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Panorama Ex-Rocker bekräftigt Vorwürfe gegen Hanebuth
Mehr Welt Panorama Ex-Rocker bekräftigt Vorwürfe gegen Hanebuth
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20:47 05.06.2012
Ein Ex-Rocker hat am Dienstag bei seiner Aussage vor dem Kieler Landgericht erneut den hannoverschen Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth (Foto) schwer belastet. Quelle: dpa
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Kiel

Der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft hat nachgelegt: Seit zwei Prozesstagen packt Steffen R. gegen die Hells Angels aus – am Dienstag hat er seine Vorwürfe gegen die Rockerbande über kriminelle Machenschaften von Zwangsprostitution bis Mord vertieft. Vor dem Kieler Landgericht beschuldigte der Aussteiger erneut Frank Hanebuth, Chef der hannoverschen Hells Angels. Dieser habe grünes Licht für die Ermordung des seit zwei Jahren vermissten Türken Tekin Bicer gegeben.

Der gestrige Prozesstag zeigte: Die Ermittler glauben dem 40-Jährigen. Der Ermittlungsleiter der Soko „Rocker“ sprach von einer „hohen Glaubwürdigkeit“ von Steffen R. „Seine Aussagen sind aus unserer Sicht sehr bedeutsam“, sagte Thorsten W. Der 46-Jährige gehört beim Landeskriminalamt (LKA) Schleswig-Holstein zur Abteilung Organisierte Kriminalität. Er hat R. neun- oder zehnmal vernommen. Am Dienstag hat auch er als Zeuge ausgesagt.

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R. selbst nannte weitere Details, wie das „System Hells Angels“ aufgebaut sei. Er verglich es mit einem „Franchiseunternehmen“, schilderte eine streng hierarchisch aufgebaute Organisation, in der die eine Ebene Geld aus kriminellen Geschäften an die nächste abgeben müsse und alles auf Einschüchterung und Angst basiere. Er berichtete von Waffenhandel, Drogengeschäften und Zuhälterei. Er nannte Namen um Namen. Hanebuth bezichtigte er erneut, den Mord an einem Türken in Auftrag gegeben zu haben. Der Mann sei Hanebuth bei seinen Geschäften in die Quere gekommen. Das Gerede von Bruderschaft und Hells-Angels-Mythos sei „großer Bullshit“, sagte Steffen R. „Sie werden ausgepresst wie eine Zitrone und dann weggeschmissen.“

Die Polizei sucht Bicers Leiche nach Hinweisen von R. im Fundament einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel. „Leichenhunde haben angeschlagen“, bestätigte der Ermittlungsleiter am Dienstag. Nun müsse die Statik der Halle überprüft werden. Ein bis drei Wochen könnten die Sucharbeiten noch andauern.

Frank Hanebuth bleibt bei seiner bisherigen Darstellung. Er weist alle Vorwürfe kategorisch zurück. „Herr Hanebuth ist mit dem Angeklagten aus Kiel nicht persönlich bekannt“, sagte Hanebuths Anwalt, Götz von Fromberg, am Dienstag. Sein Mandant könne nicht ausschließen, dass er dem Mann einmal auf einer Veranstaltung begegnet sei. „Aber eine bewusste Begegnung hat es nie gegeben.“ Der hannoversche Rechtsanwalt geht fest davon aus, dass sich die Vorwürfe nicht bestätigen werden. „Dieser Mann sagt als Angeklagter aus. Er kann erzählen, was er will, ohne dass er dafür mit Konsequenzen rechnen muss.“ Es bleibe abzuwarten, wie der Mann als Zeuge in einem Verfahren gegen die Hells Angels aussagen würde. Dann ist er der Wahrheit verpflichtet.

Steffen R. sagte am Dienstag, es gebe ein Video der Gründungsfeier eines Hells-Angels-Charters im polnischen Posenheim von Januar 2010. Auf dem Video sei er neben Hanebuth zu sehen. Auch behaupte Hanebuth, er sei lediglich der Präsident der Hells Angels Hannover. R. widersprach: „Hanebuth ist in Deutschland für die gesamten Finanzen zuständig.“

Steffen R. hat mit seinen Äußerungen Hochverrat begangen, das sieht auch Thorsten W. so: „Er ist definitiv an Leib und Leben gefährdet.“ R. war Chef der „Legion 81“, einer Hilfsgruppe der Hells Angels, zuständig für Schutzgelderpressung, Zuhälterei, Waffen- und Drogenhandel. Er muss sich wegen Menschenhandels, Zuhälterei und Körperverletzung vor Gericht verantworten. Am 14. Juni sollen die Plädoyers gehalten werden. Spätestens am 25. Juni soll das Urteil fallen.


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Geständnis in Kaiserslautern

In einem weiteren Verfahren hat ein Mitglied der Hells Angels tödliche Messerstiche auf einen Rivalen gestanden. Der Angeklagte gab zu, vor drei Jahren mehrmals auf den Chef der verfeindeten Outlaws eingestochen zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord an dem 45-jährigen Präsidenten einer Outlaw-Gruppe vor.

Wiebke Ramm und Vivien-Marie Drews

Dieser Artikel wurde aktualisiert. 

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