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Panorama FDP-Politiker sonnt sich mit Irans Diktator
Mehr Welt Panorama FDP-Politiker sonnt sich mit Irans Diktator
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07:17 04.05.2012
Von Klaus Wallbaum
Foto: Zu Besuch bei Irans Präsident Ahmadinedschad, der in der Bildmitte steht: Claus Hübscher ist der ältere Herr mit weißem Bart links neben ihm.
Zu Besuch bei Irans Präsident Ahmadinedschad, der in der Bildmitte steht: Claus Hübscher ist der ältere Herr mit weißem Bart links neben ihm. Quelle: www.president.ir/dpa
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Delmenhorst

Der Delmenhorster FDP-Kandidat für den Landtag, Claus Hübscher, erregt mit einer umstrittenen Reise großes Aufsehen: Ende April war der 65-jährige frühere Volkshochschulleiter mit einer deutschen Delegation im Iran, dabei hat die Gruppe kurzfristig auch eine Stunde lang den Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad getroffen, den viele in der westlichen Welt derzeit als Hetzer gegen Israel meiden. Nach der Rückkehr bemühte sich Hübscher in Deutschland, Ahmadinedschads Haltung wiederzugeben. Er übermittelte, der Präsident halte sich für keinen Holocaust-Leugner und habe versichert, dass der Iran keine Atomwaffen besitze. „Ich verheimliche nichts, auch wenn ich damit im Widerspruch zum Mainstream stehe“, erklärte der FDP-Politiker gestern auf Anfrage gegenüber dieser Zeitung.

Hübschers Ausflug nach Teheran schlägt inzwischen hohe Wellen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Sven Kindler sprach von einem „Skandal“ und erinnerte an eine Israel-feindliche Tradition in der FDP, die mit dem Namen des ehemaligen Bundesministers Jürgen W. Möllemann in Verbindung zu bringen sei. Die FDP-Bezirksvorsitzende Angelika Brunkhorst nannte Hübschers Verhalten „inakzeptabel“, und FDP-Landesgeneralsekretär Gero Hocker bemühte sich um Besänftigung. „Tapsig“ sei der FDP-Kandidat vorgegangen, erklärte Hocker und verwies auf eine Erklärung Hübschers. Darin betonte der 65-Jährige am Donnerstag, nachdem er selbst schon ein gewaltiges Medieninteresse auf sich zurollen sah, seine Reise habe „rein privaten Bildungsinteressen gedient“: Von Ahmadinedschads Holocaust-Leugnungen und seinen Aufrufen zum Kampf gegen Israel „distanziere ich mich in aller Deutlichkeit“, schrieb Hübscher. Er selbst sei in Delmenhorst „seit vielen Jahren Mitglied des Freundeskreises der jüdischen Gemeinde“.

Aber wie ernst ist es Hübscher mit dieser Distanzierung? Organisiert hatte die Reise Yavuz Özuguz vom Verein „Islamischer Weg“ in Delmenhorst. Diese Organisation hatte zeitweilig das Interesse des Verfassungsschutzes auf sich gezogen. Vor Monaten organisierte Hübscher einen Auftritt von Özuguz vor der Volkshochschule, der dann aber kurzfristig abgesagt wurde. „Mein liebstes Thema ist der Dialog der Religionen“, erklärt der FDP-Politiker. Seit Langem schon bemühe er sich um einen engeren Kontakt zur islamischen Welt, stoße aber auf starke Vorbehalte bei vielen Deutschen. Gefragt nach seiner persönlichen Haltung zu Iran und Israel betont Hübscher: „Ich stehe sehr nah beim Schriftsteller Günter Grass.“ Grass hatte kürzlich in einem Gedicht die Behauptung aufgestellt: „Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.“

Der FDP-Landesvorsitzende Stefan Birkner zeigte sich „in höchstem Maße irritiert“ über das Auftreten des Landtagskandidaten. Die Oldenburger Bezirksvorsitzende Angelika Brunkhorst bezweifelt Hübschers Einlassungen zu dem Vorgang: „Der Mann ist ein erfahrener Politiker, er kann nicht erzählen, dass er guten Mutes hingefahren sei und nicht gewusst habe, wie brisant sein Treffen mit Ahmadinedschad war.“

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

03.05.2012
03.05.2012
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