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Panorama Ex-SPD-Chef Müntefering heiratet in Essen
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11:36 13.12.2009
Ex-SPD-Chef Franz Müntefering
Ex-SPD-Chef Franz Müntefering Quelle: ddp
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Es ging alles sehr schnell am Tag der standesamtlichen Trauung von Ex-SPD-Chef Franz Müntefering und seiner Partnerin Michelle Schumann: Um 13.15 Uhr fuhr am Sonnabend bei nasskaltem Wetter ein silbergraues Auto am Hintereingang der Kohlenwäsche auf der Zeche Zollverein in Essen vor. Müntefering stieg aus, in dunklem Anzug, silbergrauer Krawatte und Mantel. Der 69-jährige Bräutigam blickte kurz in die Kameras der Fotografen und wünschte den Journalisten „noch einen schönen Tag“. Dann verschwand er hinter der schweren Stahltür.

Etwa zehn Minuten später fuhr erneut ein Auto vor, aus dem Michelle Schumann stieg. Die 29-Jährige trug ein weißes langes Kleid mit Stehkragen, ein Pelz-Überwurf bedeckte ihre Schultern. In ihrer Hand hielt sie ein Bouquet aus roten Blumen. Wortlos und mit einem distanzierten Lächeln betrat sie das Gebäude, in dem sie und der ehemalige Vizekanzler kurz darauf „Ja“ zueinander sagten.

Das, was oben, in 38 Meter Höhe im Erich-Brost-Pavillon geschah, blieb Privatsache des Paares. Ein Blick in den gläsernen Kubus auf dem Dach der Kohlenwäsche war unmöglich - alles abgeriegelt, die Fensterfront teilweise abgedunkelt. Informationen über Einzelheiten der standesamtlichen Trauung oder das Menü wurden zunächst streng unter Verschluss gehalten.

„Sie wollen nun mal ganz privat heiraten“, sagte Hans-Hubert Imhoff, Inhaber des Erich-Brost-Pavillons. „Ich wurde um Verschwiegenheit gebeten“, fügte Imhoff hinzu. Auf die Frage, ob die Trauung Münteferings in seinen Räumen ein Höhepunkt in seiner Karriere sei, antwortete er: „Mein größtes gastronomisches Erlebnis war die Bewirtung des Papstes 1962.“

Schaulustige Bürger, die einen Blick auf das Brautpaar werfen wollten, waren nur vereinzelt vor Ort. Gegen 13.00 Uhr waren die Hochzeitsgäste in kleinen Gruppen eingetroffen, prominente Gesichter waren am Haupteingang nicht zu sehen. Unter den Gästen waren laut „Bild am Sonntag“ die Eltern der Braut sowie Michelles 90-jährige Großmutter. Münteferings Tochter Mirjam und deren Lebenspartnerin Sabine kamen dem Blatt zufolge mit einem Präsentkorb, der - passend zum Jawort - Kaffee und Kekse der Rewe-Billigmarke „ja!“ enthielt.

Trauzeuginnen waren Mirjam Müntefering, die jüngste Tochter des Bräutigams, und eine Freundin der Braut. Der „Bild am Sonntag“ zufolge sagte Müntefering nach der Trauung zur Hochzeitsgesellschaft: „Wir versprechen Euch, wir machen was Gutes draus.“

Insgesamt feierte das Paar mit rund 40 Gästen - ebenso viele Fotografen und Kameraleute warteten auf dem Gelände des stillgelegten Steinkohlebergwerks, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Eine kirchliche Trauung soll es Medienberichten zufolge nicht geben. Müntefering und Schumann hatten ihre Beziehung im Juni öffentlich gemacht. Der langjährige SPD-Spitzenpolitiker hatte damals auf dem internationalen Presseabend der Parteizeitung „Vorwärts“ in Berlin über seine neue Lebensgefährtin gesagt: „Erstens: Es gibt sie. Zweitens: Sie ist hier. Und drittens: Wir mögen uns.“

Michelle Schumann stammt aus Herne und war Mitarbeiterin im Bundestagsbüro von Müntefering. Zuvor war sie Volontärin der Parteizeitung „Vorwärts“. Münteferings zweite Ehefrau Ankepetra war im Juni vergangenen Jahres an einer Krebserkrankung gestorben.

ddp