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Panorama Cholera breitet sich in Haiti immer weiter aus
Mehr Welt Panorama Cholera breitet sich in Haiti immer weiter aus
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20:30 11.11.2010
Viele Kinder sind in Haiti erkrankt.
Viele Kinder sind in Haiti erkrankt. Quelle: dpa
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Die Cholera-Epidemie in Haiti hat nun auch in der Hauptstadt Port-au-Prince Todesopfer gefordert. Das bestätigte das Gesundheitsministerium, ohne nähere Angaben zu dem Opfer zu machen. Am Dienstag hatten die Gesundheitsbehörden bereits erklärt, dass Dutzende Patienten in Krankenhäusern der Stadt wegen einer Infektion mit der Durchfallerkrankung behandelt werden.

Landesweit seien seit dem 19. Oktober 724 Menschen an der Cholera gestorben, sagte Gabriel Timothée, Direktor im haitianischen Gesundheitsministerium. Er bezeichnete die Epidemie als ein „Problem für die nationale Sicherheit“. In ganz Haiti sind inzwischen mehr als 10.000 Menschen wegen der Infektionskrankheit in Behandlung, allerdings wird die Dunkelziffer der Erkrankten von der Hilfsorganisation Caritas deutlich höher geschätzt.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte ein rasches Fortschreiten der Erkrankung in dem Inselstaat: „Die Zahlen steigen“, sagte Sprecher Christian Lindmeier. In Gonaîves im Norden Haitis starben nach Angaben des dortigen Bürgermeisters 31 Menschen an Cholera. Die Stadt ist die größte im Departement Artibonite und liegt nördlich von St. Marc, wo die Cholera erstmals aufgetreten war.

Besonders kritisch könnte sich eine massive Infektion in Port-au-Prince auswirken. Seit dem Beben vom 12. Januar leben in der Hauptstadt knapp eine Million Menschen in Flüchtlingslagern auf engstem Raum und in prekären hygienischen Verhältnissen. „Die Zahlen der Infektionen und Toten steigen im ganzen Land, aber in den vergangenen Tagen sind sie fast explodiert“, bestätigte auch Elisabeth Byrs von der UN-Organisation für Humanitäres OCHA. Allein in Cité Soleil, dem größten Slum der Hauptstadt, werden 73 Menschen wegen Cholera behandelt. In dem Elendsquartier, das nahe dem Hafen von Port-au-Prince liegt, leben 400.000 Menschen.

Zur Verschärfung der Lage hatte am Wochenende auch der Hurrikan „Tomas“ beigetragen, durch den nach Regierungsangaben 21 Menschen ums Leben kamen. Die Regenfälle, die der Wirbelsturm mit sich brachte, verursachten Überschwemmungen. Diese bedeuten für die Slums und Flüchtlingslager eine Gefahr, wenn das Wasser dort in schlechten hygienischen Bedingungen stehen bleibt. Cholera ist hochansteckend und verbreitet sich vor allem über Wasser. Sie verursacht heftigen Durchfall und Erbrechen und kann bei geschwächten Menschen rasch zum Tode führen.

Die haitianische Regierung versucht derzeit mit allen verfügbaren Mitteln, die Menschen vor der Cholera zu warnen. Denn die Menschen wissen fast nichts über eine Krankheit, die seit über hundert Jahren in dem Inselstaat nicht mehr aufgetreten ist. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, den die Gesundheitsbehörden mit SMS, Flugblättern, Lkw mit Megafonen und mit Hilfe der Nichtregierungsorganisationen gewinnen wollen.

Klaus Ehringfeld/afp

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