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Panorama Eltern der Opfer reden nach Amoklauf an US-Grundschule
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09:21 16.12.2012
Bei dem Amoklauf wurden 26 Menschen getötet, darunter 20 Kinder. Quelle: dpa
Newtown

Das ganze Ausmaß des Horrors an der Grundschule von Newton im US-Bundesstaat Connecticut wird erst nach und nach deutlich: Die Opfer des Amokläufers, darunter 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren hätten „verheerende Verletzungen“ aufgewiesen. Mehrfach sei auf die kleinen Körper geschossen worden, bis zu elf Mal, teilte der leitende Gerichtsmediziner H. Wayne Carver sichtlich erschüttert am Samstag mit. Am Sonntag wird US-Präsident Barack Obama in Newtown erwartet. Er will bei einer Gedenkfeier sprechen und die Familien der Opfer treffen.

Erstmals meldeten sich am Samstag Eltern der Opfer öffentlich zu Wort und sprachen über den schrecklichen Verlust. Emilie sei „klug, kreativ und sehr liebevoll“ gewesen, erzählte der 30 Jahre alte Robbie Parker Journalisten über seine sechsjährige Tochter. Er wisse nicht, wie diese Tragödie durchzustehen sein, sagte der dreifache Vater mit Tränen in den Augen. Auch für die Familie des Schützen müsse dies eine schreckliche Erfahrung sein.

Der Vater des mutmaßlichen Schützen drückte den Angehörigen der Opfer sein tiefes Bedauern über die „enorme Tragödie“ aus. In einer vom Sender CNN veröffentlichten Mitteilung erklärte er am Samstag, dass seine Familie mit den Ermittlern eng zusammenarbeite. Auch sie seien schockiert und hätten keine Erklärung für die Tat.

„Wir teilen die Trauer der Gemeinde und des Landes, während wir den unglaublichem Verlust zu verstehen versuchen“, ließ der Onkel mitteilen. Seine Schwester, die Mutter des mumaßlichen Täters, war am Freitag nach bisherigen Erkenntnissen das erste Opfer des Zwanzigjährigen, der später an der Grundschule dann 20 Kinder und sechs Erwachsene erschoss, bevor er sich selbst tötete.

Entgegen ersten Berichten hatte die Mutter nach Polizeiangaben keine Verbindung zur der Schule gehabt. Zuvor hatte es geheißen, sie sei dort Lehrerin gewesen. Die Namen des Täters und der Mutter sollten erst nach Abschluss der Obduktion am Sonntag offiziell bekanntgegeben werden.

Die Bluttat löste weltweit Bestürzung aus und entfachte zugleich eine neue Debatte über das Waffenrecht in den USA. Präsident Obama forderte „bedeutsames Handeln, um weitere Tragödien wie diese zu verhindern“. Wie das Weiße Haus mitteilte, wollte er am Sonntag in Newtown an einer interkonfessionellen Mahnwache teilnehmen und mit den Familien der Opfer und den von Schülern der Sandy-Hook-Grundschule zusammentreffen.

Die Staatspolizei von Connecticut veröffentlichte am Samstag die Namen der Opfer. Demnach sind darunter 12 Mädchen und acht Jungen. Außerdem kamen sechs Frauen ums Leben, dazu zählen die Rektorin und eine Schulpsychologin. Der „New York Times“ zufolge wurden sie erschossen, als sie versuchten, den Amokläufer zu stoppen.

Die Hintergründe der Bluttat blieben zunächst weiter im Dunkeln. Aufschluss erhoffte sich die Polizei von Unterlagen, die im Wohnhaus des Todesschützen sichergestellt wurden. Der Schütze soll sich gewaltsam Zutritt zur Schule verschafft haben.

Der Täter soll Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in Newtown aufgewachsen sein. Er wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. In jungen Jahren sei er ein Einzelgänger gewesen, erzählte eine frühere Klassenkameradin bei CNN. Nachbarn beschrieben ihn nach Berichten des Senders als merkwürdig. Bei dem Amoklauf soll er ganz in Schwarz gekleidet gewesen sein und eine kugelsichere Weste getragen haben. Er habe sein Auto direkt vor der Eingangstür geparkt, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Die Leichen der Kinder wurden nach Angaben des Gerichtsmediziners von den Eltern zunächst per Fotos identifiziert, das sei etwas leichter für sie gewesen, sagte Gerichtsmediziner Carver. Die meisten Kugeln stammten demnach aus einem halbautomatischen Gewehr. Sie seien von einer Art, die schwere Schäden im Gewebe verursache. 

dpa

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