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Panorama Polizei nimmt Schleuser in Niedersachsen fest
Mehr Welt Panorama Polizei nimmt Schleuser in Niedersachsen fest
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00:17 07.11.2015
Bundespolizisten führen in Hildesheim einen Mann ab. Bei einer groß angelegten Razzia gegen international organisierte Schleuserbanden hat es mehrere Festnahmen gegeben. Quelle: dpa/Gossmann
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Hildesheim

Nach Informationen der HAZ gehören die Schlepper einem libanesisch-stämmigen Familienverbund aus Hildesheim an. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen zunächst einen Beschuldigten der Familie führten zu dem Mammutverfahren. „Das wurde dann immer größer“, sagte am Mittwoch eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion Hannover. Der Mann wurde in Hildesheim vorübergehend festgenommen.

Seine Familie ist spätestens seit dem sogenannten Ampelmord ein Begriff, als vor knapp vier Jahren ein 35-jähriger Syrer von zwei Männern an einer Kreuzung in Sarstedt (Kreis Hildesheim) in seinem Auto erschossen wurde.

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Der am Mittwoch Festgenommene soll der Bruder des einen, noch immer flüchtigen Schützen sein. Das Landeskriminalamt (LKA) ordnet die Familie den sogenannten Mhallamiye-Kurden zu. Laut LKA organisieren sich einige der „M-Kurden“-Familien in „archaisch wirkenden Strukturen“ und fallen durch eine Vielzahl von Raub-, Betrugs- und Drogendelikten auf. In Polizeikreisen hieß es gestern, möglicherweise sei der Menschenschmuggel ein neues Geschäftsfeld.

Ermittlungen gegen 17 Beschuldigte

Die Ermittlungen richten sich gegen 17 Beschuldigte, wie Staatsanwaltschaft und Bundespolizei gestern mitteilten. Sechs Beschuldigte wurden vorläufig festgenommen. Der mutmaßliche Haupttäter wurde in Essen verhaftet. Er soll seine „international weit verzweigten Verbindungen zu Kontaktpersonen“ für die Schleusungen genutzt haben.

Die Schlepper sollen vor allem Libanesen und Syrern gefälschte Reisedokumente und Aufenthaltstitel verschafft haben. Anschließend wurden sie mit dem Flugzeug, häufig ab Istanbul, über Transitstaaten wie Malaysia und verschiedene EU-Staaten nach Deutschland gebracht. Dafür verlangten die mutmaßlichen Täter stattliche Summen: Für die Schleusung wurden nach Angaben der Behörden 10 000 Euro pro Person fällig, Familien zahlten bis zu 90 000 Euro.

Trotz des hohen Preises waren die Schlepper nicht immer erfolgreich. In mehreren Fällen seien die gefälschten Dokumente bereits in den Transitstaaten aufgefallen. Einige Familien blieben dort hängen. Andere beschwerten sich nach ihrer Ankunft in Deutschland in einem arabischsprachigen Fernsehsender über das aus ihrer Sicht betrügerische Verhalten der Schlepper. Auch das dürfte den Ermittlern geholfen haben.

Nach Angaben des LKA hat die Schleuserkriminalität in Niedersachsen seit fünf Jahren stark zugenommen und mit 116 registrierten Fällen bis Ende August in diesem Jahr einen Höchststand erreicht. Das LKA ermittelt gegen 92 Tatverdächtige. Sie stammen überwiegend aus Deutschland – auch in diesem Verfahren haben alle Beschuldigten die deutsche Staatsangehörigkeit.

Von Karl Doeleke und Tarek Abu Ajamieh

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