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Panorama Debatten um Polizeigewalt: US-Behörden kämpfen mit Nachwuchsproblemen
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08:35 13.06.2021
Menschen nehmen an einer Kundgebung zum ersten Jahrestag von George Floyds Tod im Cadman Plaza Park teil. Floyds Tod am 25. Mai 2020 in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota hatte in den USA über Monate hinweg Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst.
Menschen nehmen an einer Kundgebung zum ersten Jahrestag von George Floyds Tod im Cadman Plaza Park teil. Floyds Tod am 25. Mai 2020 in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota hatte in den USA über Monate hinweg Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst. Quelle: Wang Ying/XinHua/dpa
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New York

Zahlreiche Polizeibehörden in den USA haben neben Massenprotesten, Forderungen nach einer Polizeireform und der Corona-Pandemie mit einem weiteren Problem zu kämpfen: einer Pensionierungswelle. In einigen Behörden stieg die Pensionierungsrate im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent, wie aus Daten eines nationalen, polizeilichen Forschungsforums hervorgeht. Gleichzeitig sank die Zahl der Neueinstellungen um fünf Prozent.

Während auf der einen Seite viele in Rente gehen, will die Politik gleichzeitig vielerorts die Polizeiarbeit zeitgemäßer gestalten. Vermehrt werden andere Arbeitskräfte gesucht als bisher. Während in den Jahren zuvor noch ein Fokus auf der Muskelkraft der Anwärter lag, setzen Polizeibehörden nun auf Kandidaten mit Köpfchen. Außerdem sollen sie die Bevölkerung repräsentieren.

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Atlantas Polizeichef: Köpfchen statt körperlicher Stärke gefragt

Die Tage, in denen körperliche Stärke gefragt war, seien vorbei, sagt auch Rodney Bryant, der Polizeichef von Atlanta. Heutzutage sei man stattdessen auf der Suche nach Personen, die einen Bezug zur Bevölkerung haben und verstehen wie die Leute denken.

Doch nach Angaben von Chuck Wexler, dem Vorsitzenden des „Police Executive Research Forum“ führt die aktuelle personelle Lage in Verbindung mit steigenden Kriminalitätsraten in manchen Städten zu einer „brandgefährlichen Mischung“. Für Polizeichefs zeichne sich mit dem Blick auf die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen insbesondere in Zeiten von zunehmenden Morden und Schießereien eine Krise ab, sagt Wexler.

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Zahlen zu Einstellungen und Pensionierungen vor und nach der Tötung George Floyds

Die von Wexlers Forschungsforum ausgewerteten Daten von knapp 200 Polizeibehörden bilden zwar nur einen Bruchteil der landesweit mehr als 18.000 Strafverfolgungsbehörden ab und sind daher nicht repräsentativ. Es handelt sich aber um einen der wenigen Versuche überhaupt, Zahlen zu Einstellungen, zu Pensionierungen und zur Mitarbeiterbindung aus der Zeit vor und nach der Tötung des Schwarzen George Floyd durch einen weißen Polizisten im Mai 2020 zu vergleichen. Untersucht wurden Daten aus den Zeiträumen 1. April 2020 bis 31. März 2021 sowie 1. April 2019 bis 31. März 2020.

Die sich wandelnde öffentliche Wahrnehmung der Polizeiarbeit in den USA ist vergleichsweise gut dokumentiert. Im vergangenen Jahr glaubten 50 Prozent der Amerikaner, dass gegen die Öffentlichkeit gerichtete Polizeigewalt ein sehr oder äußerst ernstes Problem sei, wie eine Umfrage des AP-NORC-Forschungsinstituts für öffentliche Angelegenheiten ergab.

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Nächste Generation in der Strafverfolgung soll neue Sicht mitbringen

Lynda R. Williams, Präsidentin einer Organisation für schwarze Sicherheitsbeamte, sagt, sie glaube, dass die nächste Generation in der Strafverfolgung eine neue Sicht mitbringen und den Bereich vorwärts bringen wird, in dem sie Behörden diverser und inklusiver macht. Die neue Generation sei die Veränderung, die sie sich wünschten, sagt Williams. Es sei aber schwer, genau die Leute zu rekrutieren, die die Polizei als Gegner betrachteten.

