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Panorama Ein Volk im Dauerstress
Mehr Welt Panorama Ein Volk im Dauerstress
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22:17 14.05.2009
Von Julia Beatrice Fruhner
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95 Prozent von ihnen geben an, sich ausgebrannt zu fühlen. Dabei ist „das bisschen Haushalt“ nicht die Ursache. Vielmehr führen die Gedanken um die eigene Altersvorsorge und das Gefühl, eigene Interessen zu häufig zurückzustellen, zur Dauerbelastung. In Zeiten unsicherer Renten und einer steigenden Anerkennung weiblicher Karrieren scheinen Hausfrauen ihren eigenen Lebensstil als etwas angestaubt zu empfinden.

Auch was Jugendliche betrifft, sind die Zahlen aus der Studie alarmierend: Neun von zehn Schülern klagen demnach über Stress. Jeder Dritte stehe permanent unter Leistungs- und Prüfungsdruck. Die Erhebung belegt, was oft nur behauptet wird: Stress ist zur Volkskrankheit geworden. Die Krankenkasse befragte im Januar 1014 Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu ihrem Stresspegel, ihrem Umgang mit Stress und gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Gesamtergebnis: Acht von zehn Deutschen empfinden ihr Leben als stressig. Jeder Dritte steht nach eigenen Angaben sogar unter „Dauerstrom“.

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Stressfaktor Nummer eins ist der Studie zufolge der Job. Jeder Dritte arbeite am Limit, getrieben von Hektik, Termindruck und einem zu hohen Arbeitspensum. Ein Drittel der Beschäftigten leide unter dem Druck, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen und von Informationen überflutet zu werden. Die Kosten aufgrund von Stresskrankheiten sind erheblich: 20 Milliarden Euro kosten die Arbeitsausfälle die Unternehmen jährlich, wie die TK herausfand.

Dass Topmanager weniger beeinträchtigt sind, wundert Prof. Harald Gündel von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nicht: Sie hätten im Job große Verantwortung und relativ viele Gestaltungsmöglichkeiten. „Dieser positive Stress kann sogar stressmindernd wirken und die Gesundheit fördern“, sagt Gründel. Wer im Job über wenig Handlungsspielraum verfüge, gleichzeitig aber erhöhtem Leistungsdruck ausgesetzt sei, werde dagegen eher krank. „Das Gaspedal steht ständig auf Vollgas“, sagt der Mediziner. Unter solchen Bedingungen arbeiten seiner Meinung nach nicht selten gerade Vertreter der unteren Einkommensgruppen. Auch die sogenannten Sandwichpositionen sind besonders betroffen – das sind Manager in mittleren Hierarchien.