstücke zu öffnen und nachzusehen. Laptops müssen oft kurz eingeschaltet werden. Auch wenn bei der Personenkontrolle der Metalldetektor anschlägt, zieht das in der Regel eine Nachkontrolle durch die Sicherheitskräfte nach sich. Scharfe oder spitze Gegenstände wie Nagelscheren oder -feilen dürfen nicht mit an Bord genommen werden. Das Gleiche gilt seit einiger Zeit auch für Flüssigkeiten, die ebenfalls konfisziert werden dürfen.

Mit an Bord genommen werden dürfen allerdings Getränke, Parfüm und Ähnliches, das nach der Sicherheitskontrolle im Duty Free Shop gekauft wird. Dieses wird daher nach dem Bezahlen an der Kasse dem Kunden in versiegelten Tüten ausgehändigt.

ap

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