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Panorama Dortmunder Erpresser ist „gefährlicher Psychopath“
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15:22 01.04.2011
Hinter dem Absperrband hat das Bundeskriminalamt in der Nacht zu Donnerstag drei Sprengsätze gefunden.
Hinter dem Absperrband hat das Bundeskriminalamt in der Nacht zu Donnerstag drei Sprengsätze gefunden. Quelle: dpa
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Der 25-Jährige, der wegen eines möglichen Anschlags auf das Dortmunder Fußballstadion festgenommen wurde, ist nach Experten-Einschätzung wohl ein gefährlicher Psychopath. „Wir müssen von einem unberechenbaren und brandgefährlichen Menschen ausgehen (...)“, sagte der Psychotherapeut und Traumatologe Christian Lüdke am Freitag in einem dpa-Gespräch. „Egal, ob die gefundenen Sprengsätze echt sind oder sich als Attrappen erweisen sollte: Man muss so einen Fall immer ernst nehmen. Es ist hohe kriminelle Energie im Spiel.“

Lüdke, als Therapeut auf Fälle von Gewalt und Kriminalität spezialisiert, betonte: „Es geht dem Täter darum, Angst und Schrecken zu verbreiten und Machtgefühle zu erleben.“ Es handele sich bei dem mutmaßlichen Erpresser sicherlich um einen „real gefährlichen“ Menschen, der trotz seines noch recht jungen Alters offenbar schon einmal auffällig geworden sei. Damit meinte der Fachmann Hinweise, dass der Mann vor einem Jahr versucht haben soll, ein Unternehmen zu erpressen.

„Der logistische Aufwand und der hohe Planungsaufwand, die er betrieben hat, zeigen, dass er ein alltagstauglicher Mensch ist und kein Dummer.“ Er sei wohl auch nicht als psychisch Kranker - im Sinne von unzurechnungsfähig - einzustufen. Der Verdächtige hatte in der Nähe der Dortmunder Arena laut Bundeskriminalamt mehrere Sprengsätze versteckt. In seiner Wohnung in Krefeld entdeckte die Polizei Chemikalien und sprengstoffverdächtige Gegenstände.

„Psychopathen sind anti-soziale Menschen, die keine Gefühle kennen und keine Gefühle haben“, sagte der Psychotherapeut. Das treffe auch auf Menschen zu, die Angstreaktionen erzeugen wollten - auch um sich selbst damit zu erhöhen. Die Wissenschaft gehe in solchen Fällen zu mehr als 90 Prozent von Einzeltätern aus.

„Sein familiärer Hintergrund deutet darauf hin, dass er nicht materiell verwahrlost war“, meinte Lüdke. Es sei aber nicht auszuschließen, dass der 25-Jährige „emotional verwahrlost“ sei. „Psychopathen handeln oft nach dem inneren Drehbuch: Wenn ich nicht geliebt werde, dann werde ich wenigstens gehasst - und damit endlich wahrgenommen.“ Der Mann hatte die Ermittler selbst auf seine Spur gebracht.

dpa