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00:16 04.01.2017
„Wenn die Brücke nicht kommt, ist hier Stillstand“: Jörg Sohst, Vorsitzender des Vereins Brücken bauen, und Bürgermeisterin Grit Richter. Quelle: George
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Darchau

Grüne Deiche mit weißen Schafen darauf, Silberweiden und Störche, jahrhundertealte Bauernhäuser mit Obstbäumen in den Gärten - das Amt Neuhaus in der Elbtalaue zählt zu den landschaftlich schönsten und unberührtesten Landstrichen Niedersachsens. Doch wirtschaftlich ist die Gegend östlich der Elbe abgeschnitten, die Infrastruktur lässt sehr zu wünschen übrig. Seit der Kommunalwahl im Herbst aber gibt es zumindest wieder Hoffnung auf das wichtigste Verkehrsprojekt der Region: eine Brücke über die Elbe.

Fahrten nur bis 21 Uhr

Zwischen Bleckede und Hitzacker soll sie über den Fluss führen, dort, wo seit der deutschen Einheit die Fähre „Tanja“ Menschen und Autos für 4,50 Euro pro Fahrt über das Wasser bringt - allerdings nur bis 21 Uhr und nicht bei Hoch- oder Niedrigwasser.

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„So kann es nicht weitergehen“: 4,50 Euro kostet die Überfahrt mit der Fähre „Tanja“. Nach 21 Uhr und bei Hoch- und Niedrigwasser fährt sie nicht. Quelle: George

So kann es nach Ansicht von Jörg Sohst nicht weitergehen. Der pensionierter Brigadegeneral setzt sich seit Jahren vehement für den Bau einer Brücke hier im kleinen Ort Neu Darchau ein. Und das, obwohl er selbst in Bleckede, auf der westlichen Seite des Flusses, lebt und keineswegs abgeschnitten ist von der Infrastruktur und den Behörden des übergeordneten Landkreises Lüneburg. „Ich persönlich brauche die Brücke nicht“, sagt er denn auch auf die Frage, was ihn antreibt, sich als Vorsitzender des Vereins Brücken bauen e.V. zu engagieren und seine Freizeit in das Verkehrsprojekt zu stecken. „Aber ich kann ja denken.“ Und wer denkt, so lautet der Subtext, dem muss klar sein: Diese Region braucht eine Brücke - für die Schulkinder, die Handwerksbetriebe, die Landwirte. Denn von der romantischen Natur rund herum kann hier kaum jemand leben.

Zurück nach Niedersachsen

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Alliierten die Elbe zur Grenze zwischen den beiden Deutschlands gemacht, und das Amt Neuhaus gehörte auf einmal nicht mehr zu Hannover, sondern zu Schwerin. Nach der deutschen Einheit durften die Bürger wählen, ob sie weiterhin Mecklenburger sein wollten oder wieder Niedersachsen, und sie entschieden sich für Niedersachsen. Die Region wurde rückgegliedert, als einzige in Deutschland.

Das war 1993. Seitdem versprachen die jeweiligen Regierungen den Menschen der Region eine Brücke über den Fluss. Bis im vergangenen Jahr der Landrat des Landkreises Lüneburg, Manfred Nahrstedt (SPD), sagte: „Jetzt muss die Realität Oberhand gewinnen.“ Die Brücke, den letzten Planungen zufolge 60 Millionen Euro teuer, könne man sich nicht leisten.

Seit der Kommunalwahl im Herbst dieses Jahres sieht die Sache aber wieder anders aus. Die SPD hat die Mehrheit im Kreistag verloren, und der sozialdemokratische Landrat muss sich jetzt mit einem Gremium auseinandersetzen, das keine sicheren Mehrheiten mehr bietet. CDU und Grüne haben eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Und dass gerade Kommunalpolitik immer wieder für Überraschungen gut ist, zeigt sich im Lüneburger Kreistag zurzeit besonders deutlich.

Dünne Mehrheit im Kreistag

Hatten die Grünen sich vor der Wahl und in den Jahren zuvor stets in aller Deutlichkeit vom Brückenbau distanziert, stimmten bei der Kreistagssitzung im Dezember drei Abgeordnete für einen Antrag, der die Gründung einer Planungsgruppe für das Brückenprojekt vorsieht. Die Idee hatte ursprünglich die FDP eingebracht, die Liberalen waren nach der Wahl frisch zurück in dem Gremium. Die CDU hatte den Vorstoß leicht variiert, und der entsprechende Änderungsantrag erreichte die hauchdünne Mehrheit von einer Stimme.

„Für uns ist das ein großer Erfolg“, sagt Grit Richter. Sie ist die Bürgermeisterin der Gemeinde Amt Neuhaus, und für sie ist klar: „Wenn die Brücke nicht kommt, ist hier Stillstand.“ Zudem habe sich beim Hochwasser der Elbe im Juni 2013 gezeigt, dass die Region auch wegen des Katastrophenschutzes die Brücke braucht. Die Helfer mussten von Lüneburg 80 statt 40 Kilometer fahren, um Neuhaus zu erreichen, weil die nächste offene Brücke in Geesthacht kurz vor Hamburg war.

Hoffnung macht Jörg Sohst und Grit Richter auch die Landtagswahl, die im Januar kommenden Jahres stattfindet. Der Kandidat der CDU für das Amt des Ministerpräsidenten ist Bernd Althusmann - und der kommt aus dem Landkreis Lüneburg.

Von Carolin George

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