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Panorama Die spinnen, die Gallier
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20:09 23.10.2009
Von Imre Grimm
Museum des Größenwahns: Das Asterix-Jubiläumsheft zum 50. Geburtstag.
Museum des Größenwahns: Das Asterix-Jubiläumsheft zum 50. Geburtstag. Quelle: afp
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Wir befinden uns im Jahr 2009 nach Christus. Ganz Gallien wünscht sich mal wieder ein spritziges, lustiges, kluges Axterix-Abenteuer. Ganz Gallien? Nein! Ein von einer unbeugsamen Zeichnerlegende beherrschtes Zeichenstudio in Paris hört nicht auf, dem Publikum Widerstand zu leisten.

Der neue „Asterix“ ist da. Der Verlag Egmont Ehapa pflegt ein solches Ereignis stets zum globalen „Event“ hochzujazzen – nichts durfte durchsickern, was selten ein gutes Vorzeichen ist. Und tatsächlich: Band 34 beginnt mit einem schwülstigen Vorwort von Anne Goscinny, Tochter des schmerzlich vermissten Autors René Goscinny, in dem es ernsthaft heißt: „Asterix, in meinen Adern fließt deine Tinte, in deinen Adern fließt mein Blut. So wie ich hast auch du weitergelebt. So wie Orpheus, der sich nicht seinem Schicksal beugen wollte.“ Was hat solches Pathosgedonner noch mit unserem kleinen, selbstlosen Gallier zu tun?

Und das ist schon das ganze Problem dieses Jubiläumsjubelheftes: Es will zum fünfzigsten Geburtstag von Asterix und Obelix das ganz große Rad drehen und verhebt sich dabei völlig. Zu sehen ist alles, was der inzwischen 82-jährige Albert Uderzo und sein Team im Verlag „Les Editions Albert René“ noch irgendwo im Schrank hatten: Da wird – im Stile von Disneys Carl Barks – wild die Kunstgeschichte zitiert, von der Mona Lisa bis zu Manet, von Delacroix bis Rodin, gefolgt von der Popgeschichte inklusive „Abbey Road“ bis – jawohl – „Gallien sucht den Superbarden“. Dazwischen gibt’s einen wilden Stilmix aus Pseudo-Zeitungen („Gallische Revue – Asterix heiratet!“), Briefmarkenentwürfen, Reiseführern und Skizzen à la Leonardo da Vinci. Der neue „Asterix“, Uderzos zehnter Soloband, ist ein Museum des Größenwahns, ein mühsam zusammengeflicktes Zeugnis der Ideenlosigkeit. Immerhin kommen diesmal keine Aliens vor. Dafür muss man schon dankbar sein.

Obelix muss sich als Graffitti-Sprayer verkleiden und Asterix als Marsupilami, und schon auf Seite 8 hat sich Uderzo selbst in die dürre Geschichte hineingezeichnet und wird – das immerhin – ordentlich verprügelt. Die „Story“ ist schnell erzählt: Zum Geburtstag versammeln sich sämtliche Helden der bisherigen 33 Hefte im kleinen, gallischen Dorf, um ein Geschenk für die beiden Protagonisten zu ersinnen. Das ist schon alles. Kulturkritik aus der Hüfte? Sanfter Tadel des bildungshubernden Spießbürgers? Kleine, feine Anspielungen? Charme und Witz? Nichts davon. Stumpf ist Trumpf. Es ist – wieder einmal – ein Trauerspiel.

Goscinny ist im November 1977 gestorben, 24 wunderbare Hefte tragen seine Handschrift. Nun aber, im fünfzigsten Jahr, sollte Uderzo Asterix leise sterben lassen. „Asterix ist ein mit Bleistift gezeichneter kleiner Kerl, den man wegradieren kann“, hat Goscinny einmal gesagt. „Das ist alles.“ Exakt dieses Understatement ist es, was fehlt. „Es macht mich traurig, meinen alten Gefährten so niedergeschlagen zu sehen“, sagt Asterix im neuen Heft zu Obelix. Genau so ist es. Man wünscht sich einen explodierenden korsischen Käse, um weitere Bände zu verhindern, so lange die Marke noch nicht tot ist. Es wird wohl dennoch weitergehen, Asterix ist ein Millionengeschäft. Die Brüder Fréderic und Thierry Mébarki, die Uderzo in Sachen „Asterix“ bereits einige Male am Zeichentisch unterstützt haben, sollen den Staffelstab übernehmen und di Reihe fortsetzen. Sie seien „sehr begabt“, hat Uderzo über seine Kronprinzen gesagt. Gemessen an ihrem bisherigen Wirken muss man das Schlimmste befürchten.