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Panorama Der Tod lauerte im minus 25 Grad kalten „Metall-Sarg“
Mehr Welt Panorama Der Tod lauerte im minus 25 Grad kalten „Metall-Sarg“
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16:47 24.10.2019
Blumensträuße liegen am Waterglade Industriepark, wo 39 Leichen in einem Lastwagenanhänger gefunden wurden. Quelle: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa
Grays

Maurice Robinson, so soll er später einem Freund erzählen, erledigte noch Papierkram, bevor er die Tür seines Lkw-Containers öffnete, hinter der der 25-Jährige angeblich Kekse und Pilze aus Irland vermutete. Stattdessen fand der Brite 31 Männer und acht Frauen, die übereinanderlagen, vermutlich erfroren in dem bis zu minus 25 Grad Celcius kalten „Metall-Sarg“, wie Medien den schalldichten Anhänger nannten. Ein Entrinnen gab es für die 39 Menschen nicht. Sie stammen allesamt aus China. Zunächst hieß es, dass auch ein Teenager unter den Toten sei. Laut Behörden wurde jedoch eine junge Frau erst irrtümlich für einen Jugendlichen gehalten.

Wer sind die Toten? Wurden sie Opfer einer Gruppe der Organisierten Kriminalität? Sollten sie von Menschenschmugglern als Sklaven ins Königreich gebracht werden? Gehandelt und verkauft von Gangs, um in Restaurants oder Bordellen zu schuften? Noch ist wenig über die Hintergründe der Tragödie bekannt, aber die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben in alle Richtungen. Und sprach von einer „langwierigen Untersuchung“. Die Identifizierung der Opfer habe oberste Priorität. Es sei „absolut unerlässlich, dass die Ermittlungen mit dem größten Respekt für die 39 Menschen geführt werden, die ihr Leben verloren haben“, sagte die stellvertretende Polizeichefin von Essex, Pippa Mills. Am Fundort, wo Ermittler auch gestern möglichen Spuren nachgingen, haben Menschen Blumen vor die Absperrbänder abgelegt.

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„Er war absolut entsetzt“

Bekannt ist mittlerweile nur der letzte Abschnitt der langen Reise aus China auf die Insel. Diese führte die 39 Menschen vom belgischen Hafen Zeebrugge aus per Schiff ins britische Purfleet, wo der Sattelauflieger am Mittwoch um halb eins in den frühen Morgenstunden ankam. Seit wann sich die Chinesen in dem Lastzug befanden, muss noch geklärt werden. Der 25-jährige Robinson holte den Anhänger mit seinem Lkw ab und führte ihn in den nur wenige Fahrminuten entfernten Industriepark in Grays in der Grafschaft Essex, ein beliebter Übernachtungsort für Fahrer. Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigen den Lastwagen mit dem bulgarischen Kennzeichen im Gewerbegebiet um 1.10 Uhr. Kurz darauf öffnet Robinson, den alle nur Mo nennen, die Tür, sieht die Leichen – und wählt dann den Notruf.

Die kurz darauf eintreffenden Rettungskräfte können nichts mehr tun. „Er war absolut entsetzt“, wird ein enger Freund von Robertson in britischen Medien zitiert. Der Nordire wurde festgenommen, er steht unter Mordverdacht. Unklar ist, ob er von seiner Fracht wusste und die Leichen zufällig entdeckte. Oder, wie der Freund von ihm versicherte, sich seiner Ladung nicht bewusst war. Er stamme aus der „nettesten Familie, die man sich vorstellen kann“. Die Polizei führte gestern in Nordirland im Umfeld von Robinson, dessen Partnerin Zwillinge erwartet, mehrere Durchsuchungen durch.

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39 Tote in Lkw-Container in Großbritannien entdeckt

Tragödie erinnert an Fall aus dem Jahr 2000

Laut bulgarischen Behörden wurde der Lkw im Jahr 2017 in der Hafenstadt Varna registriert. Bulgariens Regierungschef Bojko Borissow gab bekannt, dass das Fahrzeug wenige Tage nach der Registrierung das Land verließ und seitdem nicht mehr zurückkehrte.

Großbritannien wird mit dieser Tragödie an einen Fall aus dem Jahr 2000 erinnert, bei dem ebenfalls Chinesen ins Königreich geschmuggelt werden sollten. Zollbeamte am Hafen von Dover kontrollierten einen vorgeblich mit Tomaten beladenen Kühlcontainer – und entdeckten stattdessen die Leichen von 58 Menschen, alle waren qualvoll erstickt. Den Opfern war die Luft ausgegangen, da hatten sie nach wochenlanger Reise bereits britischen Boden erreicht. Zwei junge Männer konnten gerade noch lebend gerettet werden.

Großbritannien: Tote im Lkw-Anhänger kommen aus China

Seit einigen Jahren und insbesondere seit der Flüchtlingskrise in Europa wurden die Kontrollen in den Kanalhäfen verschärft und vor allem in Dover wurden die Sicherheitsmaßnahmen – in Zusammenarbeit mit den französischen Behörden – verstärkt. Trotzdem versuchen nach wie vor zahlreiche Migranten regelmäßig auf die andere Seite des Ärmelkanals in ihr Sehnsuchtsland Großbritannien zu gelangen, indem sie auf Lkw aufspringen, sich unter die Lastzüge klammern oder versuchen, in die Container einzudringen. Immer wieder kamen Menschen bei solchen gefährlichen Manövern ums Leben. Weil die Kontrollen der französischen Behörden in Calais strenger wurden, versuchen viele Schleuser den Weg nach Großbritannien via Belgien. Kleinere Häfen seien zudem anfällig, warnten Experten gestern.

Von Katrin Pribyl/RND

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