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Panorama Drei Tiger verletzen Dompteur schwer
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20:31 09.12.2009
Von Sarah Pancur
Der Dompteur ist nach dem Tigerangriff weiterhin in lebensgefahr.
Der Dompteur ist nach dem Tigerangriff weiterhin in lebensgefahr. Quelle: ddp
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Drei Tiger haben am Dienstagabend bei einer Dinner-Zirkus-Show in Hamburg einen 28-jährigen Dompteur angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Der Tiertrainer erlitt ein offenes Schädel-Hirn-Trauma und schwere Verletzungen am Brustkorb. Bei einer Notoperation musste ihm außerdem die linke Hand amputiert werden.

Christian W. war bei seiner Dressurnummer gestolpert und auf den Rücken gefallen. Daraufhin stürzten sich nach Angaben der Feuerwehr drei der insgesamt fünf Bengalischen Tiger vor den Augen von rund 200 Zuschauern auf den am Boden liegenden Dompteur. Ob er den Angriff überlebt, ist noch unklar. Auf der Internetseite des Veranstalters heißt es, dass nach Auskunft der Ärzte des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf die gesundheitliche Situation des Tierlehrers noch immer kritisch sei. Der Unfall ereignete sich gegen 19.30 Uhr in der historischen Hagenbeckschen Dressurhalle. Die Veranstalter der Show, Stefan und Korinna Pagels, hatten die Halle seit 1999 gepachtet und nutzten sie seitdem in Eigenregie als Event-Location. Unmittelbar nach dem Angriff auf den Dompteur kamen dem Veranstalter zufolge Mitarbeiter dem 28-Jährigen zur Hilfe. Innerhalb von 30 Sekunden trennten sie die Tiger mit Stangen und Feuerlöscher von dem Mann. Zwei Ärzte aus dem Publikum versorgte den Schwerverletzten, bis der Notarzt eintraf. Auch zwei Zuschauer mussten mit schwerem Schock ins Krankenhaus.

Der Veranstalter Stefan Pagels spricht auf seiner Internetseite von einem tragischen Unfall. Durch den Sturz habe der Dompteur für einen Augenblick die Kontrolle über seine fünf Jungtiere verloren, sagte Pagels. Dies hätten die Tiere ihrer Natur entsprechend genutzt, um mit dem Tierlehrer zu spielen. „Leider ist die dünne Haut des Menschen solchen spielerischen Attacken nicht so gut gewachsen, wie es die dickere, lockere und fellgeschützte Haut eines anderen Tigers gewesen wäre“, erklärt der Veranstalter weiter.

Ursula Bauer vom Verein „Aktion Tier – Menschen für Tiere“ wertet diese Erklärung eher als Ausrede. „Wenn der Dompteur - der Chef sozusagen – auf dem Boden liegt, sehen die Tiere die Möglichkeit die Machtverhältnisse zu verschieben“, erklärt die Diplombiologin. Mit Spielen habe das nichts zu tun. Wildtiere hätten in der freien Natur hierarchische Strukturen untereinander, die sie in Gefangenschaft nicht ausleben könnten. „Ein solcher Angriff war absehbar“, sagt Bauer. Die Tierschutzorganisation fordert seit Langem ein generelles Verbot von Wildtieren in der Manege.

Bis Jahresende sollen die Aufführungen aber fortgesetzt werden, teilte der Veranstalter mit.