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Panorama Entführer lässt Vierjährige nach Lösegeldzahlung frei
Mehr Welt Panorama Entführer lässt Vierjährige nach Lösegeldzahlung frei
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18:34 11.02.2011
Ein Polizeifahrzeug sperrt die Straße in Kleinmachnow, in der am Donnerstag ein vierjähriges Mädchen entführt wurde. Quelle: dpa
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Er ist selbst dreifacher Vater - und entführte eine Vierjährige, um mit dem Lösegeld seine Schulden zahlen zu können. Davon sind die Ermittler einen Tag nach dem Drama in Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) überzeugt. Gegen den 44 Jahre alten Mann aus Berlin wurde Haftbefehl erlassen, teilte Brandenburgs Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) am Freitag in Potsdam mit. Die Staatsanwaltschaft wirft dem geschiedenen Familienvater, dessen Kinder sechs, sieben und neun Jahre sind, erpresserischen Menschenraub vor. Er hat die Tat gestanden. „Er hat über sich selbst ein gewisses Unverständnis geäußert“, so der Leitende Oberstaatsanwalt Heinrich Junker.

Der 44-Jährige war am Donnerstagabend in Kleinmachnow festgenommen worden. Wenige Minuten zuvor war das von ihm gekidnappte Mädchen nach etwa 13 Stunden Geiselhaft freigekommen. Die Polizei stellte den Tatwagen, einen gemieteten roten Renault Clio, sicher. In dem Auto wurde eine Sichel gefunden, mit der er die Mutter des Opfers bedroht hatte. Auch das Lösegeld in Höhe von 60.000 Euro wurde gefunden. Es sei von den Behörden und der Familie bereitgestellt worden, hieß es.

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Damit endete nach etwa 13 Stunden ein Nervenkrieg, der neben der Familie rund 530 Polizeibeamte in Atem gehalten hatte. Während der gesamten Zeit habe der Entführer das Mädchen bei sich gehabt, so die Polizei. „Nach allem, was wir wissen, hat es die Entführung unbeschadet überstanden“, sagte Präsident Rainer Kann. Das Kind bekam zu essen, hatte im Auto Spielzeug, zwischendurch ging der Entführer mit der Vierjährigen spazieren.

Dreimal hatte der frühere Jura-Student, der sich mit einer Confiserie und einem Tierfuttergeschäft als Unternehmer versuchte, Kontakt zu der Familie. Dabei wurden Modalitäten für die Lösegeldübergabe besprochen, die die Mutter (41) übernehmen sollte.

Ab 19.47 Uhr waren die Fahnder an dem Mann und dem roten Wagen dran. Der Täter habe aber immer wieder versucht, mögliche Verfolger abzuschütteln. Am Abend kam es dann in Fürstenwalde/Spree (Oder-Spree) zur Übergabe des Lösegelds, das die Mutter in einer Reisetasche über eine Brücke auf eine Landstraße warf. Etwa eine halbe Stunde später ließ der Mann sein Opfer frei - allerdings nicht wie angekündigt bei Staakow (Dahme-Spreewald), sondern in Kleinmachnow.

Eine Nachbarin hatte die Polizei alarmiert. Sie beobachtete am Donnerstagmorgen, wie das Kind seiner Mutter entrissen wurde. Von ihr sowie der Mutter kamen laut Polizei wichtige Hinweise zum Fluchtfahrzeug, die letztlich auch für den Erfolg der polizeilichen Arbeit mitentscheidend gewesen seien.

Der mutmaßliche Täter sitzt inzwischen in Untersuchungshaft in Brandenburg/Havel. Er wurde laut Behörden in Südafrika geboren, lebte in Berlin, hat sich aber auch wegen eines Nebenwohnsitzes in der Gegend von Kleinmachnow aufgehalten. Die Familie habe er sich ausgesucht, weil die Bewohner der Neubausiedlung allgemein als besserverdienend gelten.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.