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Panorama Der Tod eines Lkw-Fahrers: „Danke, dass er nicht allein gestorben ist“
Mehr Welt Panorama Der Tod eines Lkw-Fahrers: „Danke, dass er nicht allein gestorben ist“
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22:06 28.03.2019
Elke Meyer und ihr Mann, der bei einem Unfall auf der A 10 ums Leben kam Quelle: privat
Nuthetal

Vier Minuten bevor es geschieht, telefonieren sie noch unbeschwert miteinander. „Es ging ihm gut, er hatte Pause“, erzählt Elke Meyer. Acht Stunden später erfährt sie: Ihr Mann, ein routinierter Fernfahrer, lebt nicht mehr. Er starb am 7. Januar 2019 auf der A 10 kurz hinter dem Dreieck Nuthetal. Bei einem Auffahrunfall wurde er in seinem Fahrerhaus eingeklemmt und erlag trotz schneller Behandlung durch Rettungskräfte noch am Unfallort seinen Verletzungen, heißt es nüchtern in der Polizeimeldung, hinter der eine Tragödie steckt.

„Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er plötzlich nicht mehr da ist“, sagt seine Frau. Nach dem Unfall will sie wissen, was nach dem letzten Telefonat wirklich passiert ist und wer ihren Mann noch gesehen und vielleicht noch gesprochen hat. „Ich brauchte das für meine Verarbeitung.“ Sie macht sich auf die Suche, startet einen Aufruf über Facebook, auf den 15 000 Leute reagieren, und findet zwei Menschen, die in den letzten Minuten bei ihrem Mann waren. Ein Lkw-Fahrer, der dahinter fuhr, als der Unfall passierte und den Notruf absetzte, und ein Rettungssanitäter meldeten sich bei ihr. So erfährt sie, was die letzten Worte ihres Mannes waren: „Holt mich hier raus.“

Ein Lkw-Fahrer und ein Sanitäter standen ihm bei

„Er wollte leben. Wir hatten noch so viel vor“, sagt sie. „Das scheiß Schicksal hat es anders entschieden.“ Mit dem Lkw-Fahrer und dem Sanitäter spricht sie lange am Telefon. „Mir war wichtig, jemanden zu finden, der ihn zuletzt begleitet hat“, sagt sie. Die beiden Männer sollen bis zum Schluss bei ihm geblieben sein. „Das sind meine Helden. Ich bin ihnen unendlich dankbar dafür, dass mein Mann nicht allein gestorben ist.“ Ihnen will sie jetzt noch sagen: „Danke für eure Hilfe, ihr habt ihn nicht allein gelassen.“ Sie will sich auch bei allen anderen Helfern bedanken: Bei den Feuerwehrleuten, den Polizisten, der Notärztin und bei den Mitarbeitern der Autobahnmeisterei. „In der heutigen Zeit ist das wichtig“, sagt sie.

„Mein Mann war ein liebevoller Mensch, der beste Ehemann, den man haben konnte“, erzählt sie. Kennengelernt haben sich beide über die Radiosendung „Miteinander“ auf NDR 1. Kurz nach ihrem 50. Geburtstag ruft sie beim Sender an, ihr künftiger Mann sitzt gerade im Lkw, hört NDR 1 und sagt sich: „Diese Frau muss ich kennenlernen.“ Sie telefonieren miteinander, treffen sich und wissen nach dem ersten Treffen, „dass wir zusammengehören“. Acht Monate später heiraten sie.

Auf Fehmarn wollten sie ein zweites Mal heiraten

Neun Jahre später, kurz vor dem Unglück, versprechen sie sich, ein zweites Mal auf der Ostsee-Insel Fehmarn zu heiraten, um das Bekenntnis zueinander zu bekräftigen. „Fehmarn war unsere zweite Heimat, dort waren wir immer im Urlaub“, erzählt die Bremerin. Vor Fehmarn fand ihr Mann Torsten nun bei einer Seebestattung seine letzte Ruhe.

Ihm will sie jetzt noch einen letzten Dienst erweisen: „Ich will Klarheit haben, was in den 180 Sekunden vor dem Unfall im Lkw geschehen ist. Ich will meinen Mann rehabilitieren. Er hat keinen Fahrfehler begangen.“

Von Jens Steglich/RND