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Panorama Doppelmord in Bodenfelde schockt Niedersachsen
Mehr Welt Panorama Doppelmord in Bodenfelde schockt Niedersachsen
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01:37 23.11.2010
Jugendliche zünden am Montagabend in Bodenfelde Kerzen zum Gedenken an die zwei ermordeten Kinder an.
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Die beiden im niedersächsischen Bodenfelde ermordeten Kinder Nina und Tobias sind möglicherweise Opfer eines Sexualstraftäters geworden. „Die am Sonntagnachmittag gefundenen Leichname waren nur teilweise bekleidet“, sagte Andreas Borchert, Chef der Kriminalpolizei in Northeim, am Montag. Weitere Indizien für eine Sexualstraftat gibt es allerdings bisher nicht. Die Kinder wurden laut Göttinger Staatsanwaltschaft in der Nacht zum Sonntag ermordet.

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Genaueres zum Todeszeitpunkt soll heute nach einer Obduktion in der Göttinger Rechtsmedizin bekannt werden. Berichte, wonach die 14-jährige Nina und der 13-jährige Tobias vom Mörder furchtbar zugerichtet wurden, bestätigte Oberstaatsanwalt Hans-Hugo Heimgärtner gestern nicht. Nach Angaben von Freunden und Verwandten der Mutter von Tobias, die bei der Suche nach ihm halfen und ihn tot am Mühlenbach im Ort fanden, hätten die „Leichen starke Verletzungen gehabt – vor allem am Kopf“. Ob Tatort und Fundort – Ninas Leiche lag nur wenige Meter vom leblosen Körper des Jungen entfernt– identisch sind, ist ebenfalls noch unklar.

Beide Kinder besuchten die Heinrich-Roth-Gesamtschule in Bodenfelde, waren aber offenbar nicht näher bekannt. Nina war nach den Worten von Hartmut Reinecke, dem Leiter der am Sonntag gebildeten 23-köpfigen Mordkommission, bereits am Montag vergangener Woche von zu Hause ausgerissen, in den folgenden Tagen von Mitschülern aber noch mehrfach in Bodenfelde gesehen worden. Wo sie sich in der Zeit aufhielt, weiß die Polizei noch nicht. Tobias wollte am Sonnabend gegen 20 Uhr einen Freund zum Bodenfelder Bahnhof bringen; kehrte aber von dort nicht zurück. Gegen 1 Uhr nachts meldete ihn seine Mutter als vermisst.

Die Polizei durchkämmte gestern ein am Mühlenbach gelegenes Waldgebiet nach Spuren. Aus der Bevölkerung gingen bisher etwa 30 Hinweise ein, so die Polizei. Ein Zeuge gab an, dass Nina aus einem dunklen Auto heraus angesprochen wurde. Ein Zusammenhang mit dem vermissten Jungen Mirko aus NRW, bei dem ein dunkler VW Passat eine Rolle spielen soll, wird daher nicht ausgeschlossen. Die Landeschulbehörde schickte drei Psychologen in den Ort. Etwa 500 Schüler gedachten am Montag in einem Gottesdienst der Mordopfer.

Letzte Lebenszeichen von Nina und Tobias

Montag, 15. November, nachmittags: 
Die Schule ist aus, Nina kommt nach Hause. Dort bleibt sie aber nicht lange: Nach einem Streit mit ihren Eltern reißt sie von zu Hause aus. Es ist nicht das erste Mal, dass die 14-jährige Schülerin von zu Hause abhaut.

Dienstag, 16. November: Nina ist immer noch nicht heimgekehrt, ihre Eltern geben eine Vermisstenanzeige auf. Die Polizeiinspektion Northeim/Osterode nimmt die Ermittlungen auf. Grund zu großer Sorge um das Wohlergehen des Mädchens sehen die Beamten nicht: In den nächsten Tagen wird Nina immer wieder von Mitschülern im Ort gesehen. Nahezu täglich gehen Hinweise über die Aufenthaltsorte des Mädchens bei der Polizei ein – zumindest über die Orte, an denen sich Nina tagsüber aufhält. Wo sie die Nächte verbringt, wissen die Beamten nicht.

Sonnabend, 20. November, nachmittags: Noch in den Vormittagsstunden wollen Zeugen die auffällig gekleidete Nina – getrennt von Tobias – in Bodenfelde gesehen haben, am Nachmittag reißt jedoch die über die vergangenen Tage mehr oder weniger nachzuverfolgende Spur des Mädchens ab.

Sonnabend, 20. November, gegen 20 Uhr: Tobias zieht sich seine blau-weißen Rollerblades an, bringt einen Freund noch zum Bahnhof und verabschiedet ihn dort. Seine Mutter erwartet ihn zum Abendbrot, aber der 13-Jährige kommt nicht nach Hause. Es ist nicht die Art des Jungen, ohne Ankündigung länger von zu Hause fortzubleiben. Also macht sich seine Mutter auf die Suche nach ihrem Kind – ohne Erfolg. Noch am selben Abend schaltet Tobias’ Mutter die Polizei ein. Auch die Beamten suchen nach Tobias, auch ihre Suche verläuft erfolglos.

Sonntag, 21. November, vormittags: Die ganze Nacht über gab es von Tobias keine Spur. Seine Familie will die Suche nach dem Jungen nicht allein der Polizei überlassen. Verwandte und Freunde schließen sich zu einem Suchtrupp zusammen und durchkämmen den Ort.

Sonntag, 21. November, nachmittags: In der Nähe des Bodenfelder Friedhofs, am Mühlenbach, findet die Mutter von Tobias ihren toten, grausam zugerichteten Sohn. Kurz darauf treffen die Ermittler am Fundort der ersten Leiche ein. Sie sind entsetzt: Nur wenige Meter entfernt von Tobias finden sie auch den Leichnam der vermissten Nina. Sie sperren den Fundort der Leichen weiträumig ab. Die Ermittlungen dauern an.

Dirk Schmaler und Alexander Dahl