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Panorama Herr Scharif wartet seit zwei Jahren aufs Amt
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20:52 03.11.2015
„Ich mache alte Dinge wieder schön“: Ali Mohamed Sharif hat in Osnabrück eine Ausbildungsstelle gefunden. Sein Chef findet für ihn nur lobende Worte. Quelle: Friso Gentsch/dpa
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Osnabrück

Die Sprache kann er, er hat Sprachkurse besucht und aus eigener Tasche bezahlt. Ebenso einen Integrationskurs, den er glänzend abgeschlossen hat: mit 32 von 33 Punkten, so steht es auf dem Zeugnis. Bald will er heiraten. Doch eine Antwort auf seinen im November 2013 abgegebenen Asylantrag hat er noch nicht.

Sharif ist geduldet - das heißt, die Behörden verzichten vorerst auf eine Abschiebung. Vielleicht tut sich bald etwas. Inzwischen habe der junge Mann einen Termin zur Anhörung, erzählt sein Anwalt Andreas Neuhoff. Der Fall ist kompliziert: Der junge Afrikaner war seinerzeit über Ungarn nach Deutschland gekommen, nachdem er gute zwei Jahre in der Türkei verbracht hatte, erklärt der Anwalt. Kurz nach der Einreise lehnte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) den Asylantrag ab, ohne den Betroffenen angehört zu haben. Sharif war ein sogenannter Dublin-Fall: Zuständig für das Asylverfahren ist gemäß den Dublin-Richtlinien das Land, in das der Asylbewerber zuerst in die EU eingereist ist. Aber die Rücküberstellungsfrist verstrich, nichts tat sich.

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Inzwischen hat Sharif Chancen, in Deutschland als Asylbewerber anerkannt zu werden. Ende Oktober bekam der Anwalt einen Termin vom BAMF: Am 2. Dezember soll Sharif seinem Sachbearbeiter vom Bundesamt über seine Fluchtgründe erzählen - erstmals seit zwei Jahren. Im Durchschnitt dauern die Asylverfahren nach Angaben des Amtes etwas mehr als fünf Monate. Aber wegen der immens angestiegenen Flüchtlingszahlen arbeitet die Behörde Anträge von Menschen aus den Westbalkanstaaten und aus Syrien mit Vorrang ab.

Das Nachsehen haben zum Beispiel Menschen aus Afrika, wie Ali Sharif. Er ist vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland Somalia geflohen. „Ich bin dann im Jemen aufgewachsen“, erzählt er. Seit 1997 lebte er mit seinen Angehörigen in dem Land. Seine Familie wollte vor dem Terror der islamistischen Miliz Al-Shabaab fliehen. Inzwischen sei seine Familie mit drei Brüdern und einer Schwester wieder nach Somalia zurückgegangen, weil die Situation im Jemen gefährlich ist. Ein Ableger des Terrornetzwerkes Al-Qaida verübt immer wieder Anschläge in dem Land, es herrscht auch dort ein Bürgerkrieg. Aber Sicherheit gebe es auch in Somalia nicht.

Seit einigen Wochen lernt Ali Sharif Maler und Lackierer bei der Osnabrücker Firma Schmidtwilken. Es sei ein wunderbarer Beruf: „Man macht alte verbrauchte Dinge wieder neu und schön.“ Die Ausbildungsstelle zu finden, sei schwer gewesen, erzählt Sharif. Die Handwerkskammer hatte schließlich den Kontakt zum Ausbildungsbetrieb vermittelt. Sharif habe bei einem einwöchigen Praktikum einen „super Eindruck“ gemacht, sagt sein Chef, Stefan Schmidtwilken. Auch jetzt sei sein neuer Azubi freundlich, aufgeschlossen und gehe auch gut mit den Kunden der Firma um.

Ali Sharif hat schon weitere Pläne. Er will heiraten. Seine Verlobte, eine Deutsche türkischer Abstammung, habe er in der Moscheegemeinde kennengelernt. In zwei bis drei Monaten sei es soweit, sagt er. Seine künftigen Schwiegereltern unterstützten ihn, wo es gehe. „Die sind sehr nett, sie sind sehr, sehr gut zu mir.“ Durch die Ehe mit einer Deutschen hätte Sharif einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis. Aber die Unsicherheit bleibt. Wenn es dumm läuft, wird Sharifs Asylantrag abgelehnt, sagt Anwalt Neuhoff.

Von Elmar Stephan

Wann Flüchtlinge arbeiten dürfen

Beim Zugang zum Arbeitsmarkt ist Flüchtling nicht gleich Flüchtling. Anerkannte Asylbewerber dürfen uneingeschränkt arbeiten oder eine Ausbildung machen. Dagegen gilt für Asylbewerber während ihres Verfahrens und für geduldete Ausländer in den ersten drei Monaten ein Arbeitsverbot. Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen aber auch diese Flüchtlinge arbeiten. Die Ausländerbehörde muss eine Arbeitserlaubnis ausstellen. Dafür wiederum muss meist die Bundesagentur für Arbeit zustimmen. Und es darf keinen Deutschen, EU-Bürger oder anerkannten Flüchtling geben, der die Stelle besetzen kann.

Eine Berufsausbildung können Asylsuchende nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland beginnen. Geduldete Asylbewerber, deren Asylantrag zwar abgelehnt wurde, die aber nicht abgeschoben werden können, dürfen das ab dem Moment ihrer Duldung. In jedem Fall muss die Ausländerbehörde eine Erlaubnis erteilen. Asylbewerber dürfen dann solange in Deutschland bleiben, bis sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben.

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