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Panorama Drei Jahre Gefängnis für den „Jahrhundertdieb“
Mehr Welt Panorama Drei Jahre Gefängnis für den „Jahrhundertdieb“
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09:41 12.05.2010
Der verurteilte Geldtransportfahrer Toni Musulin.
Der verurteilte Geldtransportfahrer Toni Musulin. Quelle: afp
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Nach dem „Jahrhundertdiebstahl“ von 11,6 Millionen Euro hat ein französisches Gericht am Dienstagabend den Geldtransportfahrer Toni Musulin zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Strafgericht in Lyon blieb damit unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe von fünf Jahren Gefängnis. Zusätzlich zur Haft wurde Musulin zu einer Geldstrafe von 45.000 Euro verurteilt.

Der frühere Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Loomis hatte sich am 5. November mit einem Geldtransporter aus dem Staub gemacht, in dem sich 11,6 Millionen Euro befanden. Noch während er auf der Flucht war, fand die Polizei in einer gemieteten Garage bei Lyon 9,1 Millionen Euro. Nach elf Tagen stellte sich Musulin schließlich in Monaco. Bis heute sind 2,5 Millionen Euro aus der Beute unauffindbar. Vor Gericht versicherte der 39-Jährige, über den Verbleib nichts zu wissen. Die Ermittler vermuten hingegen, dass er das Geld für die Zeit nach seiner Haft versteckt hat.

Musulins Anwalt Hervé Banbanaste zeigte sich mit dem Urteil zufrieden. Es erscheine ihm als „angemessen und gerecht“, sagte er. Er lobte das Gericht, dass sich von dem Medienrummel nicht habe beeinflussen lassen. Der Anwalt kündigte an, dass sein Mandant das Urteil annehmen werde, „auch wenn er sicherlich noch einige Nächte darüber schlafen“ müsse. Im Urteil enthalten ist zudem eine Strafe für versuchten Versicherungsbetrug. Musulin hatte im vergangenen Jahr einen Ferrari als gestohlen gemeldet. Es gab jedoch Hinweise darauf, dass er ihn stattdessen ins Ausland brachte.

Der „Jahrhundertdiebstahl“ hatte Musulin über Nacht berühmt gemacht. Im Internet wurde er von einer Fan-Gemeinde für seinen gewaltlosen Coup als Held gefeiert. Geschäftsleute bedruckten T-Shirts mit seinem Konterfei, im Gefängnis bekam er reihenweise Heiratsanträge. Musulin selbst konnte mit dem Rummel offensichtlich nichts anfangen. Er sei „kein Robin Hood“, sagte er während seines Prozesses. Er sei ganz „normal“.

afp