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Panorama Dutzende Tote nach Fußball-Krawallen in Ägypten
Mehr Welt Panorama Dutzende Tote nach Fußball-Krawallen in Ägypten
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10:41 02.02.2012
Blutige Krawalle: Nach Angaben des Staatsfernsehen wurden Hunderte Menschen verletzt. Quelle: rtr
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Port Said/Kairo

Fußball-Drama mit vielen Toten in Ägypten: Hunderte Fußballfans haben nach einem Ligaspiel in der Küstenstadt Port Said Jagd auf Spieler gegnerische Anhänger gemacht. Dabei kamen mindestens 76 Menschen ums Leben. Viele Menschen wurden erdrückt.

Der Abpfiff war gerade ertönt, als in dem Stadion der nordägyptischen Stadt das Chaos losbrach: Feuerwerkskörper schossen auf den Rasen. Hunderte Fans stürmten auf das Spielfeld. Die Akteure des Erfolgs-Teams Al-Ahli aus Kairo versuchten panisch, sich in der Kabine in Sicherheit zu bringen.

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Spieler von Al-Ahli sagten lokalen Medien, die Sicherheitskräfte hätten nichts unternommen, um sie zu schützen. Schließlich kündigte der Militärrat an, zwei Militärflugzeuge nach Port Said zu schicken, um die Spieler von Al-Ahli abzuholen, wie das Staatsfernsehen berichtete. Der ägyptische Fußballverband EFA setzte vorerst alle Spiele aus.

Der portugiesische Al-Ahli-Trainer Manuel José sagte, er habe Dutzende von Toten gesehen. Zahlreiche schwerverletzte Fans seien von Ärzten seines Vereins behandelt worden, viele seien dabei in der Umkleidekabine gestorben. „Die Schuld hat einzig und allein die Polizei. Es waren Dutzende im Stadion, aber die sind plötzlich alle verschwunden oder haben gar nichts unternommen“, sagte der 65-Jährige empört kurz nach den Zwischenfällen im Telefon-Interview mit dem portugiesischen TV-Sender SIC.

Schon die Vorzeichen des Treffens der rivalisierenden Clubs mit ihren Ultra-Fans waren brisant: Vom „Treffen der Vergeltung“ sprachen regionale Zeitungen vorab. Diese Prophezeiung bewahrheitete sich:
Kaum war das Spiel mit 3:1 für das Heimteam Al-Masri entschieden und beendet, brachen die Krawalle los.

Unter den Toten sollen auch Sicherheitskräfte sein. Der Leiter eines Krankenhauses in Port Said, Hassan al-Isnawi, sagte der Zeitung „Al-Ahram“ (online), viele seien erdrückt worden. Der Mannschaftsarzt von Al-Ahli wurde von der Zeitung „Al-Masry Al-Youm“ mit den Worten zitiert: „Das ist Krieg und kein Fußball.“

Trainer José sagte, man habe das Unheil kommen sehen, denn Fans des Heimteams hätten schon vor Spielbeginn das Feld gestürmt und so den Anpfiff um rund eine halbe Stunde verzögert. Auch in der Halbzeit und nach jedem Tor seien Zuschauer der Heimmannschaft aufs Feld gelaufen. Er selbst sei mit Tritten und Faustschlägen attackiert worden.

„Mir und all unseren Spielern und Trainern geht es aber gut“, sagte er von einer Polizeiwache aus. Man müsse die ägyptische Meisterschaft unterbrechen, denn „so kann man nicht spielen“. Er selbst erwäge, das Land zu verlassen. Al-Ahli zählt zu den bekanntesten und wichtigsten Fußballvereinen in Ägypten und war lange Zeit ungeschlagen.

In einem Stadion in Kairo brach unterdessen ein Feuer aus, nachdem das dortige Fußballspiel als Reaktion auf die Ereignisse in Port Said abgebrochen worden war.

Ägypten sucht Schuldige

Am Donnerstag wurden Fragen nach einem politischen Hintergrund laut. Das Parlament wollte am Donnerstag in Kairo zusammenkommen und über das „Massaker“ beraten. Die Muslimbruderschaft, die die stärkste Fraktion stellt, betonte in einem auf ihrer Website veröffentlichten Statement, dass Kräfte am Werk seien, die in enger Verbindung zu dem früheren Regime von Präsident Husni Mubarak stünden. Sie riefen den regierenden Militärrat auf, alle Maßnahmen zum Schutz der Menschen in Ägypten zu ergreifen. Zudem müsse untersucht werden, welche Verantwortung die Polizei an der Eskalation trage.

Ein für die öffentliche Sicherheit zuständiger Militärvertreter, Ahmed Gamal, wies in der Tageszeitung „Al-Tahrir“ (Donnerstag) jegliche Schuld zurück. Es habe einen guten Sicherheitsplan bei dem Fußballspiel gegeben, sagte er. Doch der Gewaltausbruch nach Abpfiff sei nicht mehr einzudämmen gewesen. Er verglich die Ereignisse mit dem Beginn der heftigen Massenproteste am 25. Januar vor einem Jahr gegen Mubarak, die schließlich zum Sturz des Machthabers führten.

dpa/sag/frs


Tote und Verletzte nach Ausschreitungen in Port SaidStepMap


Dieser Artikel wurde aktualisiert.

01.02.2012
Gabi Stief 01.02.2012