Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Erdbebenopfer in Japan warten weiter auf Hilfe
Mehr Welt Panorama Erdbebenopfer in Japan warten weiter auf Hilfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:43 22.03.2011
Helfer beten für die Opfer des Erdbebens in Japan.
Helfer beten für die Opfer des Erdbebens in Japan. Quelle: dpa
Anzeige

Die Lage der Erdbebenopfer in Japan ist weiter dramatisch. Es gibt jedoch auch kleine Hoffnungsschimmer. Ein Großteil der Straßen im Katastrophengebiet ist wieder passierbar. Auch trafen immer mehr Hilfsgüter im Nordosten des Landes ein. Doch die Versorgung im Katastrophengebiet bleibt oft sehr schlecht. Viele Notunterkünfte haben keine Toiletten oder Heizungen. Tote müssen in Massengräbern beerdigt werden, da Krematorien nicht genug Brennstoff haben.

Zwei Gemeinden in der Krisen-Präfektur Miyagi begannen am Dienstag, identifizierte Tote in großen Gräbern vorübergehend zu bestatten. In der Stadt Higashi-Matsushima wurden 24 Opfer begraben, manche nur in Tücher gehüllt, da es nicht genug Särge gab. „Mein Vater hat mir aus dem Tsunami geholfen. Ich habe ihn nun in Decken gewickelt, damit ihm nicht kalt ist“, sagte eine Frau dem Sender NHK.

Die Stadt stellte nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo Flächen für die Bestattung von 1000 Opfern bereit. Geplant sei, die Leichen innerhalb von zwei Jahren wieder zu exhumieren und dann zu verbrennen, wie es die japanische Tradition verlangt. Ein weiteres Grab für mehr als 100 Opfer wurde in der Stadt Watari vorbereitet.

Einen Hoffnungsschimmer vermeldete die Caritas: Der Flughafen der stark betroffenen Stadt Sendai konnte zumindest zeitweise wieder angeflogen werden, teilte die Organisation in Freiburg mit. Weiterhin seien aber mehrere Dörfer im Tsunamigebiet von der Außenwelt abgeschnitten. Hubschrauberflüge würden durch Regen und Schneefall stark beeinträchtigt. Allerdings seien rund 90 Prozent der Straßen in der heimgesuchten Regionen wieder passierbar.

Der Leiter der Caritas Japan, Daisuke Narui, machte auch darauf aufmerksam, dass psychologisch geschultes Personal gebraucht werde: „Nach den ersten Wochen, in denen es vor allem ums Überleben geht, werden sich Einsamkeit, Verzweiflung und Trauma bemerkbar machen. In dieser Situation dürfen wir die Menschen nicht alleinlassen“, erläuterte er laut der Caritas-Mitteilung.

Neben den Zerstörungen macht den Menschen die Kälte zu schaffen. In den nördlichen, von der Tsunamiwelle am stärksten betroffenen Gebieten bleiben die kommenden Nächte frostig, teilte der Deutsche Wetterdienst mit.

Die Zahl der Toten steigt immer weiter. Nach jüngsten offiziellen Angaben kamen bei dem Beben und dem Tsunami vom 11. März bisher 9099 Menschen um. Die Zahl der Vermissten lag am Dienstag bei 13.786, berichtete die Agentur Kyodo. Unter den Vermissten sind noch immer rund 1600 Kinder und Jugendliche.

Logistikexperten des UN-Welternährungsprogramms (WFP) wollen Japan mit einem raschen Transport von Hilfsgütern helfen. Es gehe darum, etwa 350.000 Menschen zu versorgen, die dort in 2100 Notunterkünften untergebracht seien, teilte WFP-Exekutivdirektorin Josette Sheeran in Rom mit. In Zusammenarbeit mit dem Postunternehmen TNT habe das WFP die Verteilung von 59.000 Decken an Bedürftige organisiert. Das WFP kündigte zudem an, zehn bewegliche Lagerhäuser nach Japan zu fliegen. Darin sollen Hilfsgüter gelagert werden, die per Flugzeug Japan erreichen.

Die Erdbebenopfer müssen sich auf weitere Erdstöße gefasst machen. Die Behörden warnten vor neuen schweren Nachbeben in der Krisenregion im Nordosten Japans. Die Erdstöße könnten die Stärke 7 oder mehr haben, berichtete die japanische Wetterbehörde am Dienstag nach Angaben des Senders NHK. Dadurch könnten schon beschädigte Gebäude einstürzen und ein weiterer Tsunami ausgelöst werden.

dpa