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Panorama China vollstreckt Todesstrafe gegen verurteilten Briten
Mehr Welt Panorama China vollstreckt Todesstrafe gegen verurteilten Briten
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08:57 29.12.2009
Akmal S. wurde in China hingerichtet.
Akmal S. wurde in China hingerichtet. Quelle: afp
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Ungeachtet zahlreicher Gnadenappelle hat China einen wegen Drogenschmuggels verurteilten Briten hingerichtet. Er verurteile diesen Schritt aufs Schärfste, teilte Großbritanniens Regierungschef Gordon Brown am Dienstag in London mit. Nach Angaben der Hilfsorganisation Reprieve ist der offenbar psychisch kranke Akmal S. der erste Europäer seit 50 Jahren, gegen den in der Volksrepublik ein Todesurteil vollstreckt wurde.

Er sei erschüttert und enttäuscht, dass die „anhaltenden Bitten um Gnade nicht erfüllt wurden“, teilte Brown mit. Besonders betroffen mache ihn, dass keine psychologische Untersuchung des Briten vorgenommen worden sei. „All unsere Gedanken sind jetzt bei der Familie und den Freunden von Herrn Shaikh. Ihnen spreche ich mein tiefes Beileid aus“, teilte Brown mit. Die Familie erklärte, sie sei betrübt, dass China keine Gnade habe walten lassen.

Die chinesischen Behörden gaben die Hinrichtung zunächst nicht bekannt. Das Oberste Gericht in Peking urteilte jedoch am Dienstag, dass die von britischer Seite vorgelegten Beweise nicht ausreichten, um eine psychische Erkrankung des Todeskandidaten zu belegen. „Die Untersuchung des Gerichts zeigt, dass nichts auf eine geistige Erkrankung hindeutet“, hieß es in dem Urteil, dass die Regierung auf ihrer Internetseite veröffentlichte.

Shaikh war im September 2007 in Urumqi mit vier Kilogramm Heroin festgenommen worden. Nach Angaben seiner Familie ist er psychisch krank und wurde von Kriminellen als Drogenschmuggler missbraucht. Vor einem Jahr verhängte die chinesische Justiz die Todesstrafe gegen den dreifachen Vater. Dass die Erkrankung des Mannes aus London nicht strafmildernd berücksichtigt wurde, sorgte in Großbritannien und bei Menschenrechtsgruppen für Entrüstung.

Bis zur letzten Minute hatten die britische Regierung und die Familie Shaikhs versucht, die Hinrichtung zu verhindern. Zwei Cousins des Todeskandidaten reisten am Montag mit Gnadengesuchen nach China und besuchten den 53-Jährigen im Gefängnis in Urumqi, der Hauptstadt der muslimisch geprägten Provinz Xinjiang. „Wir hoffen, dass unsere Beziehungen zu China letztlich etwas zählen“, sagte der britische Außenstaatssekretär Ivan Lewis am Abend nach einem Treffen mit dem chinesischen Botschafter in London.

Nach Erkenntnissen von Amnesty International werden in China mehr Gefangene hingerichtet als in allen anderen Ländern der Welt zusammengenommen. Amtliche Statistiken darüber veröffentlicht die Regierung in Peking aber nicht.

afp