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Panorama Caroline soll Mittwoch für ihren Gatten Ernst August aussagen
Mehr Welt Panorama Caroline soll Mittwoch für ihren Gatten Ernst August aussagen
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19:19 11.01.2010
Caroline Prinzessin von Hannover Quelle: afp
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Caroline Prinzessin von Hannover wird am Mittwoch in Hildesheim erwartet. „Sie kommt“, sagt Gerichtssprecher Bernd Pingel. Die Sicherheitsvorkehrungen laufen, „alles ist mit dem Fürstentum Monaco abgestimmt“. Sie kommt, sagen auch die Anwälte ihres Mannes, Ernst August von Hannover.

Caroline soll aussagen, was sich vor ziemlich genau zehn Jahren am Strand der kenianischen Insel Lamu zwischen Ernst August und dem Diskobesitzer Josef Brunlehner ereignet hat. Ernst August ist angeklagt, Brunlehner in der Nacht zum 14. Januar 2000 mit einer Waffe, möglicherweise einem Schlagring, krankenhausreif geschlagen zu haben, weil er sich durch die Musik und Laserstrahlen der Disko belästigt fühlte. Ernst August bestreitet das. Er sagt, dass es lediglich zwei Ohrfeigen gewesen sind: „One for the music, one for the light.“ („Eine für die Musik, eine für das Licht.“) Seine Frau Caroline ist in jener Nacht auf den 14. Januar 2000 dabei gewesen. Sie hat gesehen, was passiert ist.

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Jetzt soll sie ihrem Mann helfen, den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung wieder los zu werden. Sie soll also dem Mann helfen, dessen Urlaubsbilder derzeit nahezu täglich in den Boulevardblättern abgedruckt werden. Auf diesen Fotos ist Ernst August zu sehen, wie er mit einer fremden Frau auf der thailändischen Insel Phuket im Meer badet. Vorsichtig formuliert, sehen die beiden auf den Bildern sehr vertraut aus. Ernst Augusts Timing seines Badeurlaubs kann schlechter kaum sein. Seine Verteidiger jedenfalls hätten sich über ein Foto der von Hannovers mitsamt Kindern unterm Weihnachtsbaum in den Boulevardblättern deutlich mehr gefreut.

Was also wird Caroline tun? Wird sie doch noch kurzfristig absagen, wie sie es schon einmal im November getan hatte – aus terminlichen Gründen, wie es damals hieß? Oder wird sie wirklich vor Gericht erscheinen? Und wenn sie aussagt, was wird sie sagen? Wie verhält sich eine betrogene Ehefrau vor den Augen von 50 Pressevertretern aus dem In- und Ausland vor Gericht, die ihren Mann entlasten soll? „Sie ist zur Wahrheit verpflichtet“, sagt Ernst Augusts Verteidiger dazu schlicht.

Der Vorsitzende Richter Andreas Schlüter jedenfalls misst ihrer Aussage erhebliche Bedeutung bei. Schließlich war Caroline es, die das Gericht im nichtöffentlichen Wiederaufnahmeverfahren mit ihrer Darstellung der Tat überzeugt hat, den Prozess gegen den Welfenchef neu aufzurollen.

Seit Juni vergangenen Jahres läuft seither vor dem Landgericht Hildesheim die neuerliche Suche nach der Wahrheit. Es ist nicht der erste Versuch. Dem Urteil in der ersten Instanz vor dem Amtsgericht Springe im Dezember 2001 folgte die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Hannover. Das Gericht hatte Ernst August damals wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 445 000 Euro verurteilt. Dieses Urteil vom November 2004 ist hinfällig, seitdem das Landgericht Hildesheim dem Antrag des Prinzen entsprach, den Prozess neu aufzurollen.

Aus Sicht der Verteidiger ist die Aufgabe Carolines klar: Sie soll Ernst August entlasten, soll berichten, dass es sich wirklich nur um zwei Ohrfeigen gehandelt hat. „Symbolische Ohrfeigen“ hatte Ernst August die Schläge einmal genannt. Als „Symbolische Ohrfeigen“ lassen sich auch die Fotos bezeichnen, die Carolines Mann mit einer anderen Frau zeigen. Welche Folgen letztere für Prinz von Hannover haben, wird sich am Mittwoch zeigen.

Von Wiebke Ramm