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Panorama Fashion Week: Modenschauen für Jedermann
Mehr Welt Panorama Fashion Week: Modenschauen für Jedermann
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18:17 02.07.2009
Von Hannah Suppa
In Berlin findet vom 1. bis 5. Juli die Fashion Week statt. Quelle: ddp
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In diesen Tagen stolzieren noch ein paar mehr stilsichere Menschen durch Berlin als im restlichen Jahr. Auf der Museumsinsel, dem alten Flughafen Tempelhof und vor den angesagten Klubs der Stadt tummeln sich Leute mit außergewöhnlicher Kleidung, mit Federn auf dem Kopf, Pumphosen im Haremsstil, Gladiatorensandalen an den Füßen und Prosecco in der Hand.
Es ist zum fünften Mal Modewoche in Berlin, und noch bis zum Sonnabend zeigen sich in der Hauptstadt Marken und Designer. Etwa 120.000 Fachbesucher und 1600 Aussteller sollen nach Angaben des Berliner Wirtschaftssenators Harald Wolf bis zum Ende der Woche da gewesen sein.

Seit Jahren hat sich die Hauptstadt schleichend den Ruf einer der Trendmetropolen Europas erarbeitet, als kulturelles Zentrum mit beachtenswerter Kunstszene, originellem Nachtleben und vielen guten Ideen. Seit 2007 will man in Berlin mit der zweimal jährlich stattfindenden „Fashion Week“ nun auch in der Mode-oberliga mitmischen. Die Modebranche zeigt neue Trends, wärmt alte wieder auf und feiert vor allem sich selbst.

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Jetzt blicken die Designer schon einmal auf die Modesaison Frühjahr/Sommer 2010 und zeigen ihre Ideen auf den Laufstegen der „Mercedes-Benz Fashion Week“ auf dem Bebelplatz im historischen Kern der Stadt. Parallel dazu laufen mehrere Modemessen an verschiedenen Schauplätzen für den Austausch von Visitenkarten und zum Ausführen der eigenen Entwürfe. Auf dem alten Gelände des Flughafens Tempelhof hat sich in diesem Jahr die Modefachmesse „Bread & Butter“ platziert, nachdem das Event im vergangenen Jahr nach Barcelona abgewandert war. In dem historischen Areal im Tempelhof, wo bis vor Kurzem Flugzeuge abhoben, werden heute die Turnschuhe und Jeans für die nächste Sommersaison präsentiert. In den Hangars posieren Models in Kätzchenunterwäsche, eine Armee von Gartenzwergen ziert einen Stand. Beim Label Ed Hardy lassen sich Besucher mit einem schwarzen Lamborghini fotografieren. Die „Bread & Butter“ ist etwas für Leute, die lieber in Klubs als auf Messen gehen.

550 Aussteller aus aller Welt sind dabei, darunter Levi’s, Replay, Woolrich, Birkenstock, Bench, Converse und G-Star. Im Bereich „Streetwear“, also tragbare Straßenmode, gilt die Messe als führend. Während die dreitägige „Bread & Butter“ eher für die Einkäufer gedacht ist, schauen die Modekritiker bei der parallel laufenden „Fashion Week“ genau hin. 33 Laufstegschauen stehen auf dem Programm, so viele wie noch nie: Michael Michalsky, Boss Orange, Kaviar Gauche, Custo Barcelona, René Lezard und Strenesse sind darunter. Wolfgang Joop lädt zur Präsentation in seine Wunderkind-Boutique am Gendarmenmarkt.

Zwischen all den Modepräsentationen stolzieren mehr oder weniger Prominente über die roten Teppiche. Dabei drängen sich besonders die deutschen Sternchen ins Rampenlicht – ein Grund, warum Berlins Modewoche im internationalen Vergleich dann doch nicht genug strahlen kann. Ein paar internationale Stars sind dennoch gekommen: Hollywoodschauspielerin Diane Kruger, Model Julia Stegner, Trendsetterin und Schauspielerin

Sienna Miller und auch der US-Popstar Justin Timberland. Der rührte am Mittwoch jedoch eher mürrisch die Werbetrommel für die neue Kollektion seines Modelabels „William Rast“, während auf der Schau der Edelmarke Escada nebenan eine Gruppe von Pelzgegnern versuchte, die Party zu stören. Der übliche Trubel einer Modewoche.

Da nimmt sich auch Berlin wenig von den etablierten Modestädten wie Paris oder Mailand. Und doch ist der Modezirkus hier anders. Es ist nicht das Schaulaufen der großen Designer, der Edelmarken, die ihre Haute Couture als Kunst inszenieren. In Berlin präsentieren sich Marken, die auch jenseits von Laufsteg und Scheinwerferlicht tragbar sind. Junge, flippige Designer setzen hier eher auf Originelles als auf Pompöses.

Zwar äußert sich Edelschneider und Design-Ikone Karl Lagerfeld immer wieder spöttisch über Berlins Bestrebungen, Modestandort zu werden, doch auch der Modezar muss nicht immer recht haben. Die gefürchtete Modekritikerin Suzy Menkes vom „International Herald Tribune“, deren Meinung in der Branche ähnlich gewichtig ist wie die von „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour, sagt nach ihrem ersten Besuch der „Berliner Fashion Week“ in diesem Jahr nur Gutes: „Berlin hat Mode im Blut."