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Panorama Drug-Checking: Ein Reinheitsgebot für Koks?
Mehr Welt Panorama Drug-Checking: Ein Reinheitsgebot für Koks?
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13:44 24.06.2019
Saubere Schüsse: Ein Junkie bereitet sich in einem Frankfurter Druckraum eine Dosis Heroin und Crack vor. Quelle: dpa
Hannover

Die Reflexe funktionieren noch: „Förderprogramm für kriminelle Clans und deren Dealer“ nennt die FDP einen Plan des Berliner Senats. 150.000 Euro plant der ein, um ein Programm zum „Drug-Checking“ auf den Weg zu bringen. Einen Starttermin für das Berliner Projekt gibt es allerdings genauso wenig wie einen genauen Plan, wie es aussehen soll.

„Drug-Checking“ bedeutet, dass Drogenkonsumenten ihren Stoff testen lassen können. So könnten sie herausfinden, ob ihr Stoff mit giftigen Stoffen gestreckt ist, ob drin ist, was der Dealer ihnen zugeraunt hat. Sie hätten einen vertrauenswürdigen (und vertraulichen) Ansprechpartner zu Risiken und Nebenwirkungen.

So funktioniert das „Drug-Checking“ in Zürich

Mit den Daten könnte der Staat viel anfangen: Er erfährt, womit gerade auf den Straßen gehandelt wird, könnte Muster erkennen und auf diesem Weg an die Hintermänner herankommen. Und er kommt in Kontakt mit den Konsumenten, um sie aufzuklären und – im allerbesten Fall – einen Weg aus der Sucht zu weisen.

In Zürich gibt es ein solches Programm seit Jahren – ohne dass die Stadt im Drogensumpf versunken wäre. Ergebnis der dortigen Tests sind konkrete Warnungen an potenzielle Konsumenten, etwa: „Diese XTC-Tabletten enthalten 227.6 mg bzw. 207.7 mg MDMA. Bei solch hohen Dosen können unter anderem folgende Nebenwirkungen auftreten: ,Kiefer mahlen‘, Augen- und Nervenzucken, Kopfschmerzen, Übelkeit, Krampfanfälle, Halluzinationen.“

„Drug-Checking“ könnte nötige Transparenz liefern

Jeder Konsument, der auf diese Weise die Finger von den Drogen lässt, wäre ein Erfolg für Drogenpolitik. Ob die Hoffnung berechtigt ist? Das kann nur ein Testbetrieb zeigen, wie ihn Berlin derzeit plant.

Doch der Verdacht liegt nahe, dass solche Drogen-Transparenz helfen könnte, wie andere Reformen in der Drogenpolitik gezeigt haben, zum Beispiel in Frankfurt. Anfang der neunziger Jahre starben dort fast 150 Menschen im Jahr an ihrem Drogenkonsum, ein zentraler Park war bei gutem Wetter eine No-go-Area für Nicht-Konsumenten. Versuche der Polizei, die Abhängigen zu vertreiben – „Junkie-Jogging“ – halfen nichts.

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Es folgte ein Umdenken. In Druckräumen dürfen sich Junkies nun unter hygienischen Bedingungen Schüsse setzen. Im Fall einer Überdosis stehen Helfer bereit. Das Ergebnis: 2018 gab es in Frankfurt „nur“ noch 22 Drogentote – kein einziger starb in einem Druckraum. Und nein, die Zahl der Drogenkonsumenten ist nicht gestiegen, die Szene in Frankfurt ist ungefähr so groß wie damals – nur lebt sie nicht mehr so prekär. Und die Parks gehören wieder weitgehend der nüchternen Bevölkerung.

„Drug Checking“: Akzeptanz, um helfen zu können

Was das mit „Drug-Checking“ zu tun hat? Zu akzeptieren, dass es Drogen gibt, obwohl sie verboten sind, hat dazu geführt, dass den Süchtigen geholfen werden kann. Mit den Druckräumen gibt es Orte, an denen offen über Crack und Heroin gesprochen werden kann. Drogenhelfer bekommen Zugang zu den Kranken. Den gleichen Effekt könnte das „Drug-Checking“ haben.

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Die Diskussion führen Drogenhelfer schon seit Jahrzehnten. Sie basiert auf Erfahrungen von der Straße. Heroin-Überdosen gehen oft darauf zurück, dass Konsumenten den Gehalt des Stoffs falsch einschätzen. Viele der Risiken des Konsums illegaler Drogen rühren aus der Illegalität. Der Stoff auf den Straßen kommt ohne Beipackzettel.

Trotz „Drug-Checking“: Harte Hand gegen Dealer nötig

Zu akzeptieren, dass es eine Drogenszene gibt, schließt nicht aus, hart und zielgerichtet gegen die kriminellen Strukturen dahinter vorzugehen. Der Hoffnung, dass sich Deutschlands Drogenproblem durch Verbote und Restriktionen lösen lässt, sollte sich aber niemand hingeben.

Ein ehrlicher Blick auf den Drogenmarkt zeigt: Die Szene ist komplett unreguliert, der Staat hat keinerlei Kontrolle, das Geld landet ausschließlich im kriminellen Milieu. Aus dieser Erkenntnis rühren Gedanken, den Drogenmarkt staatlich zu regulieren. Durch kluge Preissetzung könnte der Schwarzmarkt ausgetrocknet werden, das Geld könnte in wirksame Prävention fließen. Der Staat als Dealer – das wäre noch ein viel größerer Schritt als das mögliche „Drug-Checking“ in Berlin. Und würde ein weiteres Mal die Reflexe der üblichen Verdächtigen provozieren.

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Von Christian Palm/RND

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