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Panorama Doppelmörder von Bodenfelde war schon als Kind aggressiv
Mehr Welt Panorama Doppelmörder von Bodenfelde war schon als Kind aggressiv
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14:46 13.05.2011
Nach dem Mord erinnerten Kerzen in Bodenfelde an die zwei getöten Jugendlichen. Quelle: Rainer Dröse
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Der mutmaßliche Doppelmörder von Bodenfelde ist schon als Kind und Jugendlicher aggressiv gewesen. Das hat seine Mutter am Freitag als Zeugin im Landgericht Göttingen ausgesagt. „Ein falsches Wort und er ist ausgerastet“, sagte sie. Der 26-Jährige Jan O. hat zugegeben, im November vergangenen Jahres in Bodenfelde an der Weser zwei Teenager grausam getötet zu haben, den 13 Jahre alten Tobias und die 14-Jährige Nina.

Seine Mutter sagte, ihr Sohn habe früher viel einstecken müssen. Er sei in einer zerrütteten Familie aufgewachsen und habe diverse Schulwechsel und Heimaufenthalte hinter sich, berichtete die 47-Jährige, die sich selbst als psychisch krank bezeichnete. Als Mutter sei sie mit dem Jungen überfordert gewesen. Sie habe ihn geschlagen und ihm nie zur Seite gestanden. Vom Vater sei Jan O. gedemütigt worden.

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Ihr Sohn hätte es bestimmt besser gehabt, wenn sie nach der Geburt dem Willen ihres Ex-Mannes gefolgt wäre und das Kind zur Adoption freigegeben hätte, sagte die 47-Jährige, eine sichtlich vom Leben gezeichnete Frau.

Als sie am Freitag den Gerichtssaal betrat, suchte sie den Blick ihres Sohnes, er jedoch schaute nicht auf. Die dunkelhaarige 47-Jährige, gekleidet in Jeans und Turnschuh, wirkte bei ihrer Aussage so, als stünde sie unter dem Einfluss von starken Beruhigungsmitteln. Jan O. kommentierte die Erklärungsversuche seiner Mutter mit leisen Worten in Richtung seines Verteidigers. Nach der Zeugenaussage lagen sich Mutter und Sohn dann lange in den Armen.

Nach der Schilderung der Frau musste der heute 26-Jährige wegen seiner Aggressivität bereits den Kindergarten verlassen. Die Grund- und die Sonderschule habe er häufig geschwänzt.

Bei der ersten Trennung der Eltern war Jan O. acht Jahre alt, danach lebte er jahrelang im Heim. Als die Familie vorübergehend versucht habe, wieder zusammenzuleben, habe ihr Sohn sich mit dem Vater geprügelt, der ihn für Hilfsarbeiten auf dem Bau ausgenutzt habe.

Oft habe Jan auch „absichtlich Scheiße gebaut“, weil er seinen Vater hasse. Einmal habe er dessen Auto mit voll Karacho gegen die Garage eines Nachbarn gefahren, berichtete die Mutter. Als er dann irgendwann angefangen habe, Alkohol zu trinken, sei alles noch schlimmer geworden.

Einige Zeit nach der Geburt eines kleinen Bruders habe der Vater den Jungen dann rausgeschmissen - damals war er 16 Jahre alt. Für Jan O. folgte eine Jugendhilfemaßnahme in Griechenland, die er aber abbrach.

Am Dienstag soll der Angeklagte, der bisher nur ein schriftliches Geständnis abgelegt hat, zu seinen Taten aussagen. Er hat nach Angaben einer Gerichtssprecherin angekündigt, dies aber nur dann zu tun, wenn die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen wird.

dpa

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