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Panorama Elf Verletzte beim größten ostdeutschen Karnevalszug in Cottbus
Mehr Welt Panorama Elf Verletzte beim größten ostdeutschen Karnevalszug in Cottbus
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17:47 06.03.2011
In Cottbus sind durch ein umstürzendes Gerüst elf Menschen verletzt worden. Quelle: dpa
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Beim größten ostdeutschen Karnevalszug sind am Sonntag in Cottbus durch ein umstürzendes Gerüst elf Menschen verletzt worden, zwei von ihnen schwer. Wie die Feuerwehr mitteilte, wurde alle zunächst ins Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr bestand nicht. Die Veranstaltung mit mehr als 4000 Aktiven ging trotz des Unglücks weiter.

Unbemerkt von den meisten Teilnehmern war kurz vor der Halbzeit des vierstündigen Spektakels eine Kabelbrücke an der Feststrecke umgestürzt. Vermutlich sei einer der Festwagen gegen das Stahlgestell geraten, hieß es. Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) besuchte die Verletzten im Krankenhaus. Polizeisprecher Torsten Wendt sagte, die genaue Ursache des Unglücks werde noch ermittelt.

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Dabei hatte alles so fröhlich angefangen. Mehr als 4000 bunt kostümierte Funkengarden und andere Narren zogen bei Sonnenschein durch ein dichtes Spalier von Schaulustigen. Zehntausende Menschen säumten die mehrere Kilometer langen Strecke.

An dem 20. „Zug der fröhlichen Leute“ seit der Wende beteiligten sich neben Brandenburger Jecken auch Aktive aus Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Das Motto lautete „Lasst Narren regieren, dann wird das Land funktionieren.“ Erstmals waren närrische Gäste aus dem Nachbarland Polen von der Kleinstadt Zary dabei.

An der Spitze winkte das Prinzenpaar des Karneval-Verbandes Lausitz (KVL), Axel I. und Kathrin I., dem Volk huldvoll zu. Funkenmariechen zeigten flotte Tanzeinlagen, und immer wieder erscholl der märkische Schlachtruf „Cottbus, Lausitz, Brandenburg - helau!“ Schokolade, Bonbons und andere Kamelle flog durch die Luft, aber nur wenig Konfetti.

Auf der Bühne vor dem Gebäude des Staatstheaters hatten sich die Ehrensenatoren des KVL und ihre Gäste versammelt, darunter der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD). „Ich bin etwa jedes zweite Jahr beim Cottbuser Karnevalumzug dabei - Cottbus steckt an“, sagte Platzeck der Moderatorin Madeleine Wehle vom Sender rbb, der den Festumzug wieder live übertrug.

Auf der mehrere Kilometer langen Strecke durch die mit 100.000 Einwohnern größte Lausitzstadt waren mehr als 120 geschmückte Fahrzeuge, acht Kutschen und etwa 20 Pferde unterwegs. Neun Spielmannszüge und stimmungsvolle Musik aus vielen Lautsprecherboxen heizten die Stimmung an. Einige Vereine nahmen mit ihren fantasievollen Motivwagen aktuelle Themen aufs Korn.

Besonders gefrotzelt wurde der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der nach Plagiatsvorwürfen wegen seiner Doktorarbeit zurückgetreten war. Der Carneval-Club aus Neupetershain (Spree-Neiße) präsentierte auf seinem Wagen eine übergroße CD aus Pappe und Guttenbergs Foto. „Diese CD ist deshalb so groß, weil dort so viele abgeschriebene Stellen von Guttenbergs Doktorarbeit abgespeichert sind“, sagte Jürgen Pufe von dem Verein.

Der Verein Cottbuser Karneval zog mit einem großen gierigen Kapitalisten aus Pappe über den umstrittenen Biosprit E 10 her. Auf einem Spruchband stand „E 10 - wir kriegen euch alle! Denn tanken müsst ihr doch!“

Zum Abschluss sollte eine große Feier im Festzelt auf dem Viehmarkt steigen. Am Rosenmontag feiern viele Karnevalsvereine in Räumen, während im Rheinland die großen Straßenumzüge wieder ein Millionenpublikum anziehen. Aschermittwoch zieht dann der Cottbuser Karnevalsnachwuchs durch die Stadt und beschließt die „fünfte Jahreszeit“.

dpa