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Panorama Erneut Brände auf Sylt - Polizei vermutet Brandstiftung
Mehr Welt Panorama Erneut Brände auf Sylt - Polizei vermutet Brandstiftung
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00:36 19.08.2010
Von Feuer zerstörtes Schulungszentrum auf der Nordseerinsel Sylt: Die Polizei vermutet Brandstiftung. Quelle: dpa
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Elf Feuer in wenigen Tagen, Millionenschäden, Urlauber ohne Obdach - mitten in der Hochsaison trübt eine Reihe von Bränden die Idylle auf der Ferieninsel Sylt. Nur zwei Tage nach einer Brandserie sind in der Nacht zum Mittwoch erneut mehrere Feuer ausgebrochen. Die Polizei vermutet Brandstiftung. Zusätzliche Beamte vom Festland sollen nun die Sicherheit erhöhen.

Mit einer neuen Ermittlergruppe von Schutzpolizisten und Kriminalbeamten gehen die Fahnder bislang insgesamt 50 Hinweisen aus der Bevölkerung nach. „Mittlerweile deutet alles auf Brandstiftung hin“, sagte Husums Polizeisprecherin Kristin Stielow. Ob es sich in allen Fällen um den gleichen Täter handle oder auch ein Trittbrettfahrer darunter sei, war zunächst unklar.

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Die Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, Petra Reiber, sieht keinen Zusammenhang zwischen den Bränden und dem Ruf Sylts als Insel der Reichen und Schönen. Sie glaube nicht, dass ein Brandstifter die Taten politisch motiviert und gezielt gegen Urlauber begangen habe, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Es habe in der Geschichte der Insel schon häufiger Brandserien gegeben.

In dem größten Ort Westerland musste die Feuerwehr in der Nacht zum Mittwoch von 22.00 Uhr bis Mitternacht dreimal ausrücken. In der Nordseeklinik loderte Altpapier im Keller, in der Nähe brannte eine Gartenlaube nieder, und ein überdachter Parkplatz nahe einem Gebäude der Arbeiterwohlfahrt stand in Flammen, berichtete Stielow. Die Brandorte lagen in einem Umkreis von rund 500 Metern. Verletzt wurde niemand. Die neuen Brände verursachten keine großen Schäden. Da die Feuerwehr ohnehin in Alarmbereitschaft war, kamen die Einsatzkräfte schnell an die Brandorte und konnten die Feuer sofort löschen.

In der Nacht zum Montag waren dagegen bei sieben Bränden auf der Nordseeinsel Millionenschäden entstanden. Vier Menschen wurden verletzt, 350 mussten die Nacht auf dem Sylter Flughafen verbringen. Am 12. August hatte es schon in einem Appartementhaus in Westerland gebrannt.

Die Urlauber halten der Insel aber nach Einschätzung des Sylt Tourismus Services die Treue. Es gebe zwar Nachfragen, aber keine großen Stornierungen, sagte Sprecherin Tanja Lübcke. Auch Hartmut Schiller, Leiter der Volkshochschule Klappholttal („Akademie am Meer“), die von den Bränden am Montag am schlimmsten betroffen war, sagte: „Es sind sehr wenig Gäste nach dem schockartigen Erlebnis abgereist.“

Unter anderem war ein Wirtschaftsgebäude mit Speiseraum abgebrannt. Nun wird eine Küche im Container aufgebaut, gegessen wird künftig in der Gymnastikhalle. Das Provisorium soll sechs bis neun Monate bestehen. Das Wenningstedter Hotel „Windrose“ der Lindner- Kette, in dem es ebenfalls am Montag gebrannt hatte, war am Mittwoch zum Teil wieder bewohnbar, das Appartementhaus dagegen nicht.

dpa