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Panorama Entführte Jaycee Lee Dugard taucht nach 18 Jahren wieder auf
Mehr Welt Panorama Entführte Jaycee Lee Dugard taucht nach 18 Jahren wieder auf
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15:49 28.08.2009
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Dugard habe die vergangenen 18 Jahre in einem nicht einsehbaren Hinterhof ihrer Entführer in Antioch rund 70 Kilometer östlich von San Francisco verbracht, sagte der Undersheriff des Bezirks El Dorado, Fred Kollar. Dort habe sie in Zelten und Verschlägen gehaust, darunter ein schalldichter und nur von außen zu öffnender Schuppen. Der Entführer missbrauchte das Mädchen offenbar jahrelang und zeugte mit ihm zwei Töchter, die er gemeinsam mit Jaycee gefangen hielt. Die beiden elf und 15 Jahre alten Mädchen hätten nie eine Schule oder einen Arzt besucht und in absoluter Isolation von der Außenwelt gelebt, berichtete Kollar.

Die US-Bundespolizei FBI nahm den Verdächtigen und dessen Frau fest. Ihnen wird Entführung und Vergewaltigung vorgeworfen. Bei dem 58-jährigen Phillip Garrido handelt es sich um einen verurteilten Sexualstraftäter, der wegen einer 1971 begangenen Entführung mit Vergewaltigung auf Bewährung frei war.
Dugard sei „bei guter Gesundheit“, sagte Kollar, „aber 18 Jahre Leben in einem Hinterhof fordern ihren Tribut“. Die damals Elfjährige war im Juni 1991 in South Lake Tahoe rund 200 Kilometer nordöstlich von San Francisco vor den Augen ihres Stiefvaters Carl Probyn von zwei Unbekannten in ein Auto gezerrt worden. „Ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben“, sagte Probyn dem Sender ABC News. Er habe nur noch gehofft, dass wenigstens die Verantwortlichen gefunden würden. Am Donnerstag flog Probyn zusammen mit seiner Frau und einer weiteren Tochter nach San Francisco, um Jaycee zu treffen.

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Der mutmaßliche Kidnapper Garrido sagte dem US-Sender KCRA, wenn die Öffentlichkeit erst die ganze Geschichte kenne, werde sie beeindruckt sein. Zunächst hätten sich „abstoßende Dinge“ abgespielt, doch er habe sein Leben völlig umgekrempelt. „Die zwei kleinen Mädchen haben von Geburt an jede Nacht in meinen Armen geschlafen.“ Niemals habe er sie auch nur geküsst. „Die Zeugin, das Opfer, wird eine umwerfende, herzerwärmende Geschichte erzählen - wartet nur ab“, sagte Garrido dem Sender.

Garrido war der Polizei am Dienstag aufgefallen, als er an der Universität von Berkeley religiöse Schriften verteilte. Sein Bewährungshelfer bestellte den Mann daraufhin zu einem Treffen, zu dem dieser eine gewisse „Allissa“ und zwei Mädchen mitbrachte. Da der Bewährungshelfer diese in Garridos Haus nie gesehen hatte, ordnete er Ermittlungen an. Dabei stellte sich heraus, dass es sich bei „Allissa“ um die seit fast zwei Jahrzehnten vermisste Jaycee Dugard handelte.

Der Fall erinnert an die Entführung der Österreicherin Natascha Kampusch. Sie war als Zehnjährige verschleppt und von ihrem Kidnapper achteinhalb Jahre lang in einem unterirdischen Verlies gefangen gehalten worden, bevor ihr im August 2006 die Flucht gelang. Auch ein anderer Fall in Österreich hatte die Welt schockiert: Im März dieses Jahres war der Inzest-Vater von Amstetten, Josef F., zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte seine Tochter 24 Jahre in einem Verlies unter seinem Haus gefangen gehalten und sieben Kinder mit ihr gezeugt.

afp