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Panorama Die Frau schlechthin: Brigitte Bardot feiert 75. Geburtstag
Mehr Welt Panorama Die Frau schlechthin: Brigitte Bardot feiert 75. Geburtstag
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18:23 25.09.2009
Im Museum in Boulogne-Billancourt werden Videos des französischen Stars Brigitte Bardot gezeigt.
Im Museum in Boulogne-Billancourt werden Videos des französischen Stars Brigitte Bardot gezeigt. Quelle: afp
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Am Montag kommen sie noch einmal zusammen, die ganz Großen des französischen Kinos. In der Pariser Vorstadt Boulogne-Billancourt haben sie sich verabredet: zwei Männer und eine Frau, Jean-Paul Belmondo und Alain Delon, in Ehren ergraut, und Brigitte Bardot, skandalumwoben wie eh und je. Im kleinen Kreis werden Belmondo und Delon die noch immer Unbotmäßige hochleben lassen, die ihren 75. Geburtstag feiert und tags darauf eine ihr gewidmete Ausstellung eröffnet.

Zwei Altersweise und eine Wilde – ob das gut geht? Aber Bardot ist eben Bardot. Zeitlebens hat sich die Tochter aus gutbürgerlichem Hause um Anstand und Moral nicht geschert. Anfangs wurde sie dafür vergöttert. In den fünfziger und sechziger Jahren war das, als die Schauspielerin die Freiheit der Frau nicht nur forderte, sondern auch vorlebte, auch die sexuelle Freiheit.

Die Namen der frühen Bardot-Filme waren Programm. „Und immer lockt das Weib“ heißt einer, „Und Gott schuf die Frau“ ein anderer. Die schöne Blonde erklimmt darin einen Tisch, verzieht den Schmollmund, schwenkt die Hüften, dämonisch provozierend und engelhaft natürlich zugleich. In Jean-Luc Godards „Die Verachtung“ zieht sie sich im Licht einer Neonreklame aus, geht dann noch weiter. Von Kopf bis Fuß zählt sie die eigenen Reize auf, hält nach jedem Körperteil inne, fragt nach, ob der Mann an ihrer Seite, Michel Piccoli, es auch liebt. Mund? Brustwarzen? Hintern? Schenkel? Füße? Ja, ja, ja, ja, ja.

Den Zuschauern verschlug es den Atem, und sie sollten ihn so schnell nicht wiederfinden. Sexsymbol, Diva, Königin, Göttin – BB war den Männern alles. Und die Frauen eiferten ihr nach, machten alles mit. Sie kauften BB-Klamotten, BB-Accessoires. Ohne dass sie es darauf angelegt hätte, avancierte die Französin zur Trendsetterin. Und hätte es den Begriff damals schon gegeben, sie wäre wohl auch noch als Multimediastar gefeiert worden. Brigitte Bardot war alles und überall: Sie sang, machte Plattenaufnahmen, trat im Fernsehen auf, schmückte als Covergirl die Titelseiten der Magazine.

Dann fiel der Vorhang. Wie in ihren Liebesaffären, ihren vier Ehen, zog die 39-Jährige den Schlussstrich, bevor es andere tun würden, bevor sie selbst die Verlassene wäre. 1973 sagte sie dem Kino nach 48 Filmen Adieu. Noch hatte das Alter auf dem makellosen Körper keine Spuren hinterlassen, noch hatte das Kinopublikum BB nicht den Rücken gekehrt. Aber sie ahnte, es würde kommen.

Mit der gleichen Kompromisslosigkeit wandte sie sich fortan dem Tierschutz zu. Sie hatte in Kanada gesehen, wie Robbenbabys bei lebendigem Leib das Fell abgezogen wurde. Die Französin gründete eine Stiftung für Tiere, verkämpfte sich für das Leben der Robben, kaufte Stiere von der Schlachtbank frei, nahm streunende Hunde auf. Und wieder ging Bardot zu weit. Nur dass sie diesmal darüber ins gesellschaftliche Abseits geriet, nicht Faszination, sondern Fassungslosigkeit auslöste.

Entsetzt über islamische Schlachtriten, ließ sich die Tierschützerin zu rassistischen Bemerkungen über Muslime hinreißen. Menschenverachtende Auslassungen über Homosexuelle und Obdachlose folgten. Mehrmals musste sie vor dem Strafrichter erscheinen. Jedes Mal wurde sie verurteilt.

Jean-Paul Belmondo und Alain Delon kommen trotzdem zum Geburtstag. Sie werden die ewig Aufbegehrende feiern, die ewig Provozierende. Die politischen Verirrungen der Frau, die wegen Hüftproblemen heute nur noch an Krücken gehen kann, dürften in den nächsten Tagen kaum zur Sprache kommen. Um die Hommage an eine Ikone geht es dann, um die Huldigung an BB also, die Frau schlechthin.

von Axel Veiel