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Panorama Kommt das Ende der analogen Fotografie?
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10:08 23.09.2016
Cewe rahmt keine Dias mehr. Quelle: dpa
Oldenburg

Sie werden gerahmt und mit einem Projektor an die Wand geworfen: Dias. Jahrzehntelang waren sie ein wichtiges Mittel für Präsentationen und Familienabende. Doch seit Fotografie überwiegend digital ist, spielen analoge Filme kaum noch eine Rolle. Bislang konnten Kunden ihre Dias professionell rahmen lassen - zum Beispiel beim Oldenburger Unternehmen Cewe, dem nach eigenen Angaben führenden Fotoservice in Europa. Im kommenden Jahr wird sich das ändern, Cewe stellt den Service ein. "Wir finden keine Ersatzteile für die Maschinen mehr", sagte Marketing-Vorstand Thomas Mehls. Diafilme würden weiter entwickelt, Kunden könnten die Rahmung selbst übernehmen. "Das kann man von Hand machen", erklärte er.

Dia-Filme sind bei Cewe nur noch ein sehr kleiner Geschäftsbereich. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen knapp 70 Millionen analoge Fotos entwickelt, weniger als ein Prozent davon waren Dias. Insgesamt hat Cewe 2015 rund 2,2 Milliarden Fotos produziert.

Analoge Fotografie ist in Deutschland längst eine Nische. Der Siegeszug der Digitalkameras und Smartphones hat den Markt grundlegend verändert. Der Verkauf von Filmen ging in Deutschland von 2000 bis 2013 um 97 Prozent zurück. Inzwischen werden nach Angaben des Photoindustrie-Verbandes (PIV) nicht einmal mehr Daten über die Zahl der verkauften analogen Filme erhoben.

Bei Cewe sinkt die Zahl der analogen Fotos jährlich um mehr als zehn Prozent, wie der Marketing-Vorstand berichtete. Dennoch wolle das Unternehmen so lange wie möglich auch analoge Fotos anbieten. "Damit sind wir groß geworden. Da liegen unsere Wurzeln", sagte Mehls. "So lange wir das können, werden wir das anbieten."

Ein großes Segment im Bereich der analogen Fotografie betrifft Einwegkameras, die auf Festen oder im Urlaub zum Einsatz kommen. Doch die Smartphones sind auch hier auf dem Vormarsch. Ein anderer Bereich betrifft Hobby-Fotografen, "analoge Enthusiasten", wie Mehls sie nennt. Zudem gebe es immer wieder Erben, die alte Filme etwa ihrer Großeltern finden und wissen möchten, was darauf ist.

Das Ende der analogen Fotografie ist nach Einschätzung des Photoindustrie-Verbandes nicht in Sicht. "Die analoge Fotografie wird es immer geben", sagte Sprecherin Constanze Clauß. Ihr zufolge interessieren sich auch viele Jugendliche dafür. Sie seien fasziniert von der Entschleunigung, der Begrenzung auf maximal 36 Aufnahmen und dem Erlebnis, erst nach einer Wartezeit zu wissen, wie das Foto geworden ist. "Dem Film kommt der Nachwuchs nicht abhanden. Das war nicht unbedingt vorhersehbar."

Auch in Köln, wo bis Sonntag die weltgrößte Fotomesse "photokina" stattfindet, sieht man die analoge Fotografie nicht bedroht. "Ich sehe für diese Nische keine Gefahr. Aber: Es wird eine Nische bleiben", sagte die Geschäftsführerin der Koelnmesse, Katharina Hamma. Das Interesse junger Menschen erklärte sie so: "Das hat für die Jugend einen Reiz, weil es für sie etwas Neues ist." In Zeiten einer digitalen Bilderflut, sei es für viele angenehm, sich bei der Produktion auf ein festes Bild zu fokussieren.

Einen Boom gibt es derzeit im Bereich der Sofortbildkameras. Im vergangenen Jahr wurden dem PIV zufolge weltweit 4,5 Millionen solcher analoger Kameras mit Papierkassette verkauft. "Der Markt ist wachsend. Die Nachfrage ist groß." In der digitalen Zeit habe das niemand erwartet, sagt Clauß.

Eine Neubelebung für Diafilme kann die Sprecherin nicht erkennen, ein baldiges Aus für diese Art der Fotografie aber auch nicht. Dass ein großes Unternehmen wie Cewe keine Dia-Rahmung mehr anbiete, sei kein großer Nachteil für die Konsumenten, sagte sie. Dia-Rahmen gebe es nach wie vor zu kaufen, die Rahmung könnten Kunden schnell selbst machen. Viele wollten ihre Dias sowieso zuerst digitalisieren - für manche Scanner sei eine Rahmung hinderlich.

Die Verwandlung von analog in digital ist für einige Unternehmen zum Geschäftsmodell geworden. Neben speziellen Foto-Scannern gibt es zahlreiche Firmen, die den Service anbieten. So hat die Internetseite find-a-scanservice.de in ihrer Datenbank nach eigenen Angaben Tausende Ladengeschäfte und Versandanbieter, die das Scannen etwa von Fotos, Dias und Negativen übernehmen. Ob Kunden ihren Bilderschatz dann digital oder analog ansehen, können sie selbst entscheiden.

dpa

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