Polizeichef Bryant weiß das aus erster Hand. Nur wenige Wochen nachdem Floyd starb, tötete der weiße Polizeibeamte Garrett Rolfeauf dem Parkplatz einer Fastfood-Kette einen weiteren schwarzen Mann, Rayshard Brooks. In einem für Fälle von Polizeigewalt ungewöhnlichen Schritt, wurde Rolfe gefeuert und vom lokalen Staatsanwalt wegen Mordes in Folge eines anderen Verbrechens angeklagt. Die damalige Leitung der Polizei von Atlanta trat zurück und einige Polizisten verließen die Behörde.

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Streik durch Krankschreibungen

Zahlreiche weitere Polizisten ließen sich in Folge der Ereignisse aus Protest krankschreiben. Bryant, damals Interimschef der Polizei von Atlanta, bestätigte, dass sich der Streik durch Krankschreibungen nach der Anklage Rolfes ereignete. Manche seien wütend, verängstigt oder verwirrt über das, was die Polizei tue, sagte Bryant im vergangenen Sommer auf dem Höhepunkt der Krise in einem Interview. Einige fühlten sich vielleicht auch ein wenig im Stich gelassen.

Die sich wandelnde Haltung gegenüber der Polizeiarbeit hat ganz unterschiedliche Auswirkungen auf Polizisten. Für die ehemalige Friseurin und heutige Polizistin in Baltimore, Kaley Garced, die im vergangenen August die Polizeiakademie abschloss, hat sich durch die Proteste nichts an ihrer Einstellung zur Strafverfolgung geändert. Sie bleibt bei ihrer Berufswahl und dem Plan, mit der Bevölkerung zu interagieren. „Ihr Vertrauen zu gewinnen“, führe zu besserer Polizeiarbeit, sagt sie.

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Personalsuche bleibt eine Herausforderung

Doch die Personalsuche bleibt eine Herausforderung. In Philadelphia verbringen die Behörden beispielsweise immer mehr Zeit damit, in den sozialen Netzwerken nach möglichen Vorurteilen von Bewerbern zu suchen. In anderen Städten ist es aufgrund von Lohnunterschieden zu benachbarten Bezirken schwierig, Polizisten anzuwerben und Absolventen zu halten.

In Dallas führte die Abwanderung von aufgrund schlechter Bezahlung frustrierter Polizisten beinahe zum Kollaps der Pensionskasse. Trotz Bemühungen der Stadt ist die Belegschaft von über 3300 Polizisten im Jahr 2015 auf etwa 3100 gesunken. Inmitten steigender Spannungen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen müssen somit weniger Beamte mehr Fälle bearbeiten. Die Belegschaft besteht zu ungefähr 44 Prozent aus Weißen, zu 26 Prozent aus Schwarzen und zu 26 Prozent aus Latinos.

2016 wurden in Dallas fünf Polizisten von einem Scharfschützen erschossen

2016 wurden in Dallas fünf Polizisten von einem Scharfschützen erschossen, der Rache für Schwarze nehmen wollte, die anderswo durch Polizeigewalt starben oder verletzt wurden.

Mike Mata, der Präsident der Polizistenvereinigung von Dallas, sagt, dass das nationale politische Klima und lokale Gehalts- und Rentenfragen die Einstellung von Mitarbeitern in Dallas erschweren. Ein Beratungsunternehmen befand aber, dass nicht einfach mehr Polizisten gebraucht werden, sondern auch eine „Neuausrichtung von Strategie, Zielen, Mission und Taktik“ benötigt werde.

RND/AP

Der Artikel "Debatten um Polizeigewalt: US-Behörden kämpfen mit Nachwuchsproblemen" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.