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Panorama Deutsche sind so optimistisch wie seit zehn Jahren nicht mehr
Mehr Welt Panorama Deutsche sind so optimistisch wie seit zehn Jahren nicht mehr
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16:19 08.09.2011
Das Geld, das Gemüse: Kaum etwas scheint sicher. Trotzdem sind die Deutschen so optimistisch wie seit zehn Jahren nicht mehr. Quelle: dpa
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Berlin

„German Angst“, ein Land der Angsthasen - das war einmal? Tatsache ist zumindest: Obwohl die Euro-Krise derzeit vielen Deutschen Kopfzerbrechen bereitet, sinkt das allgemeine Angstniveau - und zwar erstmals seit 1994, wie die jüngste Umfrage „Die Ängste der Deutschen“ zeigt. Das gilt vor allem bei Wirtschaftsthemen.

Seit 21 Jahren stellt die R+V-Versicherung jeden Sommer je 2500 Befragten gleiche Fragen. Und das am Donnerstag vorgestellte Ergebnis überrascht. „Das ist sensationell, was wir hier beobachten“, urteilte Prof. Manfred Schmidt, Politologe an der Universität Heidelberg.

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Vor allem die Angst vor Arbeitslosigkeit ist demnach in Deutschland so gering wie nie zuvor. Und auch die Sorge vor einem Wirtschaftsabschwung geht zurück.

„Besonders optimistisch blicken die Deutschen in diesem Jahr auf die eigene Wirtschaftslage - ein Thema, das die Bundesbürger sonst mit großer Sorge betrachten“, sagt Schmidt. Er führt den Rückgang der Ängste vor allem auf ein erfolgreiches Krisenmanagement 2008/9 und den darauffolgenden Wirtschaftsaufschwung zurück.

Die steigenden Lebenshaltungskosten bereiten hingegen vielen Menschen weiterhin Kopfzerbrechen - vor allem im Osten Deutschlands. „Hier kommen zwei Hauptsorgen zusammen: eine tiefliegende Inflationsangst, auch wenn die Inflationsrate tatsächlich gar nicht so hoch ist. Außerdem merken die Menschen, dass das verfügbare Einkommen nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung Schritt hält“, so Schmidt.

Auch die verbreitete Sorge um die Euro-Schulden-Krise, die in diesem Jahr einmalig abgefragt wurde, sei keine irreale Angst: „Die Befürchtung, dass Deutschland sehr viel bezahlen muss, ist ja berechtigt.“

Zwei persönliche Ängste machen den Deutschen nach wie vor besonders zu schaffen: die Sorge, im Alter zum Pflegefall zu werden (Platz 3), und die Angst vor schwerer Erkrankung (Platz 6). Auch hier haben die Menschen in Ostdeutschland stärkere Bedenken. „Ansonsten gleichen sich die Ergebnisse von Ost und West aber immer weiter an“, berichtet Rita Jakli, Leiterin des R+V-Infocenters.

In den Fokus rücken zudem die umwelt- und energiepolitischen Themen. „Sie haben in Deutschland Konjunktur. Dazu gehört für die Mehrheit der Deutschen auch eine kritische Sicht auf die Atomenergie“, bestätigte Schmidt.

Als Langfristtrend hat sich auch die Terrorangst herausgestellt. Seit dem Anschlag in New York 2001 haben sich die Werte in etwa verdoppelt. Und sie sinken trotz eines aktuellen Rückgangs im Schnitt kaum noch unter 50 Prozent - vor 9/11 lagen sie im Schnitt bei rund 25 Prozent.

„Die Globalisierung hat auch den Sorgenhaushalt der Bevölkerung erreicht“, erläutert Schmidt. Ein Grund dafür: „Die Medien berichten viel und dauerhaft. Das Thema bleibt in den Köpfen präsent. Im Verhältnis zur tatsächliche Sicherheitslage ist der Zuwachs aber erhöht.“

Erneut, wenn auch auf niedrigerem Niveau als im Vorjahr, äußern die Deutschen Politikverdrossenheit. Mehr als die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass die Politiker schlicht überfordert sind. Sie verteilten Schulnoten von im Schnitt 4,3. „Hier sind die Befragten genauso streng wie bei der Beurteilung von Fußballspielern der Bundesliga“, sagt Politologe Schmidt.

dpa

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