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Panorama Erhöhte Radioaktivität im Trinkwasser in Tokio
Mehr Welt Panorama Erhöhte Radioaktivität im Trinkwasser in Tokio
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13:24 25.03.2011
Die entwichene Radioaktivität aus den zerstörten Reaktoren in Fukushima ist jetzt auch im Trinkwasser in Tokio festgestellt worden. Quelle: dpa
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Das Trinkwasser in Tokio ist radioaktiv belastet. Babys in der Hauptstadt sollen deshalb kein Leitungswasser mehr trinken. Im Wasser seien erhöhte Werte von 210 Becquerel pro Liter an radioaktivem Jod 131 festgestellt worden, sagte ein Sprecher der Hauptstadtpräfektur Tokio am Mittwochnachmittag (Ortszeit). Die Warnung betreffe Kinder unter einem Jahr. Zuvor war bereits im Trinkwasser in fünf Orten der Präfektur Fukushima ein für Babys zu hoher Wert an radioaktivem Jod gemessen worden. Die Regierung riet den Menschen außerdem, kein Blattgemüse wie Spinat aus Fukushima zu essen. Dort steht das havarierte Atomkraftwerk, aus dem seit Tagen radioaktive Strahlung in die Umwelt entweicht.

Die erhöhten Werte an radioaktivem Jod im Trinkwasser wurden in einer Wasseraufbereitungsanlage in Tokio festgestellt. Der Grenzwert des japanischen Gesundheitsministeriums liegt für Babys bei 100 Becquerel pro Kilogramm, berichtete der Fernsehsender NHK. Kinder unter einem Jahr sollten deshalb vorerst kein Leitungswasser oder mit Leitungswasser angerührtes Milchpulver mehr trinken. Die Warnung gelte für alle 23 zentralen Bezirke in Tokio und für das westlich gelegene Tama-Gebiet. Bei radioaktivem Cäsium 137 seien keine überhöhten Werte registriert worden.

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Für ältere Kinder und Erwachsene liegen die Grenzwerte für radioaktives Jod 131 bei 300 Becquerel pro Kilo. Der Gouverneur der Hauptstadtpräfektur Tokio, Shintaro Ishihara, rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Es bestehe keine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit. Die Warnung ist nach Angaben der Behörden eine Vorsichtsmaßnahme, da sich das radioaktive Jod über die Zeit in der Schilddrüse anreichern könne.

Zuvor hatte die Regierung ihren Lieferstopp für Gemüse aus der Gegend um das havarierte Atomkraftwerk in Fukuschima ausgeweitet. Das Gesundheitsministerium veröffentlichte eine Liste mit elf Gemüsearten, bei denen nach dem Unglück eine teilweise drastisch erhöhte Radioaktivität festgestellt wurde. Darunter sind Spinat, Broccoli, Kohl und das japanische Blattgemüse Komatsuna.

Regierungssprecher Yukio Edano sagte auf einer Pressekonferenz, der Verzehr dieses Gemüses gefährde zwar nicht die Gesundheit. „Wir sehen aber, dass die Werte hochgehen und müssen damit rechnen, dass sie ein schädliches Niveau erreichen. Daher ist es sinnvoll, die Lieferungen jetzt zu stoppen.“ Vorsichtshalber sollten Verbraucher kein in der Präfektur Fukushima angebautes Gemüse mehr verzehren.

In Proben fand das Gesundheitsministerium beim Blattgemüse Kukitachina 82 000 Becquerel an radioaktivem Cäsium und 15 000 Becquerel an radioaktivem Jod. Dies übersteigt die zulässigen Grenzwerte um den Faktor 164 beziehungsweise 7. In der Präfektur Ibaraki wurde auch radioaktiv belastete Milch gefunden.

dpa

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