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Panorama EHEC-Warnungen beeinflussen das Essverhalten der Deutschen
Mehr Welt Panorama EHEC-Warnungen beeinflussen das Essverhalten der Deutschen
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20:18 30.05.2011
Von Reinhard Urschel
In den Laboren für Lebensmittelsicherheit wird auch Salat exakt untersucht. Quelle: dpa
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Nicht nur im Norden, wo die ersten Fälle auftraten, sondern überall. „Die Gäste sind sehr viel sensibler und fragen stärker nach, wo das Gemüse herkommt“, sagte die Verbandssprecherin Stefanie Heckel am Montag in Berlin. Zum Teil würden die Gäste keine Salate mehr bestellen und auf gekochtes Gemüse ausweichen. Einige Gaststätten würden darauf entsprechend reagieren und Salate aus dem Angebot nehmen. Caterer, vor allem solche, die Kitas und Krankenhäuser beliefern, bieten laut Heckel zum Teil keine Rohkostsalate mehr an. „In einigen Kantinen sind die Salatbars ganz verschwunden.“

Bundesregierung, Länder und Behörden haben am Montagnachmittag in einem Spitzentreffen beim Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin vereinbart, sich nicht von den Einwänden der Bauernverbände im In- und Ausland einschüchtern zu lassen und die Verbraucher nach wie vor ausführlich zu informieren.

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Das RKI hatte in der vergangenen Woche davor gewarnt, in Norddeutschland rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate zu essen. Der Absatz dieser Produkte brach darauf stark ein. Viele Bauern können ihre Ware nicht mehr verkaufen und klagen über existenzgefährdende Schäden. Wegen fehlender deutscher Nachfrage kam der Gemüseexport aus den Niederlanden ins Nachbarland fast zum Erliegen. Spanien prüft sogar Schadensersatzforderungen gegen Deutschland.

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) und Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ließen von Medizinern über den Stand der Untersuchungen zu den EHEC-Fällen und die HUS-Erkrankungen unterrichten. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine schwere Komplikation bei EHEC-Erkrankten. Bundesgesundheitsminister Bahr hat bei dem Treffen die Verzehrwarnungen des Robert-Koch-Instituts ausdrücklich verteidigt. „Wenn es um Gesundheit geht, ist höchste Vorsicht geboten“, sagte er.

Ob der Bund den Landwirten finanziell helfen wird, ist nicht abschließend geklärt worden. Die Verbraucherschutzministerin sei mit den betroffenen Verbänden und der Ernährungsindustrie im Gespräch, „um einen guten Umgang mit diesem Problem zu finden“, hieß es. Das Verbraucherschutzministerium in Berlin hat zudem einen Krisenstab eingerichtet und steht nach eigenem Bekunden in engem Kontakt mit den für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Länderbehörden sowie mit der Europäischen Kommission, um die Schutzmaßnahmen mit den EU-Partnern abzustimmen.

Die Welle von EHEC-Infektionen ist in Deutschland indes noch nicht gestoppt. Die Zahl der bestätigten Infektionen und Verdachtsfälle stieg auch am Montag weiter an. Allerdings gibt es erste Anzeichen, dass die Welle abebbt. Am Hamburger Universitätskliniklum Eppendorf (UKE) sei die Zahl der Neuerkrankungen „deutlich rückläufig“, berichtete UKE-Vorstandschef Prof. Jörg Debatin. Hamburg ist bislang am schwersten vom EHEC-Ausbruch betroffen. In der Klinik liegen mehrere schwerkranke HUS-Patienten.

Die Darmseuche EHEC hat erstmals zwei Menschen außerhalb Norddeutschlands getötet. Im Kreis Paderborn starb eine 91-jährige Frau an den Folgen der gefährlichen Durchfallinfektion. Die Frau habe mehrere schwere Vorerkrankungen gehabt, teilte der Kreis am Montag mit. In Gütersloh erlag eine 47-Jährige der Krankheit. Zuvor waren elf Menschen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen an dem Erreger gestorben.

Unterdessen ist ein erstes Folgeproblem der EHEC-Erkrankungen aufgetreten. Belastete Ware, aber auch unverkäufliche Ware muss grundsätzlich so entsorgt werden, dass sie hygienisch unbedenklich ist. Was den Großhandel betrifft, gibt es drei Möglichkeiten der Entsorgung: Müllverbrennungsanlagen, Kompostierung oder Vergärung (Biogasanlage). Entscheidend ist, dass die Ware über einen bestimmten Zeitraum stark erhitzt und dadurch unschädlich wird. Einzelheiten hierzu finden sich auch in der Bioabfall-Verordnung. Weil in den vergangenen Tagen teilweise größere Mengen an unverkäuflichen Salatgurken angefallen sind, droht die Gefahr, dass der Erreger auf Umwegen wieder in den biologischen Kreislauf zurückkehrt.