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Panorama Erste Schweinegrippe-Ansteckung innerhalb Deutschlands
Mehr Welt Panorama Erste Schweinegrippe-Ansteckung innerhalb Deutschlands
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13:22 01.05.2009
Archivbild Quelle: ddp
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Mittlerweile sei sie wieder gesund, hieß es am Freitag. Der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, rechnet unterdessen mit weiteren Fällen.

Die neue Grippe wurde hierzulande bislang bei fünf Menschen nachgewiesen. Nach RKI-Angaben gibt es zwölf Verdachtsfälle, von denen inzwischen fünf ausgeschlossen werden konnten. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) warnte jedoch vor Leichtsinn im Umgang mit der neuen Influenza.

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„Wir müssen uns sicherlich darauf einstellen, dass weiterhin mit Übertragungen auf Menschen gerechnet werden muss, die nicht in Mexiko waren“, sagte Hacker. Der RKI-Chef betonte, man sei von dieser neuen Situation nicht überrascht. Dennoch sei man „schon besorgt“, aber bisher handele es sich um örtlich begrenzte Fälle. Die Krankheitsverläufe seien nach seinen Erkenntnissen „milde“. Nach Angaben des Präsidenten des Landesamts für Gesundheit, Andreas Zapf, sind alle vier betroffenen Patienten in Bayern bereits wieder von der Grippe genesen. Auch der Frau in Hamburg geht es nach Behördenangaben den Umständen entsprechend gut.

Für die deutsche Bevölkerung besteht laut RKI weiter „keine allgemeine Gefährdung“ durch das Virus. Hacker sagte jedoch, man könne „nicht ausschließen“, dass die Schweinegrippe auch in Europa Todesopfer fordere. Damit teile er die Meinung der EU-Kommission. Die Grippemedikamente seien jedoch wirksam, betonte er. Gesundheitsministerin Schmidt rief dazu auf, „wachsam“ zu sein, ohne aber gleich in Panik zu verfallen. Die Ministerin hob hervor, sie sei froh, dass es einen nationalen Pandemieplan gebe.

Die höhere Warnstufe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beurteilte der RKI-Präsident als „sachgerecht“. Die WHO hatte am Mittwoch wegen der sich ausbreitenden Schweinegrippe die Warnstufe für eine Grippe-Pandemie von 4 auf 5 heraufgesetzt. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan begründete dies damit, dass Infektionen von Mensch zu Mensch in mindestens zwei Ländern derselben Region aufgetreten seien. Die Warnskala geht bis Stufe sechs.

Die Produktion eines Impfstoffes sei indes noch nicht angelaufen, sagte Hacker. „Die Entscheidung wird in der nächsten Zeit kommen.“ Die Herstellung des Serums kann drei Monate dauern, hieß es. Derzeit laufe die Züchtung von Viren in einigen Instituten wie dem Kitasato-Institut in Tokio.

Angesichts der Ausbreitung erhöhten die Lufthansa sowie der Münchner Flughafen ihre Sicherheitsvorkehrungen. Die Lufthansa setzt auf den Flügen zwischen Frankfurt am Main und Mexiko Ärzte ein. Diese sollen bereits während des Flugs nach Verdachtsfällen Ausschau zu halten, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Bislang habe es noch keine Auffälligkeiten gegeben. In Bayern stehen ab sofort auch Direktflüge aus den USA unter verstärkter Beobachtung. Von dort ankommende Fluggäste würden auf Wunsch medizinisch beraten, sagte Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU).

Unterdessen wird nach der Quelle des A/H1H1-Virus gesucht. „Momentan wird nachgeschaut, ob es eine Schweinefarm in Mexiko sein könnte“, sagte Hacker. Das Genom mache es wahrscheinlich, dass es einen Kontakt zu Schweinen gab.

Das Bundesagrarministerium und der Deutsche Bauernverband hatten sich zuvor für eine Umbenennung der Schweinegrippe ausgesprochen, da sie Umsatzeinbußen auf dem Fleischmarkt befürchten. Die Schweinegrippe stamme möglicherweise überhaupt nicht vom Schwein, sagte Agrarstaatssekretär Gerd Müller (CSU).

ddp