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Panorama „Einbrecher wie mich kann nichts abhalten“
Mehr Welt Panorama „Einbrecher wie mich kann nichts abhalten“
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08:16 16.11.2016
Ein Einbrecher hebelt ein Fenster auf. (Symbolbild) Quelle: dpa
Hannover

Gerd T. ist 74 Jahre alt. Mehr als 40 Jahre lang ist er – zwischen seinen Gefängnisaufenthalten – in Banken, Häuser und Wohnungen eingebrochen.

Hat Sie jemals etwas stoppen können?

Nein.

Kein Schloss, keine Alarmanlage, nichts?

Nein. Sehen Sie: Wir sind zum Beispiel mal in eine Industriellenvilla in Düsseldorf eingestiegen. Da gab es sieben Alarmanlagen …

Woher wissen Sie, dass es sieben waren?

Ich habe sie ja alle ausgemacht. Also: Die hatten für mindestens 50.000 Euro Sicherheitstechnik installiert. Am Ende sind wir durch einen Schuppen ins Schwimmbad und von dort durch zwei Boxenöffnungen in die Zimmer. Eine Schwachstelle gibt es immer.

Das heißt: Alle Sicherheitstechnik ist sinnlos?

Ganz und gar nicht. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland gut 160.000 Einbrüche. Davon hätten sich 100.000 verhindern lassen. Mit einfachen Mitteln.

Wie das?

Nehmen Sie zum Beispiel die Tür. Ein gutes Schloss, das nicht übersteht, ein vernünftiges Türblatt, am besten noch ein Querriegel, schon ist viel gewonnen. Pilzkopfsicherungen an den Fenstern, verriegelte Griffe, Hochschiebesicherung bei Rollläden. Alles das kostet nicht viel, ist aber sehr effektiv. Nicht zu vergessen: eine Schutzfolie auf die Fenster, die ist wirklich super.

Aber das hätte Sie doch nicht abgehalten.

Mich hätte nichts abgehalten. Aber Einbrecher wie ich machen heute auch nur noch vielleicht 20, 25 Prozent aller Einbrüche aus.

Wie wird man denn Einbrecher?

Ich bin im Heim aufgewachsen. Das soll nichts entschuldigen, aber ich habe da viele schlimme Dinge erlebt, schwere Misshandlungen. Ich bin da abgestumpft, meine Fähigkeit zur Empathie war praktisch nicht vorhanden. Mit 16 habe ich meinen ersten Einbruch begangen, in eine Gaststätte. Ich wurde bald geschnappt, kam ins Gefängnis – und habe dort Menschen kennengelernt, die mir beigebracht haben, wie man zum Beispiel einen Dietrich herstellt. Und so weiter.

Haben Sie einen Beruf erlernt?

Ich habe eine Elektrikerlehre gemacht – aber eigentlich nur, um besser einbrechen zu können.

Das heißt: Sie sehen sich als gelernten Einbrecher?

Ja. Man braucht, wenn man es professionell macht, spezielles Werkzeug und Wissen. Im Gefängnis habe ich mich dann immer fortgebildet, mit Büchern. Die Geschichte von Porzellanmanufakturen, KPM, Nymphenburg, dann die Perserteppiche, Edelsteine. Kennen Sie He­reke-Teppiche?

Nein.

Seidenteppiche aus der Türkei, wunderbare Stücke. Die müssen Sie von wertloser Massenware unterscheiden können.

Und heute sind nur noch ungelernte Einbrecher unterwegs?

Nicht nur. Aber den Großteil verüben heute reisende Banden, viele aus Osteuropa. Ich habe Objekte zum Teil monatelang ausgekundschaftet. Diese Banden fahren umher, sehen ein Fenster auf Kipp, Büsche als Sichtschutz, sagen „wunderbar“ und versuchen es. Dafür geben sie aber auch schnell auf, wenn sie nicht rasch hineinkommen. Sie lassen sich durch einfache Maßnahmen gut abhalten. Nichts gegen aufwendige Elektronik. Aber meistens reichen einfache Mittel.

Was bringen falsche Fernseher und Ähnliches?

Nichts. Die sind nur eine Einladung, genau wie die falschen Hunde, die alle zwei Minuten bellen.

Bereuen Sie Ihre Karriere heute?

Ich weiß heute, was ich Menschen angetan habe. Es gibt Szenen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Begegnungen im Gericht mit Menschen, die mich angefleht haben, ihre Sachen zurückzugeben, persönlichste Gegenstände. Aber mein Drang nach Geld war damals stärker als jedes Mitgefühl.

Was ist Ihnen von der Beute geblieben?

Nichts. Ich lebe heute von Grundsicherung. Ich verdiene kein Mitleid, natürlich nicht. Aber es ist wirklich nichts geblieben.

Sie beraten heute Sicherheitsfirmen und sprechen gelegentlich vor Polizisten und Versicherungsvertretern. Wie reagieren die?

Positiv – und ich habe das Gefühl, etwas zurückgeben zu können.

Von RND/Thorsten Fuchs

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