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Panorama Mutter verkauft ihre Kinder an Freier
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20:39 10.06.2016
Anstatt ihren Kindern Schutz und Liebe zu geben, hat eine Mutter ihre Tochter und ihren Sohn zwei Verbrechern überlassen. Das Hamburger Amtsgericht verhängt eine dreijährige Haftstrafe. Quelle: Daniel Bockwoldt
Hamburg

Das Hamburger Amtsgericht ist überzeugt davon, dass die Frau in den 90er Jahren zwei ihrer Kinder mehrfach Freiern zum sexuellen Missbrauch überlassen hat. Demnach brachte die Mutter ihre damals zehnjährige Tochter mit ihrem Vermieter zusammen, der das Kind auf ein Bett fesselte und vergewaltigte. Ihren Sohn überließ sie einem Pädophilen, den der Junge oral befriedigen musste. Die Mutter arbeitete damals selbst als Prostituierte.

Die Angeklagte bleibt regungslos

"Wir haben in Abgründe eines Familienlebens geschaut, die uns sprachlos gemacht haben", sagte Richterin Monika Schorn am Freitag, als sie das Urteil verkündete: drei Jahre Haft. Die 52 Jahre alte Angeklagte nahm die Entscheidung regungslos hin.

Die Staatsanwältin hatte drei Jahre und vier Monate gefordert, der Verteidiger acht Monate auf Bewährung. Erst vor zwei Jahren hatte die inzwischen 31 Jahre alte Tochter Anzeige erstattet. Beide Kinder waren in dem Prozess Nebenkläger. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der Vergewaltiger ist tot, der Pädophile unbekannt

Der Verteidiger deutete an, dass seine Mandantin Berufung einlegen werde. Die eigentlichen Täter, die beiden Freier, können nicht mehr bestraft werden. Der Vergewaltiger der Tochter lebt nicht mehr. Von dem Mann, der den Jungen missbrauchte, haben die Ermittler nur einen Vornamen.

Die Tochter und ihr Bruder haben ihr Leben nach sehr schweren Krisen in den Griff bekommen. Das Gericht zeigt sich tief beeindruckt von der Leistung der jungen Frau, die ihre schrecklichen Erlebnisse schon damals in einem Tagebuch festgehalten hat. "Ich habe selten eine so reflektiert und intelligent formulierende Zeugin erlebt", sagt Schorn.

Die Mutter wude selbst missbraucht

Aber die Taten haben Spuren hinterlassen. Während die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer das damalige Geschehen zusammenfasst, bricht die Nebenklägerin in Tränen aus. Ihr Bruder schaut starr geradeaus. Unmittelbar vor dem Plädoyer des Verteidigers meldet sich die Tochter zu Wort und sieht ihrer Mutter ins Gesicht: "Ich möchte sagen, dass ich ihr das verzeihe, damit ich meinen Frieden finde."

Doch auch für die Mutter, die sich in ihrem letzten Wort bei ihren beiden Kindern entschuldigt, äußert das Gericht Verständnis. Schorn hatte sie vor den Plädoyers gebeten, aus ihrem Leben zu berichten. Sie sei bei ihrer Oma aufgewachsen, und immer wenn die Großmutter nicht da war, sei sie von ihrem Opa oder zwei Onkeln missbraucht worden. Ob das für sie schlimm war, will die Anwältin des Sohnes wissen. "Normal fand ich das nicht", antwortet die ansonsten kaum Rührung zeigende Frau.

dpa/RND

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