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Panorama Dioxin-Skandal weitet sich aus
Mehr Welt Panorama Dioxin-Skandal weitet sich aus
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21:22 06.04.2012
Foto: Woher stammt das Dioxin? Auch glückliche Hühner können ungesunde Eier legen.
Woher stammt das Dioxin? Auch glückliche Hühner können ungesunde Eier legen. Quelle: dpa
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Düsseldorf

Betroffen sind ein Kinder- und Lernbauernhof der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sowie ein Biohof. Die Ursache ist unklar.

Zwei Tage zuvor waren erhöhte Werte dioxinähnlicher PCB (polychlorierte Biphenyle) in einem größeren Betrieb in Ostwestfalen-Lippe ermittelt worden. Eier des Hofs mit 25.000 Legehennen hatten eine bis zu sechsmal über dem Grenzwert liegende Konzentration von PCB aufgewiesen. Einen Zusammenhang zu den Duisburger Fällen sehen die Experten nicht.

In Duisburg lagen die Messergebnisse der Stadtverwaltung offenbar zwei Wochen lang vor – aber der vorösterliche Verkauf ging weiter, bis das Land einschritt. Im nordrhein-westfälischen Umweltministerium hat man dafür wenig Verständnis: „Die Betriebe hätten schon am 20. März gesperrt werden müssen. Die Stadt hat aber nur weitere Proben veranlasst“, sagte ein Ministeriumssprecher. Die städtischen Mitarbeiter hätten die Werte als „nicht besorgniserregend“ eingestuft und die Ergebnisse der Kontrollproben abwarten wollen, entgegnete ein Sprecher des Duisburger Rathauses. Über die Höhe der gemessenen Werte gingen die Angaben auseinander. Während das Land beim AWO-Hof mit zehn Pikogramm (Billionstel Gramm) eine vierfache Überschreitung des Grenzwerts von 2,5 Pikogramm sieht, ist bei der Stadt nur von einer doppelt so hohen Belastung von 5,3 Pikogramm die Rede.

Kritik kam vom Deutschen Bauernverband: „Es kann nicht sein, dass die Öffentlichkeit erst informiert wird, wenn die Eier alle aufgegessen sind“, sagte Verbandssprecher Johannes Funke. Der vom Bundeslandwirtschaftsministerium ins Leben gerufene Zehn-Punkte-Plan zur Bewältigung solcher Situationen greife offenbar nicht. Erst vor gut einem Jahr hatte ein Dioxin-Ei-Skandal bundesweit für Wirbel gesorgt. Über 1000 Höfe waren gesperrt und Tausende Tiere getötet worden. Damals stammte das Dioxin aus belastetem Futtermittel.
Verbraucher und Handel sollten Eier mit der Stempelnummer 0-DE-0521041 nun schnellstmöglich entsorgen, hieß es. Die Eier des einen Duisburger Direktvermarkters mit 120 Biohennen tragen die Stempelnummer 0-DE-0521991. Die konventionellen Eier vom AWO-Hof mit 150 Legehennen tragen keine Stempelnummer, jedoch den Namen des Betriebs: „AWO Ingenhammshof“.

Für Niedersachsen gibt es unterdessen Entwarnung: Wie das Gesundheitsministerium in Hannover mitteilte, sind keine möglicherweise belasteten Eier aus den betroffenen Betrieben in Nordrhein-Westfalen an niedersächsische Verbraucher gelangt. Auch die Ergebnisse der Futtermittelproben seien unauffällig. Sowohl der Betrieb in Ostwestfalen-Lippe als auch der Biohof waren mit Futter aus niedersächsischer Produktion beliefert worden.

Frank Christiansen

Gabriele Schulte 06.04.2012
06.04.2012