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Panorama Fähre mit 240 Passagieren geht in Flammen auf
Mehr Welt Panorama Fähre mit 240 Passagieren geht in Flammen auf
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14:59 09.10.2010
Nach der Explosion ging die Fähre in Flammen auf.
Nach der Explosion ging die Fähre in Flammen auf. Quelle: dpa
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Eine Ostsee-Fähre mit fast 236 Menschen an Bord ist in der Nacht zum Samstag vor der Insel Fehmarn in Brand geraten. Alle Passagiere und die Crew konnten gerettet werden. Auf der Fahrt von Kiel ins litauische Klaipeda löste eine Explosion das verheerende Feuer auf der „Lisco Gloria“ aus. Mehrere Menschen wurden verletzt. Stunden nach dem Unglück gelang es Spezialisten, das noch immer brennende Schiff nach einer zweiten Explosion mit starker Schlagseite in dänischen Gewässern zu ankern. Wegen der rund 200 Tonnen Dieselöl an Bord wurde das dänische Umweltschiff „Marie Miljø“ zur Verhinderung einer Ölpest herbeigerufen.

Die 204 Passagiere überwiegend aus Russland und dem Baltikum sowie die 32 litauischen Besatzungsmitglieder wurden bei dem Großeinsatz mit mehreren Schiffen etwa elf Kilometer nördlich der Insel Fehmarn geborgen. Die Einsatzkräfte versuchten den ganzen Tag, ein Sinken des Fracht- und Passagierschiffs zu verhindern, nachdem eine zweite Explosion am Vormittag den Brand verstärkt hatte.

Dänische und deutsche Marinehubschrauber flogen nach Polizeiangaben drei Schwerverletzte von dem 200 Meter langen Schiff in Krankenhäuser. Knapp 20 Menschen wurden leicht verletzt, darunter auch Kinder. Das Fährschiff „Deutschland“ nahm die Geretteten auf und brachte sie am Morgen nach Kiel.

Mehrere Hilfsschiffe kühlten den Rumpf des brennenden Wracks mit Wasser aus Löschkanonen. Ein Spezialteam ging von einem Hubschrauber aus an Bord und ließ den Anker der „Lisco Gloria“ fallen. Sie setzten das Schiff damit etwa vier Kilometer südlich der dänischen Insel Langeland fest. Deutsche und dänische Behörden schickten Gewässerschutzschiffe zur Unglücksstelle.

Das Feuer kann nach Einschätzung von Fachleuten nicht schnell gelöscht werden. Wenn immer mehr Löschwasser in die Fähre gepumpt würde, könnte sie kentern, sagte der Sprecher des Havariekommandos, Wolfgang Harlos, in Cuxhaven. Das Wrack sei zurzeit keine Gefahr für die Schifffahrt.

„Die Leute sind sehr erschöpft“, berichtete Revierleiter Uwe Marxen von der Wasserschutzpolizei über die Geretteten. „Sie haben sehr schwere Stunden hinter sich.“ Die Verletzten hatten Rauchgas eingeatmet. Die Passagiere stammten überwiegend aus baltischen Staaten und Russland, sagte Marxen. Die Verletzten wurden in Kiel von Ärzten betreut. Für die Geretteten standen auch Psychologen und Seelsorger bereit. Einige kamen in die Universitätsklinik. Die „Deutschland“ verließ am Vormittag wieder den Kieler Marinehafen.

Alle Schiffe in der Nähe waren nach dem Notruf sofort zur Hilfe geeilt. Die Bundespolizei und die „Deutschland“ befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks in Sichtweite. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) schickte vier Seenotkreuzer. Passagiere und Besatzung waren zunächst in Rettungsboote und -inseln geklettert, aus denen sie gerettet wurden.

Die Unglücksursache war am Samstag noch unklar. Gegen Mitternacht sei es zu einer Explosion auf dem Oberdeck gekommen. Große Teile des 2002 gebauten Schiffes standen in Flammen. „Es gehen da Vermutungen rum, dass das Feuer auf dem Autodeck ausgebrochen ist. Aber wir wissen nichts Definitives“, sagte der Sprecher der dänischen Reederei DFDS, Gert Jakobsen, in Kopenhagen. Die Zuständigkeit für die Ermittlung liege bei den deutschen Behörden.

Auch die Reederei schickte am Samstagmorgen ein Bergungsschiff auf den Weg. Es soll bei der Brandbekämpfung helfen und das Schiff nach Ende der Löscharbeiten in einen Hafen schleppen. Weitere Einzelheiten zur geplanten Bergung waren noch nicht bekannt.

Jakobsen sagte, die Reederei werde den Passagieren die Möglichkeit geben, nach eigener Wahl entweder in Deutschland zu übernachten oder mit anderen Transportmitteln ihr Ziel Klaipeda in Litauen zu erreichen. „Wir werden alles tun, um den Reisenden zu helfen“.

dpa